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Trauen sich die Katholiken auch in Treuchtlingen?

Pfarrer Matthias Fischer zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und zur späteren Firmung - 14.02.2018 06:04 Uhr

Ja-Wort zwischen zwei Männern oder zwei Frauen in der Treuchtlinger Marienkirche? Noch geht es bei den Katholiken lediglich um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und nicht – wie hier bei einer evangelischen Trauung zweier Männer in Berlin – um die Eheschließung im Sinne der Bibel. © Patrick Shaw, Wolfram Kastl/dpa


Herr Pfarrer Fischer, wie denken Sie über den Vorschlag von Kardinal Marx, gleichgeschlechtliche Ehen nun auch in der katholischen Kirche segnen zu lassen? Würden Sie dies in Treuchtlingen umsetzen?

Matthias Fischer: Ich halte die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare grundsätzlich für denkbar. Allerdings bin ich an die Vorschriften der deutschen Bischofskonferenz gebunden und halte mich auch daran. So lange es von dort keine Entscheidung gibt und auch nicht in ökumenischer Einheit, kann ich als Pfarrer nicht voranpreschen.

Was ist der theologische Unterschied zwischen einer Segnung und einer Trauung?

Fischer: Die katholische Trauung ist eines der sieben Sakramente. Anders als bei einer Segnung, bei der der Geistliche aktiv wird, spenden es sich die Ehepartner gegenseitig. Es ist also ein Versprechen, bei dem die Kirche nur als geistlicher Beistand, gleichsam als Zeuge, dabei ist.

Aber dann wäre es doch noch logischer, dies allen Paaren zu gewähren...

Fischer: Eine Segnung wäre damit tatsächlich für alle Paare möglich. Der Unterschied ist, dass das Sakrament der Ehe von der Bibel vorgegeben ist, und zwar als Bund von Mann und Frau zur gemeinsamen Zeugung von Kindern. Eine Segnung halte ich dagegen für vorstellbar und würde mich ihr nicht verweigern. Wichtig wäre die eindeutige Unterscheidung zwischen einer Trauung und einer Segnung.

Wann könnte es dafür in der katholischen Kirche soweit sein?

Fischer: Das ist schwer zu sagen. Manchmal mahlen die Mühlen der Kirche sehr langsam und manchmal geht dann plötzlich alles sehr schnell. Ein wichtiger Schritt könnte die bevorstehende Bischofskonferenz vom 19. bis 22. Februar in Ingolstadt sein. Dabei könnte auch über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gesprochen werden.

Hängt die neue Offenheit in Teilen der katholischen Kirche auch mit dem in vielen Fragen eher liberalen Papst Franziskus zusammen?

Pfarrer Matthias Fischer. © privat


Fischer: Der Papst tut sicher das Seine dazu...

Rechnen Sie für den Fall der Einführung von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare mit Widerstand in Ihrer Gemeinde?

Fischer: Ich gehe davon aus, dass es Gegner und Befürworter geben wird. Bisher war es aber noch nicht das große Thema in der Gemeinde.

Ein zweiter Bereich, in dem sich etwas bewegt, sind die Firmungen. Halten Sie es für sinnvoller, junge Katholiken erst später zu firmen, so wie es jetzt das Bistum Passau ausprobieren will?

Fischer: Dieser Vorstoß ist nicht neu. Auch hier gibt es ein breites Spektrum an Befürwortern und Gegnern. Die einen wollen schon in der vierten Klasse firmen, die anderen erst mit 16 oder 17. Ich persönlich fände ein höheres Alter nicht schlecht, weil die Firmung dann eine bewusstere Entscheidung der jungen Christen wäre. Zugleich müsste man aber in diesem Fall mit einer noch geringeren Zahl von Firmlingen rechnen. Außerdem wäre es organisatorisch schwieriger, weil die jungen Leute dann oft schon in Ausbildung sind oder in den Abschussklassen der Schule einen engen Stundenplan haben. Die Firmung braucht aber gerade heute ausreichend Vorbereitungszeit.

Welche Bedeutung hat die Firmung denn überhaupt noch?

