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Projekt des BUND: Ist Wildkatze bald wieder heimisch?

Netz aus Wäldern soll helfen – Noch kein Nachweis in unserem Raum - 13.11.2015 06:05 Uhr

Für Laien ist die Wildkatze von der normalen Hauskatze kaum zu unterscheiden. Erst genetische Untersuchungen bringen Gewissheit über neue Populationen. Nur noch ein paar Kilometer fehlen zu unserem Gebiet. © Thomas Stephan


Dies sind Erkenntnisse des Projekts „Wildkatzensprung“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das diese Woche vorgestellt wurde. Um die Wiederausbreitung der Wildkatze zu unterstützen, hatte der BUND in anderen Bundesländern „grüne Korridore“ zwischen Wildkatzenwäldern gepflanzt. Das Projekt „Wildkatzensprung“ wird im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert.


In einer weltweit einmaligen Untersuchung der Wildkatzenbestände wurden seit 2011 in zehn Bundesländern mehr als 2.400 Haarproben gesammelt und genetisch analysiert. Das Ergebnis: Es gibt genetische Trennungen zwischen den verschiedenen Wildkatzenbeständen. Zudem ist keine Wildkatze in mehr als einem Waldgebiet nachgewiesen worden. Dies deutet auf Ausbreitungsbarrieren hin, die Wildkatzen schwer überwinden können. „Während beispielsweise in Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Bonn oder in Nord- und Mittelbayern überraschend viele Nachweise gelangen, sind im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und im Osten Deutschlands noch immer keine Wildkatzen heimisch“, erläuterte Prof. Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND. „Dies zeigt, dass die Wildkatzen bis hierhin noch nicht wandern konnten und an ihrer Wiederausbreitung gehindert werden.“


Nachweise gibt es allerdings bereits aus dem Raum zwischen Aalen und Nördlingen. Und so scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Katze wieder in unserem Raum auftaucht – wenn sie nicht schon unentdeckt da ist. Denn der Hahnenkamm und die flankierenden Höhen des Altmühltals wären eigentlich eine Art natürlicher Brücke.


Das Projekt „Wildkatzensprung“ setzt hier seit vier Jahren an: Beispielhaft in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wurden Wälder durch „grüne Korridore“, d.h. Waldverbindungen aus Bäumen und Büschen, wieder miteinander verbunden. Straßen und Siedlungen wachsen und zerschneiden die Wälder. Gehölzgruppen und -säume gehen durch die Intensivierung der Landbewirtschaftung verloren. Um der Wildkatze und mit ihr vielen anderen gefährdeten Tieren eine Chance zu geben, müsse laut BUND deutschlandweit ein Netz verbundener Wäldern geschaffen werden. Unterschiedlichste Interessen aus Landwirtschaft, Behörden, Jagd, Forst und Naturschutz mussten in dem Projekt zusammengeführt werden. Den Erfolg brachten dabei laut BUND offene Gespräche, pragmatische Lösungen und zuverlässige Partner vor Ort – eine Schlüsselrolle, die oftmals Ehrenamtliche übernommen hätten.


Viele freiwillige Helfer und „Wildkatzenbotschafter“ hätten demnach dabei geholfen, Haarproben zu sammeln und Waldverbindungen zu pflanzen. Das Projekt „Wildkatzensprung“ sei nicht nur eines der größten Naturschutzprojekte Europas, sondern auch beispielhaft für die Einbindung von Bürgern in die Wissenschaft als sogenanntes „Citizen Science“-Projekt, heißt es.


Das Projekt „Wildkatzensprung“ läuft noch bis 2017. Weitere Informationen gibt es unter www.bund.net/wildkatzensprung.

 

pm/Hubert Stanka

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