Dienstag, 11.12.2018

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Wettelsheimer Schönheiten auf dem Kuhwalk

Hufe statt High Heels: Rinderzucht-Nachwuchs punktete bei Jungzüchter-Night-Show - 09.03.2018 06:04 Uhr

Was für ein Prachtexemplar! Dominik Busch aus Hechlingen holte in Wertingen mit seiner Kuh „Miranda“ den Klassensieg und wurde Fleckvieh-Reservechampion. © RZV Franken


Mit den sexy Wimpern von Jarock und Miranda können selbst Heidi Klums TV-Topmodels nicht mithalten. Zentimeterlang sind sie, und die Augen darunter groß und dunkel. Auch die Beine der beiden Damen sind lang und schlank, die Haare glänzend, die Lippen feucht und das Euter rosig. Euter?! Ja, Euter, denn Jarock und Miranda sind keine Menschen, sondern Milchkühe. Und zwar preisgekrönte. Bei der sechsten „Jungzüchter-Night-Show“ – so etwas wie die Oscar-Nacht des bayerischen Rinderzucht-Nachwuchses – gab es für die Schönheiten von Julian und Christian Föttinger aus Wettelsheim sowie Dominik Busch aus Hechlingen einen Gruppen- und zwei Klassensiege.

Adrette Kühe, straffe Euter und Fachsimpeln über „Strichstellung“ und „Bemuskelung“ – klingt nicht gerade nach der typischen Freizeitbeschäftigung eines 15-Jährigen. „Ich war schon als kleines Kind immer bei den Tieren im Stall“, erklärt Christian Föttinger jedoch unbeeindruckt. Die Arbeit mit den Tieren mache Spaß und „Du kannst damit etwas erreichen“.

Der jüngste Sohn der Wettelsheimer Landwirtsfamilie Föttinger begleitete seinen Vater Stefan bereits im Kindesalter auf Rindermärkte und durfte bald sogar die geeigneten Zuchtbullen mit aussuchen. „Ich habe mich da reingefuchst“, sagt der Zehntklässler. Bei Wettbewerben wie der Night-Show im schwäbischen Wertingen zeige er nun sein Können anderen und habe unter den Jungzüchtern aus der Region mittlerweile viele Gleichgesinnte und Freunde kennengelernt.

Eine der beiden schönen Schwestern aus Wettelsheim: Julian Föttingers Fleckvieh-Jungkuh „Jalada“ wurde Klassensieger. © RZV Franken


Eleganz ist erblich

Die Siegerkühe „Jarock“ und „Jalada“ von Christian und seinem älteren Bruder Julian stammen aus dem elterlichen Stall. Ihre eher ungewöhnlichen Namen setzen sich aus denen der Eltern zusammen – bei Jarock zum Beispiel Kuh „Jana“ und Bulle „Rockefeller“. Jana ist bereits ein kleiner Star auf dem Rinder-Catwalk: „Sie war Champion und ist schon ziemlich bekannt“, erzählt Christian. Mit mittlerweile neun Kälbern tritt sie allerdings in einer anderen Klasse an als ihre Töchter Jarock und Jalada. Denn je öfter eine Kuh Nachwuchs bekommt, desto stärker verändert sich ihr Körper. „Das ist dann nicht mehr vergleichbar“, so der 15-Jährige. Schönheit und Eleganz würden sich aber oft auf die Nachkommen übertragen.

