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Wollen die Treuchtlinger Steak oder eher Tofu?

Der neue Bauamtsleiter Jürgen Herbst will die Altmühlstadt verstehen lernen und mit dem Vorhandenen neue Perspektiven entwickeln - 06.12.2017 06:04 Uhr

Treuchtlingens neuer Bauamtsleiter Jürgen Herbst an seinem Arbeitsplatz im zweiten Obergeschoss des Rathauses. Das Büro teilt er sich bis Januar mit seinem kommissarischen Vorgänger Thomas Schäff (im Hintergrund). © Patrick Shaw


Einen echten „Stadtbaumeister“ gibt es in Treuchtlingen nicht. Trotzdem wird der Bauamtsleiter oft so bezeichnet – sogar Thomas Schäff, der die Behörde seit dem Weggang von Stefan Báthory vor vier Jahren komissarisch leitete. Dass er diesen „Titel“ nun wieder los ist, stört ihn jedoch nicht: „Ich war an der Auswahl von Herrn Herbst sogar mit beteiligt und gehe ab Januar in Eltern- und danach in Teilzeit “, erklärt Schäff. Dies sei letztlich auch der Auslöser gewesen, das mit 17 Stellen ohnehin eher knapp bemessene Personal des Stadtbauamts aufzustocken.

Sein neuer Chef ist in Weißenburg geboren und aufgewachsen, wohnt aber seit 20 Jahren in Dettenheim. „Das war auch mein erster Berührungspunkt mit Treuchtlingen“, blickt Jürgen Herbst zurück. Nach der Schule arbeitete der heute 50-Jährige zunächst ein halbes Jahr als Berufskraftfahrer bei der Spedition Wüst. „Dort habe ich viel gelernt und bin in Kontakt mit ganz anderen Milieus gekommen“, erinnert er sich. Das helfe ihm auch heute noch im Umgang mit anderen Menschen.

Von 1988 bis 1993 studierte Herbst Bauingenieurwesen an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg. Nach dem Abschluss war er zehn Jahre lang beim Ingenieurbüro Völker und Partner in Weißenburg tätig, plante dort unter anderem den Ramsberger Hafen, die Parkplätze am Brombachsee, die Abwasseranlage von Langenaltheim und die Geigenbergstraße in Weißenburg. Aus dieser Zeit nahm er viel Erfahrung im Trink- und Abwasserbereich mit.

2004 wechselte der damals 37-Jährige dann zur ebenfalls von Völker und Partner gegründeten Firma Geograt nach Ellingen, wo er als Geschäftsführer und Projektsteuerer Geoinformations-Software mitentwickelte, die unter anderem von Firmen wie Zott oder Tank & Rast genutzt wird. 2011 ging es nochmals für ein Jahr zurück nach Weißenburg und 2012 dann zum Ingenieurbüro Zwerner nach Roth und Alzenau (bei dessen im Stadtrat kürzlich heiß diskutierten Planungsangebot für eine Stützmauer in Gundelsheim war er jedoch nach eigenen Worten „komplett außen vor, damit da kein G’schmäckle bleibt“).

„Ich hatte keinen Wechseldruck, aber die Ausschreibung in Treuchtlingen war zu interessant, um sich nicht zu bewerben“, erklärt Jürgen Herbst nun seinen Wechsel auf die „kommunale Seite“ des Planungstisches. Zum einen habe ihn die Nähe zur Heimat gelockt und zum anderen gereizt, nicht nur als Auftragsnehmer, sondern direkt für die Stadt zu arbeiten. Denn „in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich in Treuchtlingen sehr viel tun“. Ein starkes Wirtschaftswachstum könne dabei Hand in Hand mit der Entwicklung zur Kurstadt gehen.

Der erste Schritt in diese Richtung ist für den 50-Jährigen allerdings erst einmal, „das Rathaus als Verwaltung kennen und verstehen zu lernen“. Gleichzeitig arbeitet er bereits an seinem ersten konkreten Projekt: der geplanten Erweiterung des Reisemobilstellplatzes.

Spannend findet Jürgen Herbst auch die Frage, „warum in Treuchtlingen welche Entscheidungen getroffen wurden“ – zum Beispiel für die Modernisierung der Therme oder die Umgestaltung der Innenstadt. Dabei gehe es ihm nicht um ein „Was wäre, wenn...“, sondern darum, „vorhandenes Potenzial zu nutzen und die Ressourcenplanung vorsichtig mitzugestalten“. Die zentrale Frage seiner Arbeit werde lauten: „Was bringt Gewinn für die Bürger, nicht unbedingt nur monetär?“ Oder bildlich ausgedrückt: „Will ich Masse oder Klasse? Will ich das Steak vom Metzger, aus dem Discounter, oder vielleicht gar kein Steak?“ 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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