Donnerstag, 21.03.2019

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Neuer Platz für Treuchtlingens Feuerwehr gefunden

Standort wohl in der Elkan-Naumburg-Straße - Zähes Gezerre um die Baukosten - 06.02.2018 06:04 Uhr

Treuchtlingens Feuerwehrkommandant Andreas Berger vergangenes Jahr bei einer Übung am Nagelberg: Die Routine ist wichtig für den Ernstfall, aber auch Ausrüstung und Unterkunft. Um letztere ringen Wehr und Stadt seit Jahren. © Viola Bernlocher


Die Floriansjünger freut’s, waren sie doch mit der bisherigen Perspektive, neben dem Norma-Markt in der Nürnberger Straße bauen zu müssen, gar nicht zufrieden. Weniger erfreulich finden Kommandant Andreas Berger und seine Kameraden allerdings das Gezerre um die Kosten, das die Planung aktuell erheblich verzögert. Auch bei der Standortfrage scheint jetzt nur noch der Grundstückspreis der Knackpunkt zu sein. An ihn will die CSU/TBL-Fraktion im Stadtrat ihre Zustimmung knüpfen.

„Per Handschlag“ ist der Kauf des rund 8000 Quadratmeter großen Areals in der Elkan-Naumburg-Straße allerdings laut Bürgermeister Werner Baum bereits mit Matthias Krämer von der Metob-Gruppe besiegelt. Der Konzern hatte die Firma KB im Jahr 2010 vom mittlerweile verstorbenen Gründer Harald Knufinke übernommen und die beiden Treuchtlinger Werke Ende 2016 dicht gemacht.

Dass die Feuerwehr einen neuen Stützpunkt bekommen soll, steht seit 2014 fest. Das aktuelle Gebäude am Festplatz ist zu klein und hat seine besten Tage längst hinter sich. Als neue Standorte waren zunächst Flächen neben der Kläranlage und an der Heusteige im Gespräch, dann die „Krautgärten“ am Ostende der Indus­triestraße, ein Grundstück am Brühl sowie das freie Areal neben der Norma  in der Nürnberger Straße.

Vom Filetstück zum „Graus“

Die Feuerwehr bevorzugte von Anfang an die Lage am Brühl, die der Stadtrat jedoch als städtebauliches „Filetstück“ für Wohnbebauung freihalten wollte. Nach und nach kristallisierte sich deshalb das Schambachried neben dem Norma-Markt als Standort für das neue Gerätehaus heraus – zum Leidwesen der Brandschützer, für die das feuchte Gelände nach Worten von Norbert Becker „ein Graus“ war. „Da hätten wir gleich nebenan Schlammbäder nehmen können“, so der ehemalige Kreisbrandinspektor.

Nun also die Elkan-Naumburg-Straße, wo die Schließung der Firma KB zugleich eine neue Perspektive für die Floriansjünger eröffnet hat. Dass die Debatte zuvor teils recht emotional geführt wurde, räumte auch Rathauschef Werner Baum bei der Jahresversammlung der Feuerwehrler ein. „Wir können in Treuchtlingen halt topografisch nicht so aus dem Vollen schöpfen, wie Kommunen in der brettlflachen Ebene“, warb er für Verständnis. Der jetzt gefundene Standort sei jedoch „sehr geeignet“ und „eine hundertprozentige Verbesserung“ gegenüber der Variante in der Nürnberger Straße.

Der aktuelle, aber noch nicht endgültige Grundriss des neuen Gerätehauses: links die Fahrzeughallen, rechts Werkstätten und Lager, unten Übungsturm, Aufenthaltsraum und Umkleiden. © Grafik: Maier & Hertlein


Die Firma KB hat nun laut Baum bis Jahresende Zeit, ihre Maschinen abzubauen, sodass Anfang 2019 der Abrissbagger anrücken könnte. Wie es danach genau weitergeht, ist indes noch unklar. Zwar hatte der 13-köpfige Planungsausschuss der Wehr Anfang vergangenen Jahres das örtliche Architekturbüro Maier und Hertlein mit dem Entwurf des neuen Hauses beauftragt und bereits im Juni eine Grobplanung vorgelegt. Die war dem Stadtrat aber mit rund sechs Millionen Euro zu teuer. Es folgten Gespräche, Nachbesserungen, erneute Präsentationen im Stadtrat, weitere Abstriche und erneute Debatten.

