Mittwoch, 17.10.2018

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Bibelfester Atheist in Solnhofen

HG. Butzko trat in der Alten Schule auf - 30.10.2017 11:50 Uhr

Sorgt in der „Alten Schule“ in Solnhofen für viele Lacher: HG. Butzko, der sein aktuelles Programm „Menschliche Intelligenz“ mitgebracht hatte, in dem er mit der Politik und mit Religionen abrechnet. © Markus Steiner


„Kaum habe ich meinen E-Mail-Eingang geöffnet, oder auf Facebook und Twitter reingeschaut, bekomme ich die ersten Arschlöcher zu sehen“, erklärt Butzko den Gästen in der Alten Schule und verrät ihnen auch, warum er weder von sozialen Medien noch von der Alternative für Deutschland allzu viel hält: „Wäre Zurückrudern olympische Disziplin, würde sich die Alternative für Deutschland die Goldmedaille holen“, sagt er unter dem Gelächter des Publikums. Frenetischen Beifall erntet er, als er diesen Satz ganz trocken von seinem Bistrotischchen ins Publikum schickt: „Früher hatte jedes Dorf einen Depp, heute unterhalten sie sich miteinander in Facebook.“

Was ist das eigentlich, was der Gelsenkirchener, der direkt gegenüber dem Schalke-Stadion aufgewachsen ist, da macht? Irgendwie eine Mischung aus Religions-, Politik- und Gesellschaftskritik, mit der er vor allem eines erreichen will: Das übernommene Traditionen hinterfragt und nicht einfach übernommen werden. Vor allem wohl aus diesem Grund bekommen die großen Weltreligionen ihr Fett weg – ganz gleich ob Christen, Buddhisten oder Muslime: „Ich sehe nicht ein, dass ich nur eine religiöse Gruppe komisch finden soll...“

Denn Butzko, der sich selbst als gläubigen Atheisten bezeichnet, hält zwar Religiösität für nichts Verwerfliches – Religion dagegen schon. Während Religiosität dem einzelnen Menschen eine Beziehung zum Ganzen ermöglicht, seien die großen Religionen „Kartelle zur Durchsetzung von Machtinteressen“. Butzko findet demgemäß auch im Alten Testament genug Stellen, die in ihrer Radikalität locker mit dem Koran mithalten können und gegen das Grundgesetz verstoßen.

Arabische Zahlen

Alle Radikalen, egal ob Islamist oder Nationalist, würden sich lediglich in der Wahl ihrer Methoden unterscheiden, hätten aber alle etwas gemeinsam: „Sie vermischen in übergriffiger und unzumutbarer Weise Religion und Politik.“ Deshalb bräuchten Religionen unbedingt religiöse Menschen, um ihnen Gottesfurcht einzuflößen. Religiöse Menschen hingegen bräuchten nicht unbedingt Religionen, „um den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.“

Dass Dummheit und Unwissenheit die Hauptquelle sind, aus denen sich Radikalismus speist, wurde Butzko ebenfalls einmal mehr im Internet bestätigt. „Der Höhepunkt war zu lesen auf der Facebook-Seite von Pegida Nürnberg. Da schrieb jemand: Die Islamisierung ist bereits fortgeschritten. An deutschen Schulen werden arabische Zahlen gelehrt! – Ich will hoffen, dass zumindest hier in Solnhofen jeder den Witz verstanden hat.“

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Und so ist Butzkos aktuelles Programm zum einen ein Plädoyer für mehr Toleranz und friedliches Miteinander und zum anderen eines gegen den Machtanspruch von Religionen und Politik. Denn der Unterschied zwischen Nationalisten und Islamisten sei ohnehin nur marginal: „Islamisten haben EIN Buch gelesen.“ Der Kabarettist mit der Cordschirmmütze, dem oft vorgeworfen wird, dass er ein „Islamversteher“ sei, hat am Ende dann sogar noch einen konstruktiven Vorschlag dabei, wie man den weltweiten Terror ausmerzen könnte: „Seid nett zueinander.“

Butzkos Antwort klingt am Ende trotz seiner atheistischen Einstellung dann fast genauso wie das Gebot der Nächstenliebe in der Bibel: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Insofern ist Butzko vermutlich einer der gläubigsten Atheisten, die es gibt . Und ein verdammt lustiger noch dazu. 

MARKUS STEINER

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