Dienstag, 11.12.2018

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Windischhausen: Dorf mit langer Geschichte

Autor Bernd Schweinzer stellte Ortsfamilienbuch für Windischhausen, Ober- und Unterheumeudern vor - 24.04.2018 06:09 Uhr

Wer hat wann und wie in Windischhausen (unser Bild) sowie in Unter- und Oberheumödern gelebt? Dieser Frage geht Autor Bernd Schweinzer in seinem neuen Ortsfamilienbuch nach. © Viola Bernlocher


Der erste Druck zählt 120 Exemplare, die für jeweils glatt 20 Euro zu haben sind. „Mit diesem Buch haben Sie selbst ein Stück Heimatgeschichte geschrieben“, lobte Treuchtlingens zweiter Bürgermeister Richard Zäh. Dorfvereins-Vorsitzender Stefan Hauck zeigte sich beeindruckt von der großen Resonanz auf die Buchpremiere, die es schaffte, trotz sommerlicher Temperaturen den Saal zu füllen.

Schweinzer selbst verband seine eigene Geschichte geschickt mit der des Buches und der drei Dörfer. Er nahm die Gäste in Gedanken mit zu den Besuchen bei seiner Großmutter in jungen Jahren. Sie habe ihm erklärt, dass sein Familienname auf eine Herkunft aus der Schweiz hindeute. Damit war er mit dem „Virus der Ahnenforschung“ infiziert.

In den 1990er Jahren wollte es Schweinzer dann genau wissen. Er fand heraus, dass einer seiner Vorfahren aus Windischhausen stammt. Das war der Grund dafür, dass er sich 2012 bei Hauck die damals neu veröffentlichte Ortschronik bestellte – sie wird nun übrigens im Zuge der Veröffentlichung des Ortsfamilienbuchs neu aufgelegt.

Mit seinem Kauf von damals hatte den Familienforscher das Fieber nun endgültig gepackt – die Idee zu einem neuen Buch war geboren. Der ungeheure Aufwand, den dies mit sich bringen würde, sei ihm damals allerdings noch nicht bewusst gewesen, bekannte Schweinzer bei der Vorstellung des Werks. Die Recherche war für ihn selbst indes sehr ergiebig – er fand heraus, dass er von Exulanten aus Niederösterreich abstammt und seine Vorfahren eben nicht aus der Schweiz kamen, wie zunächst vermutet.

46 Kirchenbücher durchforstet

Das Buch selbst liefert auf den ers­ten Seiten einen eher kurzen Abriss der Geschichte der drei Orte, denn der Autor wollte nicht der schon existierenden Chronik Konkurrenz machen, sondern einen Mehrwert generieren. Der offenbart sich auf den weiteren Seiten. Schweinzer gewährt Einblick in die insgesamt 46 Kirchenbücher von Markt Berolzheim, Wettelsheim, Treuchtlingen und natürlich Windischhausen, die es für seine Recherche zu durchforsten galt.

Die Bücher hätten sich dabei als ein „Spiegelbild vergangener Zeiten“ erwiesen – mit einigen Sprüngen drin. Mal etwa fehlten Informationen, weil der Pfarrer Tinte sparen wollte, mal ergaben sich für ein- und dieselbe Person bis zu drei verschiedene Schreibweisen des Namens. Es erforderte also enorme Akribie, dies alles zu ordnen. Nun finden sich die drei Familienbücher zu Windischhausen sowie Ober- und Unterheumödern sauber gegliedert in dem Buch wieder.

Mit Präsentkorb und Blumen wurden Autor Bernd Schweinzer und Ehefrau Nicole (Mitte) bei der Buchvorstellung in Windischhausen bedacht. Bei seiner Arbeit konnte der Autor auf die Unterstützung von Matthias Hüttinger (links) und Hermann Habermeyer (Zweiter von rechts) zählen. Das Ergebnis präsentierten Dorfvereinschef Stefan Hauck (Zweiter von links) sowie die Ortssprecher Hans König (rechts) und Ludwig Hüttinger (Dritter von rechts). © Jürgen Leykamm


Wie lange der Weg war, machte Schweinzer ebenfalls deutlich: Vermerke zu 22.000 Taufen, 8000 Eheschließungen und 20.000 Beerdigungen habe er durchgesehen. Dies sei aber auch gewinnbringend gewesen: „Ein Kirchenbuch ist ein Lebenselixier für einen Ahnenforscher“, so der Autor – falls man die Einträge lesen könne, was teils schier unmöglich schien, wie er anhand einiger Beispiele aufzeigte.

Neben besagten Quellen durchstöberte der Ahnenforscher Amtsblätter, Zeitungen, Gerichtsurteile, Steuerlis­ten und Zinsbücher. Was die eine Quelle nicht wusste, wusste die andere. Auch interessante Details wie Eheverträge, die gar das „letzte Hemd“ zum Gegenstand hatten, tauchen im Buch auf, ebenso wie einige Rekorde aus alter Zeit, darunter zum Beispiel ein 99-jähriger Dorfbewohner aus dem 17. Jahrhundert – damals ein extrem hohes Alter. Ein letztlich viermal verheirateter Mann hatte Windischhausen einige Jahrzehnte später beehrt. Ein Ehepaar mit 17 Kindern (von denen elf früh verstarben) und ein weiteres mit drei Zwillingspaaren nennt das Familienbuch ebenfalls. Und so mancher durchziehender Soldat oder Handwerker habe sich als Katholik in der evangelischen Kirche taufen lassen, verriet Schweinzer.

„Einen Schatz gehoben“

In den Quellen fanden sich zudem etliche ausgestorbene Begriffe wie „Brustwassersucht“ (Asthma) wieder. Die Auflistung selbst sei durch genealogische Zeichen vereinfacht, erklärte der Ahnenforscher. All dies werde im Buch aber erläutert. Einige linierte Seiten am Ende ermuntern dazu, das Werk weiterzuschreiben, denn „es kann nie fertig sein“.

Schweinzer habe mit seiner Forschung „einen Schatz gehoben“, betonte Stefan Hauck im Anschluss an den Vortrag. Wieviele Tausend Stunden Aufwand er darauf verwendet habe, lasse sich nur erahnen. Das Ortsfamilienbuch werde seinen Beitrag dazu leisten, dass sich die Bewohner der drei Dörfer auf ganz neue Weise mit ihrer Heimat identifizieren könnten, prognostizierten in ihren Dankesworten die Ortssprecher Hans König aus Windischhausen und Ludwig Hüttinger aus Heumödern.

Der einzige kleine Wermutstropfen: Aus Datenschutzgründen wurden die Daten im Wesentlichen nur bis 1956 erfasst. Darüber hinaus gehende Informationen lassen sich aber beim Autor direkt erfragen. Bei Kaffee und Kuchen klang die vom Posaunen- und Kinderchor begleitete Buchvorstellung schließlich aus.

Wer Interesse am Ortsfamilienbuch und an der Ortschronik hat, kann sie beim Dorfvereinsvorsitzenden Stefan Hauck erwerben. 

Jürgen Leykamm E-Mail

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