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Treuchtlinger SPD traf sich zum Jahresabschluss

SPD-Landtagskandidat Harald Dösel fordert Änderung der Bildungspolitik im Freistaat – Sozialdemokraten sind stolz auf ihre Politik - 04.12.2017 06:09 Uhr

Möchte sich für eine andere Bildungspolitik einsetzen: SPD-Landtagskandidat und Kreisvorsitzender Harald Dösel (links) beim Jahresabschluss der Treuchtlinger Genossen zusammen mit Ortsvereinschef Stefan Fischer (rechts). © Benjamin Huck


Als Gast hatte die Treuchtlinger SPD den Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten Harald Dösel eingeladen. Der Lehrer aus Weißenburg, der früher an der Senefelder-Schule gearbeitet hat, möchte sich für eine andere Bildungspolitik im Land einsetzen. Das geht schon bei der Kinderbetreuung los. Dösel spricht sich für gebührenfreie Kindertagesstätten aus, was sich ein reiches Land wie Bayern leisten können muss.

Ähnlich sieht es mit der Betreuung der Grundschulkinder aus. Im Freistaat gebe es für 80 Prozent der Grundschüler keine ausreichende Nachmittagsbetreuung. „Für viele Eltern ist der Übergang vom Kindergarten zur Schule deshalb ein Schockerlebnis“, so Dösel. Berufstätige Mütter und Väter wüssten nicht, wie sie ihr Kind betreuen könnten, ohne auf Arbeit zu verzichten. Fehlender sozialer Wohnungsbau und teuere Immobilienpreise machten eine Vollzeitstelle unverzichtbar, um sich den Lebensunterhalt überhaupt erst leisten zu können. Dösel fordert daher einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Und zwar nicht als Sparmodell, bei dem die Kinder bloß beaufsichtigt werden. Sondern als vollwertiges Programm, bei denen die Kinder auch etwas lernen – und im besten Fall auch erzogen werden.

Denn für Dösel ist die Schule mehr als nur eine Bildungseinrichtung. Sie soll, zusammen mit den Eltern, die Kinder auch erziehen. Das sei aber in einer Schule, an der nur vormittags Unterricht stattfindet, schwer zu bewerkstelligen. Dösel möchte die Schulen zu einer Betreuungseinrichtung umbauen, dafür brauche es auch mehr Fachkräfte wie etwa Sozialpädagogen. Sein Ziel: „Wenn ein Kind nachmittags aus der Schule heimkommt, sind alle Hausaufgaben schon erledigt und es muss nicht mehr lernen, sondern hat Freizeit.“ Denn bislang sehe die Realität anders aus, Nachhilfe sei etwa an der Tagesordnung. Und das auch nur für Schüler, deren Eltern sich die Unterstützung leisten können.

Gegen den Lehrermangel

Solche Forderungen seien nur möglich, wenn es genügend Lehrer gibt. Doch schon heute herrsche an einigen Schularten Lehrermangel, beklagt Dösel, etwa an den Mittelschulen. Das Problem: Lehrer anderer Schularten können nicht so ohne weiteres an einer anderen Schule unterrichten. Dösel fordert daher, die Lehrerausbildung zu verändern. Die Lehrer sollten künftig so ausgebildet werden, dass sie an jeder Schulart eingesetzt werden können.

Das alles ist im Moment noch Zukunftsmusik und hängt freichlich auch vom Wahlergebnis im nächsten Herbst ab. Aktuell beschäftigt sich die SPD noch mit dem Ergebnis der Bundestagswahl und der Frage, ob sie sich wieder an einer Großen Koalition beteiligen. Dösel ist es wichtig, dass die Bundespartei nun ihren Erneuerungsprozess ernst nimmt. „Wir dürfen uns von einer Situation, in der uns jeder drängt, nicht beeinflussen lassen“, sagte der Kreischef. So sollte eine Minderheitsregierung der Union durchaus diskutiert werden. Manche Menschen hätten nämlich das Vertrauen in die Politik verloren. Bei einer Minderheitsregierung würde dem Parlament dann wieder die Rolle zukommen, für die es da ist: ein Ort, an dem die Politiker diskutieren und gemeinsam um eine Entscheidung ringen. „Eine Regierung, die angewiesen ist, sich Mehrheiten zu suchen, könnte der Politikverdrossenheit entgegenwirken.“

Ortsvereinschef Stefan Fischer ist es wichtig, dass die Parteibasis über den zukünftigen Kurs entscheidet. Sollte es zu keiner Einigung kommen – sei es eine erneute Koalition oder eine Minderheitsregierung – könne es durchaus zu einer Neuwahl kommen. Er rief seine Genossen auf, sich bei einer Basisbefragung möglichst stark zu beteiligen.

Fischer ließ das Jahr auch aus Sicht der Treuchtlinger Sozialdemokraten Revue passieren. So sei das Wirts­haussingen ziemlich gut angekommen, es wird im nächsten Jahr wieder stattfinden, und zwar am Sonntag, 18. Februar, im Gasthaus Grüner Baum. Auch das Starkbierfest gehört fest zum Kalender, im Moment läuft noch die Terminsuche. Heuer ausfallen musste der Familiennachmittag Anfang Oktober, weil das Wetter nicht gepasst hat. Die Genossen überlegen, das Fest künftig im Sommer zu feiern.

Außerdem zeigte sich Fischer zufrieden darüber, was im vergangenen Jahr in der Stadt alles geleistet wurde – vom Partnerschaftsplatz, über den Start des Umbaus am Wallmüllerplatz bis hin zur Erneuerung der Therme. „Man kann es nicht jedem recht machen, aber man sollte stolz sein darüber, was in der Stadt gemacht wurde“, so Fischer. Gleiches gelte für das neue BRK-Heim, „ein deutschlandweites Pilotprojekt“, sowie die Zukunft des Krankenhauses. „Stadtkrankenhäuser dieser Größe sind seit Jahren gesundheitspolitisch nicht mehr gewollt. Umso mehr können wir froh sein, dass daraus eine zukunftsfähige Fachklinik wird.“

Der Ortsvereinschef konnte heuer auch zwei Neumitglieder bei der SPD begrüßen. Eines von ihnen, Martin Ruff, war auch beim Jahresabschluss anwesend und erhielt das rote Parteibuch überreicht. 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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