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Treuchtlinger wek-Verlag schließt nach 33 Jahren

Christel Keller hört auf – Fränkische Sprache gepflegt und Judenverfolgung aufgearbeitet - 17.01.2018 06:09 Uhr

Nach dem Tod von Walter E. Keller hatte seine Frau Christel – hier bei einem Vortrag des „Arbeitskreises 9. November“ – den wek-Verlag weitergeführt. © Archivfoto: Patrick Shaw


„Vom Grauen des Zweiten Weltkriegs bis hin zu feinsinngen, humoristischen Betrachtungen über die Eigenheiten der fränkischen Sprache“ – so beschrieb unsere Zeitung vor acht Jahren zum 25-jährigen Bestehen des wek-Verlags das publizistische Vermächtnis von Walter E. Keller. Nur zwei Monate zuvor war der ehemalige Redaktionsleiter des Treuchtlinger Kuriers (1967 bis 1991), stadtbekannte Kolumnist und Heimatforscher im Alter von nur 64 Jahren gestorben.

Verlegerisch tätig war Keller schon vor der Verlagsgründung. Ab 1972 betrieb er neben dem Lokaljournalismus ein PR-Büro, das Prospekte, Wanderkarten, Bildbände und eine Gästezeitung für Treuchtlingen, den Landkreis, das Fränkische Seenland und den Naturpark Altmühltal auflegte. Später baute er das Kurmittelzentrum „Altmühlvital“ mit auf, war Mitherausgeber mehrerer journalistischer Standardwerke und eifriger Spurensucher in der bewegten Vergangenheit des Berliner Zeitungsviertels.

1984 gründete Walter E. Keller zusammen mit seiner Frau Christel den bis zuletzt in Treuchtlingen und Berlin ansässigen wek-Verlag. „Dankeschön Dr. Schweitzer – Begegnungen in Lambarene“ von Edith Fischer und die Anthologie „Altmühltaler Geschichten“ waren die ersten Bücher, die darin erschienen. Bis heute folgten mehr als 150 Titel, vornehmlich Werke fränkischer Autoren mit regionalem Hintergrund, Wanderführer („Gelbe Reihe“) sowie Publikationen aus den Bereichen Religion und Archäologie.

Bei „seinen“ Autoren war das Verleger-Ehepaar stets hochgeachtet, galten ihm doch Qualität und Regionalität mehr als eine klingende Kasse. NN-Redakteur und Autor Ulrich Rach, der im wek-Verlag in den vergangenen drei Jahrzehnten elf Bücher veröffentlicht hat, beschrieb Walter E. Keller einmal als „ganz und gar aufrichtigen und aufgeschlossenen Partner“.

Licht in die dunkle Vergangenheit gebracht

Dieses ethische Selbstverständnis spiegelte sich auch im Verlagsprogramm wider. So setzten sich Walter und Christel Keller mit viel Energie für die Aufarbeitung der Judenverfolgung in Treuchtlingen ein. Sie knüpften Kontakte zu Zeitzeugen und publizierten neue geschichtliche Erkenntnisse, wie etwa die Biografien „Friedrich Merkenschlager: ein Wissenschaftler trotzt den Rassegedanken der Nazis“ von Gerd Berghofer, „Der Kaplan“ über den Ellinger Geistlichen Gregor Schneid von W. Bettina Unger oder „Jüdisches Leben in Treuchtlingen“ von Walter E. Keller selbst.

Ebenso mit den Gräuel von Krieg und Holocaust beschäftigen sich Dagmar Scherfs „Verwurzelt in Franken“ über die Aufnahme von Flüchtlingen in Wettelsheim sowie das erst 2013 erschienene Buch „Die Anderen – die Georgensgmünder Juden im Dritten Reich“ von Gerd Berghofer. Sichtbares Zeichen des Engagements des Ehepaars Keller gegen das Vergessen ist überdies die zusammen mit dem „Arbeitskreis 9. November“ und zahlreichen Einzelspendern gestiftete Gedenkstele vor der Treuchtlinger Stadtbücherei, die an die einstigen jüdischen Familien der Altmühlstadt erinnert.

Nach Walter E. Kellers frühem Tod führte Christel Keller den Verlag von 2010 bis 2017 allein weiter. Unter ihrer Regie erschienen noch 14 weitere Titel, darunter allein drei des Treuchtlinger Heimatforschers Arthur Rosenbauer („Höhlen, Grotten und Dolinen“, „Vergessene Geheimnisse – wieder entdeckt“ und „Ein Dorf rettet seinen Dialekt: Die Sprachinsel Auernheim“). Ebenso unter den jüngeren wek-Publikationen sind „Gscheid was los im Wald der Grolle“ und „Und manchmal lacht der Franke doch“ von Ulrich Rach, der Adventsband „Was des wohl bedeut?“ des Treuchtlinger Volksmusik-Urgesteins Werner Mödl und „Die Franken sind wunderbar“ von Karl-Heinz Röhlin. Hinzu kommen darüber hinaus „Die Fee vom Altmühlsee“ von Linda G. Mößner-Brosius, „Ich kenne meine Pappenheimer“ von Peter Loew, „100 Jahre Strom in Franken“ von Manfred Hahn sowie „Spielzeugland – vom Wiechergaul zur Playstation“, „Das bittersüße ehlich Leben – Hans Sachs und seine Kuni“ und „Jeds Jahr widder“ aus der Schreibwerkstatt Wendelstein.

Mit der Geschäftsaufgabe werden im wek-Verlag laut Inhaberin Christel Keller ab dem Jahreswechsel „keine neuen Titel mehr aufgelegt“. Einige Restbestände sind noch über die Internet­seite www.wek.de erhältlich, vergriffene Werke werden aber „in der Regel nicht mehr nachgedruckt“. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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