Dienstag, 13.11.2018

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Schüler sollen Treuchtlinger Feuerwehren stärken

Dorfwehren wollen Kindergruppen einrichten, um spielerisch an die Aufgaben heranzuführen - 21.08.2018 06:05 Uhr

Bei der Nachwuchssuche gehen manche Feuerwehren direkt auf Kinder zu und werben spielerisch – etwa mit dem Löschen eines „brennenden“ Hauses. © Archiv/Schreiber


Für die Kinder ist es erst einmal nur ein Spiel: Aus den Fenstern eines Miniaturhauses schlagen Flammen, die erst verschwinden, wenn der Wasserstrahl auf sie gerichtet wird. Die kleine „Hausbrandanlage“ – natürlich ohne echtes Feuer – hat die Grabener Feuerwehr beim dortigen Dorffest aufgestellt, um bereits Grundschüler für die Arbeit der Brandschützer zu begeistern.

Die Grabener Floriansjünger möchten die Kinder möglichst früh an sich binden, ziehen doch gerade viele junge Familien ins Neubaugebiet Mandlfeld. Es sei schwierig, Jugendliche neu für die Wehr zu interessieren, da diese dann meist schon im Schützen- oder Sportverein aktiv seien, so Kommandant Benjamin Drießlein. Er würde sich zudem wünschen, bei der Nachwuchssuche gleich auch die Eltern für den aktiven Dienst zu gewinnen.

Seit dem 1. Juli 2017 können die Freiwilligen Feuerwehren in den Gemeinden eigene Kindergruppen für Mädchen und Jungen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr gründen. Bis sie zwölf Jahre alt sind, treffen sich die Kinder mindestens einmal im Monat zu einer etwa eineinhalbstündigen „Übung“. Ziel ist ein spielerisches und lockeres Kennenlernen der Feuerwehr. „Was muss ich tun, wenn es in meinem Haus brennt? Wie hole ich Hilfe, wenn meine Eltern nicht zu Hause sind?“ Auf diese und viele weitere Fragen sollen die Kleinen eine Antwort bekommen.

Dabei soll der Nachwuchs erst ganz allgemein erfahren, was die Feuerwehr ist und was sie so macht. Dazu gehören das Kennenlernen der Fahrzeuge und der Ausrüstung sowie Informationen zum Umweltschutz. Natürlich geht nicht alles bierernst zu, der Spaß steht im Vordergrund. Als Beispiel nennt Drießlein Geschicklichkeitsspiele wie den Transport von Wasser in einem Feuerwehrhelm, ohne viel zu verschütten, oder das Löschen einer „brennenden“ Fassade.

„Wasser marsch“ im September

In Graben haben Lisa König, Mat­thias Mitzler und Nadine Bartsch dafür ein Konzept erstellt, das aber noch von der Stadt genehmigt werden muss. So können die Kinder auch einmal eine andere Feuerwehr oder das Rote Kreuz besuchen sowie bei einer Übung zuschauen. Die neue Gruppe soll zu Schuljahresbeginn im September an den Start gehen.

Richtige Einsätze sind für Kinderaugen natürlich tabu. Das gilt zum Teil auch für die Jugendfeuerwehr, in der sich die Zwölf- bis 18-Jährigen auf den aktiven Dienst vorbereiten. Hier bekommen die Jugendlichen eine feuerwehrtechnische Grundausbildung und trainieren auch schon für die Praxis. Wenn sie 16 sind, können sie mit entsprechender Ausbildung an den ersten Einsätzen teilnehmen. Tödliche Unfälle oder schwere Brände, bei denen Gefahr für die Einsatzkräfte droht, sind allerdings nicht dabei.

Die Feuerwehren in Graben und Bubenheim haben sich zusammengetan, um eine Jugendfeuerwehr zu gründen. Bevor es diese formale Gruppe gab, konnten junge Erwachsene erst mit 18 Jahren in die Wehr eintreten. Doch in diesem Alter haben die jungen Männer und Frauen meist andere Gedanken im Kopf als ehrenamtliches Engagement – weshalb die Vereine auf eine frühzeitige Bindung setzen.

Die Jugendfeuerwehr besteht aus neun Bubenheimern und einem Grabener und hat sich bereits mehrmals getroffen. Auch ihre Jugenduniformen haben die Mitglieder schon erhalten. Eine finanzielle Förderung gibt es dafür nicht, die staatlichen Feuerwehrschulen unterstüzten die Wehren jedoch mit Leitfäden und Material.

Zuschuss von der Stadt

Bei der jüngsten Treuchtlinger Stadtratssitzung war die Gründung der Kinderfeuerwehren ebenfalls ein Thema. Denn neben der Grabener Wehr (wegen des fehlenden Feuerwehrvereins) haben sich auch die Wettelsheimer Floriansjünger an die Stadt gewandt und um eine Unterstützung der Kinderfeuerwehr gebeten. Ein wichtiger Punkt: Der Versicherungsschutz über die kommunale Unfallversicherung ist besser als der über den Landesfeuerwehrverband.

Da nicht auszuschließen ist, dass auch weitere Wehren Kindergruppen gründen wollen, sollte der Stadtrat auf Anraten der Verwaltung einen Grundsatzbeschluss fassen. Die interessierten Feuerwehren sollen ein Konzept vorlegen, zudem müssen sie sich selbst um Arbeitsmaterialien und Kleidung sowie die passenden Räume kümmern. Die Verantwortung für die Kindergruppe trägt der jeweilige Kommandant. Letztlich muss die Stadt ihre Zustimmung zur Gründung geben.

Als Anhaltspunkt und Maßstab für die Gründung einer Kindergruppe dient eine Handreichung des Landesfeuerwehrverbands. Die Treuchtlinger Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, den Kindergruppen einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 100 Euro zu geben. Bürgermeister Werner Baum begrüßte diese Initiative, schließlich sei der Aufbau von Kindergruppen anders zu bewerten als bei einem Fußballverein: „Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde.“

FW-Fraktionschef Klaus Fackler warnte vor einem „Kampf um das knappe Gut Kind“ und möchte keinen Wettbewerb mit anderen Vereinen organisieren, zumal die Kassen der Feuerwehrvereine gut gefüllt seien. Der Zuschuss solle kein Anlass für die Gründung sein, sondern die Idee sollte schon davor bestanden haben.

Letztlich nahm der Stadtrat den Antrag bei drei Gegenstimmen (Fackler, Kress, Baum-Grimm) an – auch wegen der überschaubaren Kosten in Höhe von maximal 1200 Euro im Jahr für alle zwölf Wehren. Uwe Linss (CSU) und Stefan Fischer (SPD) betonten allerdings, dass die Feuerwehren für die Nutzung der Räume selbst Sorge zu tragen hätten und keine Ansprüche gegenüber der Stadt bestünden – etwa nach einem größeren Gebäude. 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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