Montag, 10.12.2018

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Spuk und Horror: Grusel-Kapelle im Altmühltal bald im TV?

"Haunted – Seelen ohne Frieden" mit Sky du Mont hat offenbar Interesse - 10.09.2016 15:00 Uhr

Im Dreißigjährigen Krieg zerstört oder schon zuvor ein Opfer des Bauernkrieges? Die unterschiedlichen geschichtlichen Darstellungen zur Uhlbergkapelle lassen Raum für Spekulationen. Unabhängig davon strahlt allein die Örtlichkeit auf dem "Eulenberg" zweifelsfrei eine besondere Atmosphäre aus. © Archiv / Sieghard Hedwig


In einem ausgedehnten Wald einige Kilometer südlich von Auernheim nahe den Siebeneichhöfen steht auf dem sogenannten Uhlberg eine weithin bekannte Ruine. In vielen Karten ist sie als St.-Ulrichs-Kapelle verzeichnet, im Volksmund heißt sie einfach Uhlbergkapelle. Allerlei Mysterien ranken sich um das versteckt gelegene Gemäuer, nicht zuletzt wegen seiner unklaren Geschichte.

Für die einen ist die Uhlbergkapelle eine interessante Station auf ihrer Wanderung über den Hahnenkamm. Auf andere, insbesondere junge Leute, hat der Ort eine magische Anziehungskraft. Von Spuk, schwarzen Messen, übersinnlichen Sichtungen und anderen merkwürdigen Vorgängen ist da die Rede. Einige „Pilger“ haben schon vor Jahren mit dem Handy (recht wenig aufschlussreiche) Geisterfotos gemacht und ins Internet gestellt.

Ort für wilde Partys

Immer wieder wird die Ruine aber auch für wilde Partys missbraucht. Das nahegelegene Jagdhaus musste nach heftigem Vandalismus vor vier Jahren sogar abgerissen werden. Leere Bierdosen, Kippen und Schmierereien an den Wänden zeugen von den wenig „geistreichen“ Besuchern.

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100 Jahre Grusel-Faktor: Die Uhlberg-Kapelle im Rückblick

Die Kapellenruine auf dem Uhlberg zieht seit Jahren Grusel-Fans an. Jetzt hat ein TV-Sender Interesse an den Spukgeschichten rund um die alten Gemäner. Doch: Im Laufe der vergangenen 100 Jahre hat sich die Ruine der Uhlbergkapelle stark verändert. Die Bilder zeigen, wie sie früher aussah.


Über die Gründe für das Interesse an der Ruine weit über die Region hinaus ist einiges im Internet zu finden. So ist die Geschichte der Kapelle nach wie vor teils im Dunkeln. Eine Tafel vor den Überresten gibt einige, nicht unbedingt erschöpfende Hinweise.

Was hat es mit der weißen Frau auf sich?

Ihr zufolge leitet sich der Begriff „Uhlberg“ von „Eulenberg“ ab. Dieser wird bereits 1144 urkundlich erwähnt. Durch Schenkung und Verkauf geriet das Gebiet ab 1242 in den Besitz des Deutschen Ordens in Ellingen. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich eine Wallfahrt zu einem Marien-Bildstock auf dem Uhlberg, zu der die Wallfahrer angeblich bis aus dem Allgäu kamen.

Der Ellinger Landkomtur Melchior von Neuneck soll deshalb der Bau der Kapelle in Auftrag gegeben haben, die Maria geweiht war, der Schutzpatronin des Deutschen Ordens. 1466 gewährte Papst Paul II. den Wallfahrern auf dem Uhlberg an Mariä Verkündigung und Mariä Himmelfahrt sogar einen Ablass.

Wohl nach mehrmaligen Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg setzte im 17. Jahrhundert der Verfall der Kapelle ein. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die verbliebenen Mauerreste restauriert und die Spitzbögen der Chorfenster durch Rundbögen ersetzt. Heute ist die Kapelle im Besitz des Freistaats Bayern. Eine spätgotische Madonnenstatue aus dem Kirchlein, möglicherweise das Gnadenbild, befindet sich im Diözesanmuseum in Eichstätt, ein Relief des Marientodes in der Dorfkapelle im nahen Zwerchstraß.

Im Dreißigjährigen Krieg zerstört oder schon zuvor ein Opfer des Bauernkrieges? Die unterschiedlichen geschichtlichen Darstellungen zur Uhlbergkapelle lassen Raum für Spekulationen. Unabhängig davon strahlt allein die Örtlichkeit auf dem „Eulenberg“ zweifelsfrei eine besondere Atmosphäre aus. © Archiv / Sieghard Hedwig


Eine andere Quelle berichtet, dass die Mauern auf dem Uhlberg die Überreste eines Benediktinerinnenklosters seien, das der Marschall Ulrich von Rechberg im 12. Jahrhundert auf dem Gut Schafhaus gegründet haben soll. Nach dem Aussterben der Linie um 1224 übernahmen demnach die Grafen von Pappenheim die Vogtei. 1244 ließen dieser Variante zufolge die Grafen von Truhendingen den Benediktinerinnen größere Stiftungen zukommen, bevor die Herren von Hürnheim das Kloster 1252 nach Zimmern im Ries verlegten. Nach der Beilegung des Streits um den Standort Anfang des 14. Jahrhunderts blieben das Hauptkloster in Klosterzimmern und ein Zweigkloster auf dem Uhlberg.

Die jetzige Ruine ist nach dieser Überlieferung das Überbleibsel des gotischen Baus aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, für dessen Besuch Papst Paul II. 1466 den erwähnten Ablass gewährte. Kirche und Kloster wurden demzufolge jedoch nicht im Dreißigjährigen Krieg zerstört, sondern bereits 1525 im Bauernkrieg niedergebrannt. 1629 wurde angeblich erfolglos ein Wiederaufbau beantragt. 1724 wird die Kapelle bereits als Ruine bezeichnet. An dieser zweiten Entstehungsgeschichte bestehen allerdings laut der vor der Ruine stehenden Tafel erhebliche Zweifel.

Ungewissheit schafft Räume

Nach der unstrittigen Renovierung im 19. Jahrhundert gab es schließlich auch 1970 nochmals Sanierungsarbeiten an der Ruine. Diese Ungewissheit und der Ort selbst bieten Raum für Fantasie. So wurde angeblich immer wieder eine mysteriöse „weiße Frau“ in dem Gemäuer gesehen. Vielleicht der Geist einer der einstigen Benediktinerinnen? Grund genug für die Mystery-Serie „Haunted – Seelen ohne Frieden“ des Fernsehsenders TLC, sich für die Uhlbergkapelle zu interessieren.

Die Dokutainment-Reihe mit dem Schauspieler Sky du Mont („Der Schuh des Manitu“) berichtet über übernatürliche Ereignisse im deutschsprachigen Raum. Dafür sucht die Produktionsfirma Odeon Entertainment stets weitere geheimnisvolle Orte und Geschichten. Wer es also auf dem Uhlberg schon spuken oder Hexen tanzen sah, kann sich an die Sendung (haunted@odeon-entertainment.de) oder über Facebook an den Treuchtlinger Kurier wenden (www.facebook. com/treuchtlingerkurier).

(Der Artikel wurde mehrmals aktualisiert) 

Sieghard Hedwig

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