Schönheit und Eleganz bei einer Kuh? Dafür gibt es bei den Wettbewerben des Rinderzuchtverbands genaue Kriterien. „Gut ist ein kleines Euter, weil die Kuh dann länger durchhält“, erläutert Christian Föttinger. Wichtig sei auch die „Strichstellung“, also die Position der Zitzen. „Je nachdem, ob sie weiter außen oder innen sitzen, ist die Kuh leichter oder schwerer zu melken, oder der Melk­roboter lässt sich besser oder schlechter ansetzen.“

Weitere Schönheitsideale für ein Rinder-Model sind die richtige Form der Beine und Füße („Fundament“), Beckenmaße und Muskulatur („Rahmen“ oder „Körper“) sowie die Ausstrahlung und Eleganz der Bewegungen auf dem Catwalk – in diesem Fall ein Rund aus Strohballen und gefärbter Einstreu, das eine grüne Weide simuliert. Anders als bei menschlichen Models darf eine Fleckvieh-Schönheitskönigin allerdings „zwar nicht zu dick, aber auch nicht ganz dürr sein“, so Christian Föttinger.

Glitzernd und rasiert

Drei Wochen vor der Show geht es für den jungen Wettelsheimer los mit der Vorbereitung. „Ich gewöhne Jarock dann an den Strick und führe sie herum“, erklärt er. „Sonst könnte ich sie nicht halten, wenn sie nervös wird.“ Trotzdem hatte Christian in Wertingen gut zu tun mit seiner vierbeinigen Diva: „Jarock war schwer zu beruhigen. Ich habe schon an ihren Augen gemerkt, dass sie ziemlich aufgeregt war“.

Direkt vor dem Wettbewerb geht es dann ans Styling. Noch daheim im Stall schert Christian seiner Prachtkuh das Fell und rasiert das Euter mit einer feinen Maschine vorsichtig glatt bis auf die Haut. „Bei der Show wird es dann noch mit Pflanzenöl besprüht, damit es schön glänzt“, erzählt der Teenager. Das Sahnehäubchen ist schließlich Glitzerspray am ganzen Körper – wiederum genau wie bei Heidi Klum und ihren Mädels.

Das wirkt natürlich im Scheinwerferlicht der Wertinger Night-Show. Und so holte Christian Föttinger unter den strengen Augen von Preisrichter Markus Schwaighofer aus Tirol und vor vollbesetzten Zuschauerrängen als Jüngster einen Gruppensieg bei den Jungkühen mit einem Kalb. Sein zwei Jahre älterer Bruder Julian gewann mit Jalada sogar die (aus drei Gruppen bestehende) Klasse der Tiere mit zwei Kälbern.

Franken, Hochburg des Kuhwalk

Für Dominik Busch aus Hechlingen mit Kuh „Miranda“ gab es ebenfalls den Klassensieg und anschließend sogar den Titel des „Reservechampions“. Fleckviehchampion wurde am Ende Michael Lang aus Rudolzhofen bei Uffenheim mit Kuh „Sugar“. Erfolgreich waren aus Mittelfranken daneben auch Heike Röthenbacher aus Theilenhofen und Matthias Kreß aus Wilhelmsdorf-Ebersbach mit 1c-Preisen sowie Dominik Wagner aus Thalmässing-Kolbenhof, Jonas Sperber aus Viehhofen im Nürnberger Land und Nadine Huber aus Haundorf-Seitersdorf mit 1b-Preisen.

Für den Rinderzuchtverband Franken haben „die fränkischen Jungzüchter [damit] ihr Können im Umgang mit ihren Tieren bewiesen und sich gegen eine sehr starke Konkurrenz erfolgreich durchgesetzt“. Die Night-Show sei „nicht einfach eine Schau, sondern auch ein knallharter Wettbewerb“, bei dem es „darum ging, zu zeigen, wie eng in Bayern bereits bei den jungen Landwirten die Verbindung mit ihren Tieren [...] ist“.

Und die vierbeinigen Supermodels, was haben die von ihrem Ruhm? „Die Kühe bekommen eigentlich keine Belohnung“, lacht Christian Föttinger. Die Halter aber auch nicht: „Es gibt kein Preisgeld, es geht nur um die Anerkennung und die Werbung für den Stammbaum, der hinter der Preiskuh steht.“ Damit lässt sich dann freilich doch wieder Geld verdienen, denn Schönheit ist bei den Zuchtrindern erblich und damit ebenso wie beim Menschen bare Münze wert. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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