Dienstag, 23.10.2018

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Wettelsheim soll kinderfreundlicher werden

Investitionen in Kindergarten, Schule und Spielplätze - 23.03.2018 06:05 Uhr

Der Blick von oben zeigt: In Wettelsheim gibt es noch einige unbebaute Flächen. © Bayerische Vermessungsverwaltung


Wettelsheim wächst wieder. Das war eingangs die gute Nachricht. Nach einem Rückgang um 20 im Vorjahr stieg die Einwohnerzahl des größten Treuchtlinger Ortsteils im vergangenen Jahr um 36 auf 1396. Falbenthal hat 44 Bürger (plus 1). Anwesend bei der Bürgerversammlung waren allerdings nur gut 70 Dorfbewohner. Ihnen legte Bürgermeister Baum nahe, auch weiterhin Bauplätze im Ortskern zur Verfügung zustellen. Der Blick aus der Vogelperspektive zeige, dass es in Wettelsheim „noch viele grüne Flächen für die Innenentwicklung gibt“.

Viel passiert im Dorf auf Initiative des Ortsausschusses und der Vereine sowie auf dem „kurzen Dienstweg“ mit der Stadtverwaltung, wie Baum und Ortssprecher Matthias Strauß lobten. So arbeite der Ausschuss aktuell am neuen Flächennutzungsplan und sei zusammen mit dem Jugendrat dabei, die Spielplätze auf Vordermann zu bringen. Auch der Pausenhof der Grundschule sei gemeinsam mit den Eltern aufgewertet worden. Am Viersteinberg gebe es die im vergangenen Jahr geforderten neuen Holzplätze und zumindest in der Patrichsiedlung nun auch schnelles Internet. Letzteres soll bis zum Frühsommer überall verfügbar sein, derzeit sind die Dorfbewohner aber eher noch genervt von den vielen halbfertigen Baustellen.

443 Kinder betreuen Stadt und andere Träger derzeit in den Treuchtlinger Tagesstätten. Der deutliche Anstieg führt demnächst auch zu ein bis zwei zusätzlichen Grundschulklassen. Dafür müssen die Dorfschulhäuser in Wettelsheim und Schambach nicht nur bestehen bleiben, sondern wachsen. In der erst unlängst renovierten Wettelsheimer Schule wird deshalb für rund 80.000 Euro das Dachgeschoss ausgebaut. Bis zu 90 Prozent der Kosten übernimmt der Freistaat. Im Zuge dessen baten Eltern auch darum, einen Sonnenschutz an den Fenstern anzubringen. Dies will die Stadt nun prüfen.

Ist die Schule zu klein, dann erst recht die Kindergärten. „Wettelsheim hat zwei sehr erfolgreiche“, betonte Baum. „Manche Kinder müssen aber schon jetzt die Maximalzeit in der Krippe bleiben, weil kein Platz für sie ist.“ Der Bauausschuss habe deshalb jüngst beschlossen, den städtischen Kindergarten zu erweitern. Sonst drohe die Einrichtung, ihre Genehmigung zu verlieren. Über das Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung“ sollen für gut 450.000 Euro zwei Anbauten entstehen – einer mit Nebenräumen und einer mit einer dritten Gruppe. Abzüglich staatlicher Zuschüsse kostet das die Stadt nur etwa 60.000 Euro.

Ebenfalls den Kindern zugute kommen sollen zwei weitere Wünsche der Dorfbewohner: zum einen ein größerer Unterstellplatz an der Bushaltestelle vor der Schule, da der jetzige nicht einmal richtig vor Regen schütze; zum anderen Sandkästen auf den Spielplätzen. Beides hält Bürgermeister Baum für denkbar, letzteres allerdings nur „auf einem möglichst zentralen Platz“. Warum es bisher keine Sandkästen gebe? „Wegen der Hunde“, ging es raunend durch den Saal.

