Dienstag, 18.12.2018

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Stolz und Sorgen der Feuerwehren in Altmühlfranken

Verbandstagung in Wettelsheim: Viele langjährige Brandschützer, aber auch Nachwuchssorgen - 30.11.2018 06:04 Uhr

Gibt es künftig noch genug Freiwillige, die bei der Feuerwehr mitarbeiten möchten? Das war ein Thema bei der Sitzung des Feuerwehrkreisverbands Weißenburg-Gunzenhausen. © TK-Archiv/Benjamin Huck


Die vielen Auszeichnungen für langjährige Zugehörigkeit zu den sage und schreibe 127 Feuerwehren im Landkreis erfüllen Kreisbrandrat Werner Kastner nach eigenen Worten mit Stolz. „Die Einsatzkräfte zeigen damit ihre Verbundenheit mit der Feuerwehr und ihre Bereitschaft, in Notlagen zu helfen“, erklärte er bei der Jahresversammlung des Kreisfeuerwehrverbands (KFV) in Wettelsheim.

Kastner hob in seiner Rede einerseits die steigende Zahl der Feuerwehrleute hervor, die seit bis zu vier Jahrzehnten Dienst tun. Anderseits äußerte er Sorgen hinsichtlich des Nachwuchses. Den Verantwortlichen in den Wehren gelte für die Jugendarbeit großes Lob, doch „viele junge Leute kehren im Laufe der Zeit den Feuerwehren den Rücken und orientieren sich aus verschiedenen Gründen um“, so der Kreisbrandrat. Die vorher in die Ausbildung gesteckte Zeit und Mühe seien in diesen Fällen vergebens.

Im Hinblick auf die Alterung der Bevölkerung sei längst jede einzelne Feuerwehrkraft unverzichtbar, betonte Kastner. Seine Hoffnung setze er darauf, dass so mancher junge Mensch nach Ausbildung oder Studium wieder in seine Heimat zurückkehre und dort dann die Feuerwehr verstärken könne. Eine intensive Nachwuchswerbung sei deshalb unverzichtbar. Aktuell läuft die auf zwei Jahre angelegte Mitglieder-Werbekampagne des Landesfeuerwehrverbands (LFV) mit Ehrenamtswerbung in den Sozialen Medien als Schwerpunkt.

Kreisverband entwickelt sich gut

Treuchtlingens dritter Bürgermeis­ter Klaus Fackler ging in seinem Grußwort auf den Brandschutz als eine der wichtigsten Aufgaben der Kommune ein und dankte den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz. Schriftführer Gerhard Gulden warf danach einen Blick auf die Satzungsänderung zur Erlangung der Gemeinnützigkeit des Kreisfeuerwehrverbands. Dadurch ist dieser nun berechtigt, Spendenquittungen auszustellen.

Erfreulich ist die Entwicklung der Mitgliederzahl. Gehörten vor neun Jahren erst 33 Feuerwehren dem Kreisverband an, so sind es mittlerweile 108. Kreisbrandrat Kastner spornte die noch fehlenden 19 Landkreiswehren an, der Vereinigung beizutreten. Ohne den Verband als Interessenvertretung der Feuerwehren gegenüber dem bayerischen Innenministerium sähe es nach seiner Ansicht für die einzelnen Ortswehren wesentlich schlechter aus.

Als anerkanntes Sprachrohr finde der LFV Gehör und verleihe den Anliegen der Hilfsorganisation Nachdruck, so Kastner. Für ihre Beiträge erhielten die Feuerwehren eine Vielzahl an Aus- und Fortbildungsangeboten, die nur Mitgliedern offenstünden – etwa Schulungen für Atemschutzträger, am Brandübungscontainer oder der Mini-Schaumübungsanlage. Die vom Verband erreichte Förderung ermögliche zudem Verbesserungen bei der Ausrüstung. Nicht zuletzt komme die Arbeit des LFV auch den Kommunen zugute, die vom Freistaat hohe Zuschüsse für Anschaffungen im Feuerwehrbereich erhielten. „Ohne die kontinuierliche Arbeit des Verbands lägen diese Fördersätze weit unter dem derzeitigen Niveau“, betonte Kastner.

Simulierte Einsatzfahrten

Gleiches gilt für die die Simulationsanlage für Fahrten mit Blaulicht und Martinshorn. Die bayerischen Feuerwehren können diese Fahrsicherheitstrainer laut Kastner auch weiterhin kostenlos nutzen. Mehrere schwere Unfälle mit Einsatzfahrzeugen in den vergangenen Jahren hätten gezeigt, wie wichtig diese Übungsmöglichkeiten sind.

Ein Meilenstein für die Betreiber großer Gebäude ist dem Kreisbrandrat zufolge die Einführung der Technischen Anschlussbedingungen für Brandmeldeanlagen des Landkreises zum 1. Januar 2019. Darin sind detailliert die Voraussetzungen und das richtige Vorgehen beim Einbau solcher Anlagen und beim Anschluss an die Integrierte Leitstelle beschrieben.

Zur digitalen Alarmierung berichtete Kastner von den Erfahrungen der Floriansjünger im Pilotbezirk im bayerischen Oberland. Dort müssen mehrere Digitalfunk-Basisstationen errichtet werden, um die nötige Netzqualität zu erreichen. Innenministerium und LFV fordern deshalb unisono, dass die digitale Alarmierung in keinem Fall zu Verschlechterungen gegenüber der bisherigen analogen Technik führen darf.

Ehrungen beim Feuerwehrtreffen in Wettelsheim (von rechts): Kreisbrandrat Werner Kastner, Kreisbrandinspektor a.D. Norbert Becker, Treuchtlingens dritter Bürgermeis­ter Klaus Fackler, Stadtbrandinspektor Klaus Knaupp, Feuerwehrseelsorger Frank Schleicher, Kreisbrandinspektor Volker Satzinger, Schriftführer Gerhard Gulden und Kreisbrandinspektor Eduard Ott. © Andreas Seegmüller


Das neueste Förderprojekt des LFV in Zusammenarbeit mit der Versicherungskammer Bayern soll ausgewählte Mitgliedsfeuerwehren mit sogenannten Schwimmsaugern ausstatten. Das Programm mit einem Volumen von rund 400.000 Euro ist auf die nächsten drei Jahre angelegt, die Beschaffung ist für die Jahre 2019 bis 2021 vorgesehen. Das Gerät aus Polyethylen ist mit einem Schwimmkörper ausgestattet und ermöglicht das Ansaugen von Löschwasser aus Gewässern mit niedrigem Wasserstand. In heißen, trockenen Sommern wie in diesem Jahr dürfte sich nach Ansicht der Führungskräfte das Gerät perfekt für den Löscheinsatz eignen.

Für sein Engagement im Dienst erhielt Schriftführer Gerhard Gulden im Rahmen der Versammlung das bayerische Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber. Außerdem verlieh Kastner das staatliche Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber für 25 Jahre Dienst an den Fachberater für Feuerwehrseelsorge, Frank Schleicher. Neben seiner Führungsfunktion im Bereich der psychosozialen Notfallversorgung war er aus beruflichen Gründen in den Freiwilligen Feuerwehren in Rummelsberg, Passau und Westheim aktiv – zeitweise als stellvertretender Kommandant. Aktuell ist er Mitglied der Feuerwehr in Walting. 

Andreas Seegmüller E-Mail

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