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Verfahren eingestellt: Stoschek muss nur 150.000 Euro zahlen

"Geldzahlung nur zugestimmt, um dem Steuerzahler weitere Kosten zu ersparen" - 25.11.2015 15:04 Uhr

Michael Stoschek wollte die Millionenstrafe wegen eines unerlaubt angebrachten Klebekennzeichens nicht akzeptieren. © dpa


Eine saftige Geldstrafe von 1,65 Millionen Euro hätte der fränkische Unternehmer Michael Stoschek zahlen sollen. Weil er mit einem Klebekennzeichen an einem Porsche unterwegs war, warf ihm die Staatsanwaltschaft Coburg Kennzeichenmissbrauch und Urkundenfälschung vor.

Den Strafbefehl akzeptierte der Mitinhaber des Autozulieferers Brose aber nicht. Deshalb ist es am Mittwoch zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Coburg gekommen. Nach der Mittagspause verkündet Richter Wolfram Bauer die überraschende Einigung: Das Verfahren wird gegen eine Geldauflage eingestellt. 150.000 Euro muss Stoschek überweisen, der Großteil geht an die Welthungerhilfe.

Auch nach Ende der Verhandlung machen Stoschek und seine Anwälte keinen Hehl daraus, dass sie die ganze Sache für einen «politischen Prozess» halten und für eine "Machtdemonstration" der Staatsanwaltschaft. Der Unternehmer spricht von einem "Promi-Malus". Der Einstellung des Verfahrens habe man nur zugestimmt, "um dem Steuerzahler weitere Kosten zu ersparen".

"Ich sehe mich dadurch stark gefährdet"

Stoschek führte viele Jahre lang den international aktiven Autozulieferers Brose; in Coburg und Umgebung ist er eine große Nummer. Die Stadt hat Brose viele Arbeitsplätze zu verdanken. Heute ist Stoschek Chef der Gesellschafterversammlung. Brose macht nach seinen Worten knapp sechs Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Dass er wegen des Kennzeichenstreits 1,65 Millionen Euro hätte zahlen müssen, sorgte für heftige Debatten - im beschaulichen Coburg und darüber hinaus. Er habe Zuschriften aus ganz Deutschland erhalten von Autofahrern, die ebenso Klebekennzeichen nutzen und unbehelligt blieben, sagt Stoschek.

Er fühlt sich zu Unrecht an einen Pranger gestellt: "Ich sehe mich und mein Unternehmen dadurch stark beschädigt." Vor Gericht räumt er unumwunden ein, für einen Porsche ein Klebekennzeichen organisiert zu haben. Aus ästhetischen Gründen - weil das amtliche Nummernschild zu groß gewesen sei.

Zudem hätte es den Kühler teilweise verdeckt, dies hätte thermische Probleme verursachen können. Dass er damit gegen Gesetze verstoßen haben soll, sei ihm nie bewusst gewesen: "Wir waren sechs Jahre ohne Beanstandung in Coburg und anderen Städten unterwegs." Im April 2013 jedoch, so die Anklage, ist die Polizei in Coburg eingeschritten.

Einigung in der Mittagspause

Damit begann der Streit. Stoscheks Verteidiger Rainer Brüssow sagt: Die Staatsanwaltschaft habe in dem Fall "jegliches Maß verloren". Sie habe sich über die Person seines Mandanten profilieren wollen. Entlastende Beweismittel seien ausgeblendet worden. Oberstaatsanwalt Martin Dippold weist die Vorwürfe zurück.

Man habe Stoschek viele Möglichkeiten gegeben, zu einer Einigung zu kommen. Diese Einigung kommt schließlich in der Mittagspause doch noch zustande. Aus einer Geldstrafe von 55 Tagessätzen zu je 30.000 Euro - was sich an den wirtschaftlichen Verhältnissen des Betroffenen orientiert - wurde eine deutlich niedrigere Geldauflage.

Stoschek hat nicht zum ersten Mal für Aufsehen gesorgt: Im Sommer unternahm er mit einem Amphibienfahrzeug eine Tour auf der Regnitz in Bamberg - ohne Erlaubnis der Behörden. Fotos dieses Ausflugs gelangten in die Medien, Stoschek musste ein Bußgeld von 200 Euro zahlen.

Im Frühjahr wurde in Coburg eine bundesweit beachtete Debatte um seinen Großvater und Firmengründer Max Brose geführt: Der Stadtrat beschloss, eine Straße nach dem Unternehmer zu benennen, obwohl Historiker dessen Rolle in der NS-Zeit für umstritten halten.

Der Zentralrat der Juden warnte davor, Brose mit einer Straße zu ehren. Stoschek dagegen sieht seinen Großvater als vollständig rehabilitiert an. 2004 noch hatte der Stadtrat gegen eine Max-Brose-Straße gestimmt, danach flossen von Brose keine Spenden mehr an Coburger Organisationen und Einrichtungen.

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Von Kathrin Zeilmann, dpa

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