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Plastikfreies Einkaufen in Altmühlfranken

Bei Maulbeere Naturkost gibt es unverpackte Zahnbürsten und Seife direkt aus der Tube - 07.10.2018 06:03 Uhr

Judith Treugut-Asholz ist nicht nur fünffache Mutter, sondern auch Betreiberin des Biofachgeschäfts „Maulbeere Naturkost“ in Langenaltheim. © Micha Schneider


Ein bisschen fühlt es sich für den Einkäufer so an, wie im eigenen Badezimmer. Denn in einer hinteren Ecke im Laden versteckt steht ein Seifenspender.  Ein bisschen größer wie im eigenen Bad, das schon. Aber auch hier kann man sich einfach direkt bedienen, ganz wie in den eigenen vier Wänden – und so viel Seife einpa­cken, wie man eben braucht. Ohne Plastikverpackung, wie in einem herkömmlichen Supermarkt. Rose-, Citrus- und Rosmarin-Seifenbehälter stehen zur Auswahl.  100 Milliliter Rose kosten beispielsweise 88 Cent.

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Noch gibt es zwar nicht all zu viele Einkäufer, die sich beim Seifenspender bedienen, „aber Haarseife geht richtig gut“, berichtet  Judith-Treugut-Asholz, die Inhaberin von „Maulbeere Naturkost“, einem Fachgeschäft für regionale Bio-Lebensmittel.  

Seit April dieses Jahres kann man hier auch verpackungsfrei einkaufen. In sogenannten „Glasbins“, also Glasspendern können die Einkäufer ausgewählte Trockenprodukte wie Sojabohnen, Linsen oder Dinkel, aber auch Cornflakes, Aprikosen oder Haferflocken einkaufen. Selbst Zahnbürsten und Geschirrspülreiniger stehen unverpackt in den Regalen.

Einkaufen als Erlebnis

„In unserer Familie gab es so ein großes Plastik-Aufkommen“, sagt Treugut-Asholz, „wir haben deshalb geschaut, was wir für den Umweltschutz leisten können und uns dazu entschlossen, dies anzubieten.“ Die fünffache Mutter übernahm im letzten Jahr den Laden und betreibt ihn seither mit zwei weiteren Mitarbeiter­innen.

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„Unsere Hoffnung war es eigentlich, vor allem für die einheimischen Leute da zu sein“ sagt Treugut-Asholz, die in ihrem Einkaufsladen auch ein kleines Café integriert hat. „Das Einkaufen soll zum Erlebnis werden“, sagt sie. Aus dem Ort Langenaltheim kämen aber bislang eher vereinzelt Leute. Dafür nehmen andere selbst eine halbe Stunde Fahrzeit in Kauf, um ihre Produkte zu erwerben.

Mit ihrem Laden bietet sie nämlich gleichzeitig auch eines der ländlichs­ten Angebote für verpackungsfreies Einkaufen überhaupt an. Meistens gibt es derlei Angebote eher in den größeren Städten. In Nördlingen beispielsweise, oder in Nürnberg, München und Augsburg.

Bequemlichkeit als Problem

Dass das verpackungsfreies Einkaufen dennoch nach wie vor ein Nischenthema ist, liege laut Treugut-Asholz vor allem daran, dass man vorab ein bisschen planen müsse. Und natürlich an der gewissen Bequemlichkeit eines jeden Menschen. „Man muss halt vorab ein bisschen mehr nachdenken. Was brauche ich zum Beispiel für Gefäße“, sagt sie. Das würden eben nicht alle wollen. Für den Einkauf bei ihr stehen aber auch Pfandbehältnisse bereit.

Die jeweiligen Behälter werden auf die Waage gestellt und dann mit einer Schöpfkelle befüllt. Man zahlt also auch nur für das, was man auch tatsächlich kauft. „Wir haben viele Singles oder alleinstehende Personen, die hier einkaufen. Was wollen die mit einem Kilogramm Reis?“, fragt Treugut-Asholz.

Die Zahnbürsten stehen unverpackt und abholbereit im Laden. Seife gibt es gleich nebenan direkt aus dem Seifenspender. © Micha Schneider


Ärgern tut sie sich aber nicht darüber, dass die meisten Menschen eben nach wie vor lieber in einen herkömmlichen Supermarkt gehen, auch wenn sie sich ein Umdenken wünschen würde. Jeder könne sich schließlich fragen, was man in kleinem Stile tun kann, um einen Beitrag für die Umwelt zu leisten, findet sie. Und dazu zählt für sie auch verpackungsfreies Einkaufen. Jährlich wird in Deutschland über 10 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. Weltweit geraten bis zu 13 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr ins Meer. Daran sterben pro Jahr bis zu 1 Millionen Seevögel und 100.000 Meeressäuger. Das Thema hat also durchaus Relevanz.

Die unverpackten Lebensmittel bietet sie deswegen auch billiger an als die mit Verpackung. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte das verpackungsfreie Einkaufen anregen“, sagt Treugut-Asholz. Ihr Sortiment soll nun Stück für Stück erweitert werden. „Bald gibt es zum Beispiel auch verpackungsfreies Klopapier“, sagt sie. Und spätestens dann fühlt man sich beim Einkaufen wohl tatsächlich wie im eigenen Badezimmer.

 

Micha Schneider E-Mail

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