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Wettelsheimer wollen stärker gehört werden

Bürgerversammlung in Treuchtlingens größtem Ortsteil: Kritik an mangelnder Absprache bei Kanalbau und Spielplatzsanierung - 07.03.2016 06:05 Uhr

Ein wichtiges Thema in Wettelsheim und Falbenthal: Diese Woche unterzeichneten Markus Sand von der Telekom, Bürgermeis­ter Werner Baum und Gerhard Krämmer von der Firma M-net (vorn, von links) den Kooperationsvertrag zum Breitbandausbau. Bis Anfang 2017 verlegt die Telekom in Wettelsheim, Bubenheim, Dietfurt, Graben, Neufang, Schambach, Ober- und Unterheumödern rund 29 Kilometer Glasfaser. Rund 1000 Haushalte erhalten so Bandbreiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde. M-net baut bis Ende 2017 das Netz in Auernheim, Gundelsheim und Falbenthal aus. Für die Technik ist bei der Telekom Thomas Braun verantwortlich, für die Stadt hat Michael Satzinger die Verhandlungen geführt (hinten links/rechts). © Patrick Shaw



Mit rund 70 Dörflern und fast einem Dutzend Stadtratsmitgliedern war der Saal der Metzgerei Geißelmeier gut gefüllt. Der größte Treuchtlinger Ortsteil ist laut Baum im vergangenen Jahr marginal von 1379 auf 1380 Einwohner gewachsen. Groß investiert wird an der Rohrach heuer nicht: Nur etwa 160.000 Euro fließen für die Fremdwasserreduzierung nach Falbenthal.

Lobend erwähnte der Rathauschef gleich zu Beginn die Feuerwehr und deren Jubiläum im vergangenen Jahr. Allzu großen Wünschen erteilte er jedoch eine Absage: „Wir haben zwölf Wehren im Gemeindegebiet, die wechselseitig im Einsatz sind. Da können wir nicht überall alles anbieten“. Dennoch flössen in den nächsten drei Jahren 3,2 Millionen Euro ins Rettungswesen der Altmühlstadt. Auf Baums Hinweis hin, dass die Beteiligung am Volksfestzug bedenklich schwinde (zuletzt nur noch 15 Wagen), bemerkte Feuerwehrvereinschef Florian Bleicher, dass schon länger nur noch wenige Ortsteilwehren dabei seien, da die meisten „nur feiern wollen“.

Auf den mit der Übergabe des Förderbescheids nun in die Gänge kommenden Breitbandausbau ging Stadtwerke-Leiter Max Filser ein. Wettelsheim, Bubenheim, Dietfurt, Graben, Neufang, Schambach, Ober- und Unterheumödern erhalten das schnelle Internet ihm zufolge „in den nächsten zwölf Monaten“. In Auernheim, Gundelsheim und Falbenthal werde es noch anderthalb bis zwei Jahre dauern. Die Verträge hatte Bürgermeister Baum wenige Stunden zuvor unterzeichnet.

Für den Anschluss Falbenthals wird laut Filser noch heuer von Windischhausen aus eine rund 700 Meter außerorts und 200 Meter innerorts verlaufende Trasse aufgegraben. Bis zum Verzweiger am Feuerwehrhaus werde Glasfaser verlegt, für den „letzten Meter“ in die Häuser bleibe es bei Kupfer. Teils würden auch Leerrohre der Stadtwerke genutzt. Noch offen ist, ob die Falbenthaler ihre alten, teils dreistelligen Telefonnummern mit Berolzheimer Vorwahl behalten können.

Parallel dazu will die Stadt in Falbenthal auch die Fremdwasserreduzierung in Angriff nehmen. Dabei scheint erneut unklar, ob das Dorf nun ein Trennsystem erhält, oder nur die drei problematischen Quellen gefasst und abgeleitet werden. Nachdem Filser von ersterem gesprochen hatte, zeigte sich Ortssprecher Satzinger äußerst irritiert. Es gebe einen einstimmigen Stadtratsbeschluss, dass nur ein reiner Fremdwasserkanal gebaut wird. Er habe „den Verdacht, dass uns wieder etwas durch die Hintertür aufs Auge gedrückt wird“, wetterte Satzinger. Er sei es aber „schon gewöhnt, als Ortssprecher alles zuletzt zu erfahren“.

