Montag, 25.03.2019

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Bahnrad-WM heuer ohne Anna Knauer

Radsportlerin des RC Germania Weißenburg wurde überraschend nicht nominiert, startete zuletzt aber in Neuseenland und China - 22.02.2019 09:03 Uhr

Lässt sich die gute Laune nicht verderben: Anna Knauer bei Kaffee und Kuchen sowie mit vollem Gepäck am Flughafen von Auckland. In Neuseeland war sie zuletzt nämlich ebenso beim Weltcup am Start wie in China. © Privat


Nachdem Knauer die Weltcup-Rennen in Berlin und London (England) vor Jahresfrist krankheitsbedingt we­gen anhaltender Atemprobleme absagen musste, wollte sie nun bei zwei Wettbewerben in Übersee um Punkte für die Teilnahme bei der WM kämpfen. Daraus wurde dann aber doch nichts. Denn es stand bereits im Vorfeld fest, dass die deutsche Rad-Equipe aufgrund fehlender Wertungspunkte keinen Startplatz im Madison für die WM bekommen würde. „Da war unser Verband nicht ganz auf der Höhe. Durch verschiedene Versäumnisse ist die Situation jetzt leider so, wie sie ist. Für Schuldzuweisungen ist hier aber nicht der richtige Platz“, sagte eine sichtlich niedergeschlagene Anna Knauer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Anna Knauer wäre aber nicht Anna Knauer, wenn sie dieser herben Enttäuschung nicht auch etwas Positives abgewinnen würde. Jetzt sei sie vier Wochen am Stück zu Hause, könne die Zeit mit Leuten verbringen, die ihr wichtig sind, und das Training ohne jeglichen Druck absolvieren. Schon die Übungseinheiten auf Mallorca vor zwei Wochen hat sie deshalb als reines Grundlagentraining für die bevorstehenden Aufgaben genutzt. „Ich habe versucht, die Zeit zu genießen, und den Frust nicht so sehr an mich he­ranzulassen“, so „Frohnatur“ Knauer, die die Sixdays in Bremen aus terminlichen Gründen hatte sausen lassen. Als angehende Polizeibeamtin musste sie nämlich zeitgleich Prüfungen schreiben.

Starts in Neuseeland und China

Beim Weltcup in Cambridge (Neuseeland) haben Knauer und ihre Partnerin Lisa Küllmer die deutschen Farben im Madison vertreten. Nach einem Sturz konnte das Duo das Rennen nicht beenden. „Lisa ist nach etwas mehr als 20 Runden gestürzt, weil sich eine andere Fahrerin mit ihrem Lenker verkeilt hat. Sie hat zwar noch mal versucht, auf das Rad zu steigen, aber es ging nicht mehr“, berichtete Knauer. Küllmer war ziemlich hart aufgeschlagen und hatte sich dabei eine Gehirnerschütterung zugezogen. Zuvor hatte Knauer im Scratch-Rennen einen guten sechsten Platz belegt. Ganz zufrieden war sie damit allerdings nicht: „Ich bin am Ende zu früh losgefahren, weil ich die Nerven verloren habe.“

In Hongkong (China) holte Knauer dann mit ihrer „neuen“ Teamkollegin Franziska Brauße den achten Platz. „Das hat echt gut funktioniert, wir haben super miteinander harmoniert. Leider haben wir im Schlussspurt aber noch zwei Plätze verloren. Da das Feld sehr eng beieinanderlag, wäre – wenn ich ein paar Wettkampf-Rennen mehr in den Beinen gehabt hätte – sogar durchaus ein Platz auf dem Treppchen realistisch gewesen“, so die gebürtige Schernfelderin.

Auf das Podest schaffte es dagegen der deutsche Bahnrad-Vierer der Frauen in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung. Bundestrainer André Korff setzt hierbei auf das Quartett Franziska Brauße, Lisa Klein, Charlotte Becker und Gudrun Stock. „Wir konnten mit dem zweiten Platz vor allem in der Olympia-Qualifikation nochmals gut punkten“, sagte Korff. Auch wenn Knauer, wie sie selbst sagt, „beim Vierer derzeit außen vor ist“, würde bei deren Qualifikation auch ihre Chance zur Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio (Japan) steigen.

Denn: Sollte der Bahnrad-Vierer das Ticket für das größte Sportereignis der Welt lösen, dann bekommt Deutschland automatisch einen Startplatz im Madison. „Das wiederum bedeutet aber, dass ich in dieser Disziplin so gut sein muss, dass der Teamchef bei der Nominierung nicht an mir vorbeikommt“, sagt die Olympionikin von 2016. Damals war sie im brasilianischen Rio de Janeiro im Omnium am Start.

In den nächsten Wochen wird Anna Knauer ihren Fokus auf die Sommersaison 2019 legen. Bei sogenannten C1- und C2-Rennen will sie möglichst viele Punkte sammeln, damit ein so unerwartetes Abrutschen in der Wertung – wie es jetzt zum Vorschein kam – nicht mehr möglich ist. Dazu wird sie im März noch einmal auf Mallorca trainieren und alle Kräfte mobilisieren. 

Norbert Dengler

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