Donnerstag, 15.11.2018

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Träger beerbt Naaß

Bezirksparteitag der SPD in Treuchtlingen - 21.07.2014 09:03 Uhr

Mit stehenden Ovationen feierte die Mittelfranken-SPD ihre langjährige Vorsitzende Christa Naaß – hier unter anderem mit Gastgeber Werner Baum (Mitte), MdB Martin Burkert (links) und Ex-Europakandidatin Stephanie Schäfer (rechts). © Patrick Shaw


„Die Bayern-SPD konnte sich immer auf die Mittelfranken-SPD verlassen!“ So fasste die scheidende Bezirksvorsitzende ihre Amtszeit in ihrem Bericht zusammen, der eher zu einer Abschiedsrede geriet. Vier Landesvorsitzende und über 60 Parteitage habe sie in dieser Zeit erlebt, schwere Zeiten wie etwa den Verlust von sechs der einst zwölf Landtagsmandate der Mittelfranken-SPD, aber auch große politische Erfolge wie das Bündnis gegen Rechts, den Frauenförderplan, die Gründung der Metropolregion Nürnberg, die Breitbandoffensive oder zuletzt die bundesweite Einführung des Mindestlohns.

Dankbar zeigte sich Naaß für die Einführung der Betreuungsabgeordneten und -büros in Weißenburg und Lauf. Dies sei „ein riesiger Solidarakt“ der Unterbezirke für ihre Nachbarregionen ohne eigenes Direktmandat, bestätigte sie die Eingangsworte des Kreisvorsitzenden Harald Dösel. Die Stärke der Mittelfranken-SPD sei ihre Geschlossenheit. Dabei habe sie selbst gelernt, „sich auch manchmal zurückzunehmen, wenn es dem Ganzen dient“. Sie habe den Bezirksvorsitz „mit Kraft, Lust und Freude“ übernommen, so Naaß. Das empfinde sie bis heute.

Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen forderte mehr „Zeit für gutes Leben“. © Patrick Shaw


Die Laudatio auf die langjährige Vorsitzende hielt ihre Nürnberger Bezirkstagskollegin Amely Weiß. Aber auch Natascha Kohnen würdigte die Verdienste der 59-Jährigen, obwohl Naaß sie gebeten habe, eine politische Rede zu halten. „Aber wenn man über Politik spricht, dann spricht man automatisch über Dich“, entschuldigte sich die Generalsekretärin augenzwinkernd.

Landespolitisch erläuterte Kohnen kurz, warum die SPD das Volksbegehren der Freien Wähler zur Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium nicht unterstützt habe. Das Modell sei schlicht unfair, da es an kleineren, ländlichen Schulen „nicht praktikabel“ sei. Die Häme von Ministerpräsident Horst Seehofer nach dem gescheiterten Vorstoß sei aber unangebracht, denn die SPD werde das Thema nicht ruhen lassen. „Die CSU plant schon die zusätzlichen Lehrerstellen für ihr Flexi-Jahr“, warnte Kohnen. „Dagegen wird die SPD mit allen Mitteln kämpfen“.

Die mangelnde Zeit der Schüler und Studenten, sich zu orientieren und auszuprobieren, führte die Generalsekretärin auch zu ihrem Hauptanliegen: „Zeit für gutes Leben.“ Viele Menschen seien heute „permanent an“, also rund um die Uhr erreichbar, online und unter Strom. Die Frage, wo hier die Grenze erreicht ist und der Staat eingreifen muss, könne die Bürger wieder für Politik gewinnen und zugleich der SPD ein neues gesellschaftspolitisches Profil geben. Denn „Stress beschäftigt die Menschen“. Das Thema „Work-Life-Balance“ sei deshalb geeignet, „Politik wieder in die Häuser zu bringen“.

Davon wird Christa Naaß nun etwas mehr haben und ihr Nachfolger Carsten Träger etwas weniger. © Patrick Shaw


Hohe Ziele hat sich auch der neue Bezirksvorsitzende Carsten Träger gesetzt, dem 41 der 79 anwesenden Delegierten ihre Stimme gaben. „Die SPD muss wieder die erste Kraft in Mittelfranken werden“, rief er den Genossen zu. Die Stärke der CSU sei schon zu lange als gegeben hingenommen worden und bröckle nun. Zwei Projekte, die er umsetzen wolle, seien die Nachbarschaftsarbeit für mehr Bürgernähe im ländlichen Raum sowie eine Nachwuchsakademie als „sozialdemokratische Kaderschmiede“ für junge SPD-Talente. Unterstützung erhält Träger dabei im Bezirksvorstand von seinen neuen Stellvertretern Amely Weiß (Unterbezirk Nürnberg), Sven Ehrhardt (Roth), Philipp Dees (Erlangen) und Stephanie Morris (Ansbach).

Über etliche weitere politische Weichenstellungen stimmten die Delegierten anschließend in 13 Anträgen ab, darunter der Leitantrag zur Inklusion, eine Positionierung gegen den Krieg in der Ukraine und drei Forderungen zum Umgang mit Missbrauchsopfern. Zudem bat Treuchtlingens Bürgermeister Werner Baum in seinem Grußwort MdB Martin Burkert, sich für den baldigen Bau der B2-Umgehungen von Dettenheim und Dietfurt einzusetzen.

 

Patrick Shaw Treuchtlinger Kurier

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