Die Vierbeiner sind für viele Wettelsheimer aber auch in freier Flur ein Ärgernis. Dort verschmutzen sie mit ihrem Kot die Wiesen und damit das Viehfutter der Landwirte, und ihre Besitzer parken den Dorfbewohnern zufolge mit ihren Autos die Wald- und Feldwege im Altmühlgrund zu – obwohl dort etliche Verbortsschilder stünden. Andererseits bat eine Bürgerin darum, „auch daran zu denken, dass wir Gäste haben wollen, die mit ihren Hunden spazieren gehen“. Das Problem seien nicht nur unvernünftige Tierhalter, sondern auch der Mangel an Abfalleimern. Darum will sich die Stadt nun kümmern. „Es ist traurig, wenn sich eine Kommune irgendwann einen Mitarbeiter leisten muss, der einzig und allein Hundehaufen einfährt“, bedauerte Baum dennoch.

Um menschliche „Hinterlassenschaften“ drehte sich ein weiterer Wunsch – der nach Toiletten für die Kleinsportanlage. Sie sei ursprünglich auch für Vereinsfeste mit bis zu 250 Gästen und Bewirtung gebaut worden, was ohne WC nicht machbar sei. Das Stadtoberhaupt wies indes auf den Saal der Firma Sanipa hin, in dem unter anderem die Feuerwehrkapelle probe und der bisher eine gute Lösung sei. Außerdem gebe es im Dorf auch noch genug Gasthäuser. „Ich werde das derzeit nicht forcieren“, so seine klare Absage. Wenn überhaupt, dann sei zunächst die Sanierung der noch aus den 1950er Jahren stammenden Sanitäranlagen der Treuchtlinger Bezirkssportanlage an der Reihe.

Ergänzt sähen die Wettelsheimer schließlich noch gern die fehlenden rund 600 Meter Radweg nach Falbenthal. Das Stadtbauamt sei „dran an dem Thema“, versicherte Baum, er könne aber „noch nichts versprechen“.

Aus der Kernstadt beschäftigte die Dorfbewohner insbesondere die Zukunft der Firma Altmühltaler. Derzeit fördere sie trotz des Baus des neuen Hochregallagers nicht mehr Mineralwasser als bisher, erläuterte Baum. Für die in der Folge „eigentlich zwingende“ Auslagerung der Abfüllung an die Heusteige benötige das Unternehmen aber neue Wasserrechte über zusätzliche 250.000 Kubikmeter pro Jahr – eine Verdoppelung der Fördermenge. Darüber werde aktuell verhandelt.

Wasserpegel ist konstant

„Besser das Wasser als Trinkwasser verkaufen, als es für Kühlung oder Klospülung verwenden“, verdeutlichte der Rathauschef seine Sicht. Der Pegel des aus 240 Metern Tiefe gewonnenen Altmühltaler-Wassers sei „konstant bis steigend“, und auch im benachbarten Weißenburg gebe es keine Probleme. Das Wettelsheimer Leitungswasser sei ohnehin nicht betroffen – es stamme aus einer anderen Schicht. Was nach einem Umzug der Firma mit den Flächen in der Stadtmitte geschieht, ist laut Baum noch völlig offen. Sie gehören der Familie Schäff, sodass die Stadt nur bedingt Einfluss auf die Entwicklung habe.

Die abschließende Frage, ob sich die Stadtwerke beim Kauf des Treuchtlinger Stromnetzes vom Nürnberger Versorger N-Ergie personell und finanziell nicht übernommen habe, beantwortete Werkleiter Max Filser mit einem klaren „Nein“. Zwar habe man dafür rund fünf Millionen Euro Schulden aufgenommen, Netznutzung und Erlöse seien aber seither gestiegen. Zudem seien die Leitungstrassen auch eine „Zukunftsinvestition“ in den Glasfaserausbau. Die Übernahme sei langfristig sinnvoll und „rentierlich“, wenngleich der Netzausbau „eine Herausforderung für die gesamte Branche darstellt“. „Die Schulden müssen in den nächsten Jahren weniger werden“, betonte auch Bürgermeister Baum. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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