Montag, 10.12.2018

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BayernBahn wehrt sich gegen Vorwürfe des Landkreises

Reaktivierung der Hesselbergbahn stottert weiter vor sich hin - 18.11.2016 12:00 Uhr

Zug in Sicht, aber nicht auf Dauer: Die BayernBahn hat angekündigt, 2019 zur Landesgartenschau in Wassertrüdingen vorübergehend Personenzüge auf der Strecke zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen fahren zu lassen. Für die Aufnahme des regulären Verkehrs sieht es dagegen eher schlecht aus. © BayernBahn


Die Lage ist kompliziert. Zwar hat man inzwischen so lange gerechnet, bis die notwendigen Passagierzahlen von 1000 Fahrgästen pro Werktag am Ende zusammengekommen waren, aber das ist nur ein Schritt auf einem ziemliche langen Gleis. Denn: Für stündlichen Personenverkehr zwischen Wassertrüdingen, Gunzenhausen und Pleinfeld bräuchte es einen millionenschweren Ausbau der Stre­cke. Der Güterverkehr rollt nach wie vor zwischen Wassertrüdingen und Gunzenhausen. Es sind die Züge der BayernBahn, die dort unter anderem den Shampoo-Großproduzenten Schwarzkopf bedienen.

Will man den Personenverkehr auf die Schiene zurückbringen, bräuchte es nach ersten Schätzungen gut elf Millionen Euro an Investitionen in das Gleisnetz. Knapp fünf Millionen entfallen auf den Abschnitt von Gunzenhausen nach Wassertrüdingen, für den bis ins Jahr 2050 die BayernBahn zuständig ist. Unter anderem müsste bei Cronheim ein Begegnungsgleis gebaut werden, um Personen- und Güterzüge aneinander vorbeizuleiten. Zumindest wenn das aktuelle, vom Freistaat gewünschte Fahrplankonzept realisiert werden soll.

Der Freistaat muss zahlen

In der jüngsten Kreistagssitzung stellte die Verwaltung fest, dass die BayernBahn kein Interesse an einem Ausbau habe und die ganze Reaktivierung deshalb vor Problemen stünde. Diesem Eindruck tritt nun die BayernBahn in einer umfangreichen Stellungnahme entgegen. „Mit großer Verwunderung“ habe man einige Aussagen aus dem Kreistag zur Kenntnis genommen, schreibt Andreas Braun, der Geschäftsführer des privaten Eisenbahnunternehmens. Es sei nicht richtig, dass man kein Interesse an einer Reaktivierung habe, nur sei sie nach aktuellem Stand nicht zu finanzieren.

Braun erklärt, warum. Der Freistaat lege über das Tochterunternehmen Bayerische Eisenbahngesellschaft fest, mit welchem Standard ausgebaut wer­de, die BayernBahn müsse den Ausbau bezahlen, und der Freistaat lege auch die Summe fest, die die BayernBahn über die nächsten zehn bis zwölf Jahre für die Benutzung der Strecke durch den Personenverkehr erhält.

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Das Problem bei dieser Konstellation: Die Nutzungsentgelte reichen nicht, um die Investitionen zu refinanzieren. Das sieht zumindest BayernBahn-Geschäftsführer Braun so. Während für die Investitionen ins öffentliche Gleisnetz der Deutschen Bahn 80 Prozent Zuschüsse gezahlt würden, müssten private Strecken komplett alleine finanziert werden. Das Entgelt für die Nutzung sei deswegen aber nicht höher, beklagt sich der BayernBahn-Mann.

Der Freistaat verweise darauf, dass in solchen Fällen vor Ort die Kommunen einspringen müssten, wenn sie eine Reaktivierung wünschen. Das hat Landrat Gerhard Wägemann zuletzt im Kreistag öffentlich ausgeschlossen. Das klingt nach Sackgasse. Eine allerdings, für die sich die BayernBahn nicht zuständig fühlt. „Ich setzte mich schon seit über 30 Jahren für dieses Ziel ein“, sagt Braun zur Wiederaufnahme des Personenverkehrs. „Ich habe aber auch immer gesagt, dass die zusätzlichen Aufwendungen, die für den Personenverkehr nötig sind, auch durch diesen aufzubringen sind.“ Im Klartext: Der Freistaat soll zahlen, was der Freistaat haben will.

Mit Umsteigen kein Problem

Einen Ausweg aus der Sackgasse sieht die BayernBahn durchaus, denn eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Wassertrüdingen und Gunzenhausen wäre schnell möglich, wenn man – zumindest vorerst – darauf verzichten würde, dass die Züge direkt nach Pleinfeld weiterfahren. Mit Umsteigen in Gunzenhausen ließe sich die Reaktivierung mit erheblich weniger Millionen umsetzen, so Braun. Das Problem ist allerdings, dass damit die neue Strecke auch weniger attraktiv wird, denn es lockt über die direkte Anbindung an Pleinfeld vor allem der schnelle Weg zur Zuglinie nach Nürnberg, der viele Fahrgäste bringen könnte.

Die Gesamtsituation wird dadurch nicht besser, dass die BayernBahn nicht das einzige Problem ist, das es bei der Reaktivierung gibt. Denn für die Durchbindung nach Pleinfeld müsste bei Langlau – für diese Strecke ist die Deutsche Bahn zuständig – ein Kreuzungsbahnhof errichtet werden. Der kostet zusammen mit anderen Investitionen auf diesem Teil des Gleisabschnitts rund 6,5 Millionen Euro. Geld, das die Bahn  frühestens 2019 mit Beginn eines neuen Förderprogramms zur Verfügung hätte. Das hieße selbst bei günstigstem Verlauf, dass der gewünschte Fahrplan frühes­tens 2022 zum Laufen käme, stellt BayernBahn-Mann Braun fest.

Sicher scheint immerhin, dass bereits 2019 tatsächlich erstmals wieder reguläre Fahrgäste auf der Strecke Wassertrüdingen-Gunzenhausen un­terwegs sein werden. Dann nämlich will die BayernBahn auf eigene Kos­ten einen Pendelverkehr zur kleinen Landesgartenschau anbieten, die in der Wörnitz-Stadt dann stattfindet. 

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