Stark abgespeckt

Ursprünglich gewünscht hatten sich die Floriansjünger ein langgezogenes, anderthalbstöckiges Feuerwehrhaus mit zehn Fahrzeughallen, getrennten Umkleiden, Aufenthalts-, Schulungs- und Jugendraum, Büros, Lagerflächen, Werkstätten, Rüsthalle, Schlauchpflegeanlage und Schlauchturm. Im Oktober wurden daraus bereits eine Fahrzeughalle und der Schlauchturm gestrichen. Statt letzterem soll es zur Schlauchpflege nun eine Kompaktanlage geben – was allerdings nichts daran ändert, dass das Gebäude weiterhin einen Turm zu Übungszwecken mit der Drehleiter braucht.

Dazu kommt laut Planungsausschuss-Sprecher Martin Schöner, dass mit der reduzierten Fläche „die Kapazitätsgrenze eigentlich schon wieder erreicht ist“. Bei der Besichtigung anderer neuer Feuerwehrhäuser habe man immer wieder zu hören bekommen, dass „das Haus schnell wieder zu klein war“. Das drohe nun auch in Treuchtlingen.

Dennoch lehnte der Stadtrat im November den abgespeckten Entwurf erneut als zu teuer ab. „Wir wissen nicht, was wir noch einsparen sollen“, wunderte sich Schöner. „Für uns ist der Gebäudeumfang schon jetzt so ziemlich das Minimum.“ Dies bestätigte implizit auch Landrats-Vize Robert Westphal. Er betonte, dass „das Feuerwehrwesen in Treuchtlingen nicht mehr allzu ländlich“ und dessen adäquate Ausstattung eine Pflichtaufgabe der Kommune sei – allerdings „im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit“.

Kreisbrandinspektor Volker Satzinger ergänzte, dass „Ausbildung, Unterbringung und Ausrüstung sowie Planung und Risikobewertung der Kommune modern und zukunftsorientiert sein müssen“. Da die Personalstärken der Freiwilligen Feuerwehren zurückgingen, müsse die Technik auf dem neusten Stand sein. „Klar, das kos­tet viel Geld, macht sich aber nicht von selbst“, so Satzinger. Oberstes Ziel sei das Wohl der Bürger. Rathauschef Werner Baum verwies in diesem Zusammenhang jedoch auch auf die Anschaffung des neuen Logistikfahrzeugs und des Verkehrssicherungsanhängers im vergangenen Jahr. Sie seien Beleg dafür, dass die Stadt diesem Ziel gerecht werden wolle.

Baubeginn Anfang 2020

Im März oder April will der Stadtrat nun erneut über die aktualisierten Baupläne beraten. „Einst sollte das Haus bis 2020 stehen, jetzt wird dann aber eher der Baubeginn sein, und auch das immer unter dem Vorbehalt, dass es der Haushalt zulässt“, bekennt Bürgermeister Baum. 960.000 Euro stehen heuer für die Planung im Etat, weitere 550.000 im nächsten Jahr. Die erste Bauphase schlägt dann 2020 mit zwei Millionen Euro zu Buche und Phase zwei im Jahr 2021 mit 2,24 Millionen. An Zuschüssen gibt es voraussichtlich rund 760.000 Euro.

Ins alte Gerätehaus wollen Wehr und Stadtoberhaupt einhellig „nicht mehr viel reinstecken“. Das neue Gebäude sei bereits seit seiner Wahl vor zehn Jahren „überfällig“, so Baum. Dass die Stadt allerdings bei ihrer Stützpunktwehr Kosten und Ausstattung reduzieren will, während sie allein für den schon heuer beginnenden Neubau im ungleich kleineren Gundelsheim (dessen Wehr freilich mit 154 Mitgliedern und 97 Aktiven sogar größer als die der Kernstadt mit ihren 85 Mitgliedern ist) knapp eine Million Euro in die Hand nimmt, empfanden einige Treuchtlinger Veteranen nach wie vor als „unverständlich“. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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