Irritiert über Kanalbau-Pläne

Er lasse sich „nicht nachsagen, hier parteipolitisch zu agieren“, schoss Bürgermeister Baum zurück. Er vertraue der Stadtverwaltung, kenne aber „nicht jede Einzelmaßnahme“ und müsse prüfen, ob sich etwas geändert habe. Vertreter des Wasserzweckverbands waren ihrerseits überrascht vom Zeitpunkt der Bauarbeiten, habe man doch nicht vor 2018 damit gerechnet. Da die Sanierung der Wasserleitungen wiederum Hand in Hand mit dem Kanalbau gehen soll, müsse der Verband nun seinen erst vor zwei Tagen verabschiedeten Haushalt überdenken.

Positiv bewegt haben die Wettelsheimer im Vorjahr laut Ortssprecher Strauß neben dem Feuerwehrjubiläum auch die Maibaumfeier, der Aufstieg der Fußballer und der Zusammenhalt beim Dorffest. Als negativ nannte er den Ausfall mehrerer Fahrgeschäfte bei der Kirchweih. Hier will die Stadt unter anderem die Linde am Standort des Autoscooters stärker zurückschneiden lassen, um Platz zu schaffen.

Besonders kritisierte Strauß, dass an der Schule ohne Rücksprache zwei Spielgeräte entfernt worden seien, obwohl die Dorfgemeinschaft diese in Eigenregie habe sanieren wollen. „Ich bedauere das“, entschuldigte sich Baum. Es sei keine gezielte Aktion gewesen, sondern eine Routinemaßnahme, um Kosten zu sparen. Nächste Woche gebe es dazu eine Dienstbesprechung.

Weitere Themen waren Boxen für Hundekottüten und die Einrichtung eines kleinen Holzlagerplatzes. Für letzteren gab es allerdings laut Baum seit über einem Jahr keine Anfragen mehr, weshalb er darum bitte, dies auf dem „kleinen Dienstweg“ zu regeln. Etwas Murren gab es zudem über diverse Straßenschäden, vor allem am „Schaftrieb“, schäbige Sitzbänke sowie die stellenweise maroden Geländer und schmutzigen Straßenlaternen an der Rohrach. Deren regelmäßige Reinigung kann der Bauhof aber nach Worten des Rathauschefs „mit den aktuellen Ressourcen nicht leisten“.

Zu wenig Bauplätze?

Vor dem Friedhof sollen überdies zwei Behindertenparkplätze entstehen, wodurch zwei bis drei reguläre Stellplätze wegfallen. Auch der dortige Brunnen soll bald wieder laufen. Um die junge Generation im Dorf zu halten, wünschen sich die Wettelsheimer darüber hinaus mehr Bauplätze. Baum wies darauf hin, dass es innerorts noch 50 bis 60 Baulücken gebe, die es zunächst zu schließen gelte – ein typisches Problem, da in der aktuellen Niedrigzinsphase kaum ein Grundbesitzer Interesse an einem Verkauf hat. Drei neue Plätze im Weiherweg seien aber bereits geplant.

Eine erregte Debatte enspann sich wegen des recht radikalen Rückschnitts von Bäumen und Sträuchern entlang der Erlach. Nach einigem Hin und Her versprach der Bürgermeister zu klären, ob die Stadt, das Wasserwirtschaftsamt, die Jagdgenossen oder private Eigentümer die Urheber des Kahlschlags sind. Mehrere Mitbürger sahen das Thema lockerer und rieten dem Kritiker, doch lieber selbst nachzupflanzen, als sich über etwas zu beklagen, das nicht mehr zu ändern sei.

Für die Anwohner entlang der Rohrach sind immer wieder Raser ein Ärgernis. Deshalb schlugen sie eine digitale Geschwindigkeitsanzeige vor. Stadtratsmitglied Karl Heckl befürwortete dies, bat die Wettelsheimer aber, sich dann selbst um den Austausch der Batterien zu kümmern. Außerdem habe eine solche Anzeige manchmal den gegenteiligen Effekt – nämlich „wenn Jugendliche damit testen, wie schnell ihr Mofa läuft“.

Auf die Altmühltherme kam zum Schluss Ex-Ortssprecher Werner Föttinger zu sprechen. Er fragte, wie lang es während des Umbaus keinen Saunabetrieb gebe. Laut Bürgermeister Baum wird dies für etwa ein Jahr der Fall sein. Für „absolute Stammgäste“ sei aber eine „Container-Notsauna“ im Gespräch. Nach Abschluss der Modernisierung hoffe die Stadt auf einen Besucheranstieg von derzeit 20.000 auf 40.000 im Jahr. Diese Zahl quittierten die Wettelsheimer und Falbenthaler allerdings mit ungläubigem Lachen.

Die nächsten Bürgerversammlungen finden heute, 7. März, im Gasthaus „Zur Post“ in Dietfurt und morgen, 8. März, im Gasthaus „Zum Karlsgraben“ in Graben statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. 

Patrick Shaw

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