Fischer: Die Firmung ist neben der Taufe und der Erstkommunion das letzte der sogenannten Initiations- oder Eingliederungssakramente. Leider wird sie heutzutage oft nur noch beiläufig mitgenommen. Für viele ist schon nach der Erstkommunion Schluss. In Treuchtlingen legen wir bereits seit einigen Jahren immer zwei Jahrgänge zusammen, weil einer nicht mehr genügt, um die vorgegebene Mindestzahl von 40 Firmlingen zu erreichen. Heuer haben wir mit knapp 60 Firmlingen sehr viel, in den Jahren davor waren es aber oft weniger als die Hälfte des entsprechenden Erstkommunion-Jahrgangs.

Ehe für alle und eine bewusste Entscheidung für den Glauben als Teenager – sind das nötige Schritte zur Modernisierung der Kirche, die Sie als Pfarrer bewegen?

Fischer: Beides sind Themen, über die ich mir bewusst Gedanken mache. Zu einer früheren oder späteren Firmung gibt es in einzelnen Pfarreien und Diözesen auch schon seit längerem Versuchsprojekte und einen regen Erfahrungsaustausch. Als Modernisierung würde ich das nicht bezeichnen, aber als Neustrukturierung. Die Kirche lebt einerseits ganz entscheidend aus ihrer Tradition, anderseits kann sie sich auch dem Fortschritt nicht entziehen.

Segnung, Ehe oder Weder-noch?

(Quelle: Wikipedia)

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist eine in den christlichen Kirchen umstrittene liturgische Handlung, bei der die Lebenspartner den Segen Gottes erbitten, jedoch nicht kirchlich getraut werden. Die meisten großen Kirchen lehnen die Zeremonie ab, darunter bislang auch die römisch-katholische. In den altkatholischen und vielen evangelischen Kirchen ist die Segnung von Mann und Mann oder Frau und Frau dagegen inzwischen anerkannt, allerdings mit einer klaren Abgrenzung zur Ehe. Aus dem gemäßigten Islam sind Einzelfälle bekannt, in Teilen des Judentums, des Buddhismus und des Hinduismus sind Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare dagegen möglich.

Befürworter der Zeremonie weisen auf die theologische Bedeutung eines öffentlichen Bekenntnisses zum Lebenspartner hin. Dennoch lassen weltweit in den meisten Ländern weder Staat noch Kirche eine Ehe, Partnerschaft oder Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu.

In der römisch-katholischen Kirche gibt es bislang keine offizielle Lehrmeinung zu dieser Frage. Allerdings setzt sie sich auch gegen eine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ein und droht in Deutschland Mitarbeitern teils mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Anders positionieren sich manche regionale Gliederungen und Laienorganisationen, darunter die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Basel-Landschaft, die seit 2004 offen zu Partnerschafts-Segnungen einlädt.

Im deutschsprachigen Teil Belgiens segnete ein katholischer Priester vor sechs Jahren ein lesbisches Paar, ohne dass das Bistum Lüttich sich dazu geäußert hätte. 2008 berief der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hingegen einen Bezirksdekan von seinem Amt ab, weil dieser im Wetzlarer Dom ein homosexuelles, in eingetragener Partnerschaft lebendes Paar öffentlich gesegnet hatte. Der evangelische Pfarrer durfte an dieser als ökumenisch geplanten Segnungsfeier auf Geheiß der Presbyteriums nur als Privatmann teilnehmen.

Nach einem ähnlichen Fall 2014 in der Schweiz erklärte die dortige Bischofskonferenz, dass solche Segnungen der Lehre der katholischen Kirche widersprächen. Im Mai 2015 forderte das Zentralkomittee der deutschen Katholiken dagegen in einem einstimmigen Beschluss die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

In 16 der 20 evengelischen Landeskirchen Deutschlands ist die Segnung von Mann und Mann oder Frau und Frau dagegen möglich. Ausnahmen sind Bayern, Württemberg, Anhalt und Schaumburg-Lippe. Allerdings hat die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands bereits 2001 festgestellt, „dass die Bedeutung der Ehe und der Trauung es nicht zulässt, den Eintritt in eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft mit einer öffentlichen gottesdienstlichen Handlung zu begleiten, die mit einer christlichen Trauung verwechselt werden könnte“.

Gemeindeleitung und Pastor müssen deshalb jeder Segnung zustimmen und entscheiden, ob diese im Gottesdienst erfolgen darf. So sollen eine Segnung in der Kirche möglich, die Verwechslung mit einer Eheschließung aber ausgeschlossen sein. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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