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Schwerverkehr durch Möhren: Last für Anwohner

Stau in der Dorfmitte ist an der Tagesordnung – Rückmeldung auf Artikel - 04.09.2018 06:05 Uhr

Ist nicht für viel Verkehr ausgelegt: Die Monheimer Straße in der Dorfmitte von Möhren. © Benjamin Huck


Wer Tag und Nacht an einer vielbefahrenen Staatsstraße lebt, hat natürlich einen anderen Eindruck von der Situation als ein Reporter, der sich nur kurzzeitig ein Bild von der Lage machen kann (siehe unten). Herbert Rosenwirth ist ein Anwohner der Monheimer Straße und bekommt das ganze Ausmaß des Verkehrs täglich mit.

Die Gefahrensituation im südlichen Abschnitt der Ortsdurchgangsstraße sei besonders groß, da es die Fahrbahnbreite teilweise kaum zulässt, dass ein Lastwagen und ein Auto aneinander vorbeikommen. „Es finden laufend Ausweichmanöver statt, und dazu werden natürlich auch die Gehwege und privaten Hofeinfahrten benutzt“, so Rosenwirth, der zum Beweis der brenzligen Lage ein paar Fotos mitgebracht hat.

Auch Möhrens Ortssprecher Stefan Biber ist mit der Situation vertraut, vom Haus seiner Eltern aus war er schon mehrmals Zeuge von sehr langen Staus. Dass die Rückmeldungen bei der Polizei abgenommen hätten und die Möhrener ruhig geblieben seien, hat laut ihm damit zu tun, dass es eh nichts nütze, sich aufzuregen. Warum sich niemand mehr an die Polizei wendet, liege eigentlich auf der Hand, meint auch Rosenwirth: „Was sollen Polizeibeamte gegen eine hohe Verkehrsbelastung unternehmen?“

Die sei nämlich enorm. Rosenwirth spricht von Lastwagen aus der ganzen EU, wie unschwer an den Kennzeichen zu erkennen sei. Außerdem fahren viele Schotterlaster durch den Ort, zuletzt sei sogar ein Schwertransporter unterwegs gewesen. „Und diese Belastung ist nicht nur tagsüber, sondern auch verstärkt ab 2 Uhr nachts.“

Der Möhrener Rosenwirth hätte sich von den Behörden eine bessere Planung gewünscht, so hätte die Stadtverwaltung mit dem Straßenbauamt über geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Lärm- und Verkehrsbelas­tung sprechen und auch mit den Bürgern das Gespräch suchen können, so wie es im Nachbarlandkreis Donau-Ries der Fall sei. Denn die B 2 ist nicht nur zwischen Dietfurt und Langenaltheim einseitig gesperrt, weshalb der Verkehr sich nun durch Möhren und Rehlingen bahnt, sondern auch bei Monheim. Rosenwirths Vorschlag: „Die Fahrspur auf der B 2 in Richtung Norden hätte man auch mit einer Ampelregelung für die Fahrt Richtung Süden benutzen können.“

Doch warum ist das nicht geschehen? Für das Straßenbauamt ist die Antwort ganz einfach: „Eine Ampellösung sorgt für eine viel längere Bauzeit“, erläutert Abteilungsleiter Andreas Fechtner. Statt sechs Wochen einseitiger Sperre hätten sich die Bauarbeiten auf etwa vier Monate verlängert, schätzt er. Zudem stünden die Autos dann vor den Ampeln länger im Stau. Erschwerend komme hinzu: Die offene Fahrbahn sei zu schmal, um einen Ampelbetrieb einzurichten.

Die Lärm- und Staubbelästigung sei teilweise nicht mehr erträglich, so Rosenwirth. „Man kann nicht nur tagsüber, sondern auch nicht in der Nacht die Fenster öffnen. Der Ruß von den Dieselfahrzeugen setzt sich sichtbar an den Fassaden und den Hauseingängen fest.“ Und nicht nur das: An einem Wohnhaus in der Monheimer Straße soll bereits zweimal die Dachrinne beschädigt worden sein, da die Lastwagen den Gehsteig als Fahrbahn benutzen. Der nicht dafür ausgelegte Grund leide ebenfalls unter der Last.

Ein alltägliches Bild: Lastwagen und Autos müssen in Möhren auf den Gehsteig ausweichen, um aneinander vorbeizukommen. © Herbert Rosenwirth


Wer kommt also für die Schäden auf, die durch die Umleitung entstehen? Andreas Fechner vom Staatlichen Bauamt erklärt, dass der Bund – schließlich wird auf der Bundesstraße gebaut – für Schäden hafte, die an den Banketten oder den öffentlichen Gehsteigen entstehen. Vorher habe das Bauamt bei einer Kontrollfahrt eine Bestandsaufnahme gemacht und werde sich im Nachgang ansehen, wo Schäden entstanden sind.

Wenn jedoch ein Lastwagen eine Dachrinne an einem Haus mitnimmt, so komme die Privathaftung ins Spiel. Der Lastwagenfahrer müsse sich um den Schaden kümmern und für die Kosten aufkommen.

Wie ein Artikel zustande kommt

„Alles halb so schlimm?“ Mit dieser Frage betitelten wir in der Freitagsausgabe unseren Artikel zur Verkehrsproblematik – und mussten uns anschließend viel Kritik anhören. Die Bestandsaufnahme sei nicht objektiv gewesen und verkenne die Wirklichkeit. Wie kam es also zu dem Eindruck? Der Autor des Textes war am Donnerstagmorgen gute 40 Minuten an der Engstelle in Möhren und hat den Verkehr beobachet. Bei den wenigen Lastwagen gab es keine Probleme. Außerdem schilderte die Polizei, wie im Artikel dargelegt, dass die Meldungen aus Möhren zurückgegangen seien.

Freilich sind das alles nur kurze Bestandsaufnahmen, eine stundenlange Beobachtung der Lage können wir nicht leisten. Am Donnerstagmorgen war zudem kein Dorfbewohner zugegen, den der Autor hätte befragen können. Und wahllos an Häusern zu klingeln und im Telefonbuch alle Möhrener anzurufen, ist auch nur schwer machbar.

Umso mehr freuen wir uns über die zahlreichen Rückmeldungen der Anwohner, die wir zum Teil im heutigen Artikel verwendet haben. Verbunden mit einer Bitte: Wenn Sie, egal in welchem Ort Sie wohnen, mit einem Problem konfrontiert sind, sagen Sie uns frühzeitig Bescheid. Sie erreichen uns per E-Mail an tk-redaktion@pressenetz.de oder telefonisch unter der 09142/966110. Vielen Dank! 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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