Mittwoch, 12.12.2018

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Unfälle mit Bussen: Linienverkehr besonders gefährlich

Ausbildung der Fahrer sei gut - allerdings keine Sicherheitsgurte - 18.11.2018 05:49 Uhr

In Ammerndorf sind am Donnerstagnachmittag zwei Linienbusse frontal zusammengestoßen. Die Unfallursache ist nach wie vor unklar. © ToMa


Gibt es bei Unfällen mit Linienbussen mehr Verletzte als mit anderen Bussen?

Ja, das ist tatsächlich so. 66,5 Prozent der Personen, die im Jahr 2016 bei einem Verkehrsunfall in einem Bus zu Schaden kamen, waren laut Statistischem Bundesamt mit einem Linienbus unterwegs. Nur 4,1 Prozent der Verletzten saßen in einem Schulbus, lediglich 3,2 Prozent in einem Reisebus. "Das ist auch ganz leicht zu erklären. Linienbusse sind viel mehr im Stadtverkehr unterwegs, da passiert einfach viel mehr. Allerdings sind das dann meistens kleinere Unfälle", meint Elmar Maier, als Betriebsleiter bei der VAG in Nürnberg für den Bereich Busse zuständig. Tote bei Busunfällen sind sehr selten. In Bayern waren es 2017 drei Prozent der Verkehrstoten, 47 Prozent der Getöteten waren mit dem Pkw unterwegs.

Wie werden die Fahrer von Linienbussen ausgebildet?

Bei der VAG werden schon in einem ersten Auswahlverfahren ungeeignete Bewerber ausgesiebt. Einige werden auch vom Betriebsarzt für untauglich erklärt. Schließlich ist der Schichtdienst und die sitzende Tätigkeit nicht für jeden etwas. Dann folgt für die angehenden Fahrer, die schon einen entsprechenden Führerschein vorweisen müssen, eine sechswöchige Grundausbildung. Anschließend wird ihnen ein Lehrfahrer zugeteilt, der sie bei einigen Fahrten begleitet. Schließlich folgt ein Gutachten durch den Fahrlehrer und ein weiteres durch eine Führungskraft im Betriebshof.

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Schwerer Verkehrsunfall mit zwei Bussen im Landkreis Fürth

Am Donnerstagnachmittag kam es in Ammerndorf im Landkreis Fürth zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem zwei Busse frontal kollidierten. Etwa 30 Personen wurden verletzt, ungefähr zwölf davon schwer. Die Verbindungsstraße 2245 zwischen Ammerndorf und Weinzierlein musste komplett gesperrt werden.


Inwiefern werden die Fahrer auch nach der Ausbildung noch kontrolliert?

Zweimal im Jahr fährt in Nürnberg ein VAG-Mitarbeiter mindestens 20 Minuten zur Kontrolle der Busfahrer mit. Bei einer dieser Fahrten mischt sich der Mitarbeiter unerkannt in Zivil unter die Fahrgäste. Darüber hinaus kontrolliert der Aufsichtsdienst fahrerunabhängig. Er beobachtet also, ob die Fahrer sich an Ampelsignale halten oder vorsichtig genug an Haltestellen heranfahren. "Wir haben ein sehr gutes Bild von unseren Fahrern", betont Maier. Beschwerden von Fahrgästen werden gemeinsam mit einer Führungskraft besprochen.


Nach Unfall bei Ammerndorf: Was sagen die Busfahrer?


Müssen Linienbusse Sicherheitsgurte haben?

Nein. Busse, bei denen Stehplätze zugelassen sind, brauchen keine Sicherheitsgurte. Das ist ganz klar in Paragraf 21 der Straßenverkehrsordnung festgelegt. "Die Durchschnittsgeschwindigkeit unserer Busse beträgt im Linienverkehr unter 20 Kilometer in der Stunde", betont Maier die geringe Gefahr. Mit stehenden Fahrgästen dürfen Linienbusse auch außerorts nicht schneller als Tempo 60 fahren. Gurte würden zu viel zu großen Zeitverlusten im Linienverkehr führen und auch die größte Unfallgefahr nicht beseitigen. Die gefährlichsten Situationen für die Fahrgäste sind das Bremsen und das Anfahren. Auch mit Gurten würden die Passagiere aber schon vor den Haltestellen aufstehen, um rechtzeitig aussteigen zu können. Dem Bremsmanöver sind sie also auch so ausgesetzt.


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Was sind die häufigsten Unfallursachen bei Bussen?

Zu geringer Abstand war laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2016 in 13,9 Prozent der Busunfälle mit Personenschaden die Ursache. Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder Ein- und Anfahren waren für 11,7 Prozent der Unfälle verantwortlich. Alkoholeinfluss wurde nur in 0,2 Prozent der Fälle festgestellt. 

Martin Müller Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern E-Mail

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