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Treuchtlingen: Drei Generationen bei Krauss Maffei

Hans Sachs (50 Jahre im Betrieb) und sieben weitere Langjährige trafen auf vier neue Azubis - 05.09.2018 12:11 Uhr

Ausbildungsleiter Stefan Bachmeier, die vier neuen Lehrlinge, die Jubilare Hans Sachs und Joachim Mussmann, Betriebsratschef Eric Ranzenberger, Abteilungsleiter Werner Hüttinger und Werkleiter Nikolaus Wohlleben (von links). © Patrick Shaw


Letzterer ist Hans Sachs. Er ist zwar kein Meistersinger, wie sein berühmter Namensvetter, aber er kennt sich meisterlich mit CNC-Maschinen und Steuerungstechnik aus. Sein ers­ter Arbeitstag war der 2. September 1968 – genau 50 Jahre und ein Tag vor den neuen Azubis, die nun neben ihm saßen und gespannt auf das warteten, was vor ihnen liegt. Sachs hat noch drei Monate Arbeit vor sich, dann geht es in den verdienten Ruhestand.

Als der heute 64-Jährige mit 14 Jahren bei Krauss Maffei anfing, hieß die Firma noch Eckert & Ziegler und war im benachbarten Weißenburg ansässig. Erst vier Jahre zuvor war der 1926 gegründete Hersteller von Spritzgussmaschinen vom (heute unternehmerisch getrennt operierenden) Münchner Rüstungskonzern Krauss Maffei (Wegmann) übernommen worden. „Mein erster Monatslohn waren 96 D-Mark, und nach der ersten Tariferhöhung gab es fünf Mark mehr“, blickt Sachs zurück. Freilich sei aber auch das generelle Preisniveau heute rund viermal so hoch.

Auch die personelle Situation des Konzerns, der heuer sein 180-jähriges Bestehen feiert, sah damals noch anders aus. Hans Sachs erinnert sich etwa, dass 1968 mit ihm 38 weitere Auszubildende eingestellt wurden. „Insgesamt waren wir in der Lehrwerkstatt 120 Mann“, so der Jubilar, darunter technische Zeichner, Elektriker und Maschinenschlosser, wie er selbst. Heute ist seine Berufsbezeichnung allerdings Zerspanungsmechaniker.

1976 musste Sachs auch das erste Beinahe-Aus des Werks miterleben, insgesamt hat er „inzwischen schon drei Schließungen mitgemacht“. Seit 1981 ist seine Aufgabe das Programmieren der CNC-Maschinen. Die gesamte Entwicklung der heutigen Fertigung „ist über meinen Schreibtisch gegangen“, so der Jubilar.

Bewegte Firmengeschichte

1992 zog Krauss Maffei an die Treuchtlinger Heusteige um, wo Sachs nach eigenen Worten der dritte Mitarbeiter am neuen Standort war und deshalb bis heute mit seinem Arbeitsplatz „ganz hinten in der Ecke“ ist. Im Jahr 2006 kaufte dann die US-amerikanische Investorengruppe Madison Capital das Treuchtlinger Werk und Ende 2012 der kanadische Finanzin­vestor Onex. Unter ihm kam es ein Jahr später zur jüngsten Beinahe-Schließung, die Pläne wurden aber nach massiver Gegenwehr der Belegschaft zurückgenommen.

Heute hat das Treuchtlinger Krauss-Maffei-Werk nach einer fünfjährigen Durststrecke mit Verzicht auf Lohnerhöhungen und zusätzlicher Arbeitszeit wieder rund 180 Beschäftigte, die auch wieder vollen Tariflohn erhalten. Neuer Eigentümer ist seit 2016 der chinesischen Staatskonzern ChemChina. Knapp vier Millionen Euro hat er in den Standort investiert, an dem Komponenten für Spritzgussmaschinen entstehen, mit denen Armaturenbretter oder komplette Müllcontainer gegossen werden können.

Und laut Werkleiter Nikolaus Wohlleben wachsen Umsatz und Personal weiter - letzteres heuer um 13 neue Lehrlinge. Vier der „Mitarbeiter von morgen“ begrüßte der Standortchef im Rahmen der Ehrung von Hans Sachs und seinem Kollegen Joachim Mussmann. Dieser arbeitet seit zehn Jahren bei Krauss Maffei, die letzten fünf davon als Leiter der Fertigung in Treuchtlingen. Er gehört also quasi zur Mannschaft „von heute“, ebenso wie die separat geehrten Kollegen Willi Neubauer, Roland Auernheimer, Siegfried Stöbich, Jürgen Mayer und Wolfgang Schraufstetter, die seit 45 Jahren dabei sind, sowie Ali Parlaksu, der es auf ein Vierteljahrhundert Treue zum Betrieb bringt. So wurde die Feier zu einem kleinen Treffen der Generationen.

Die jüngste Generation, das sind Ramon Landgraf, Marco Näpfel, Julian Wölfel und Thomas Rack. Sie hieß Ausbildungsleiter Stefan Bachmeier im Unternehmen willkommen. Von Hans Sachs können sie nur noch drei Monate lang etwas lernen, über Krauss Maffei weiß aber zumindest Ramon Landgraf auch schon von zuhause einiges. Denn sein Großvater war vor langer Zeit einmal hier tätig, der Enkel tritt nun in seine Fußspuren.

[Der Artikel wurde am 5. September um 17.02 Uhr aktualisiert und um weitere Geehrte ergänzt] 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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