Donnerstag, 15.11.2018

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Der Weißenburger Schatz ist zurück

Archäologische Staatssammlung räumt das Museum ein - 23.02.2017 17:30 Uhr

Erste Einblicke ins neue Römermuseum: Die vergangenen Tage ist der Weißenburger Römerschatz in seine Heimat zurückgekehrt. © Jan Stephan


„Sie haben jetzt mal das modernste Römermuseum Bayerns“, stellt Dr. Bernd Steidl, der stellvertretende Leiter der Archäologischen Staatssammlung München fest. Er steht im zweiten Stock des Römermuseums und ist in aufgeräumter Stimmung. Die Dinge sind im Werden. Statuen und Masken  haben schon ihren Weg in die klimatisierten Vitrinen gefunden. Die römische Schnellwaage wird von Mitarbeitern mit weißen Handschuhen gerade in eine Glaswand gehängt. Arbeit gibt es allerdings noch genug, wie ein Blick durch die neuen Räume verrät. Antike Funde stapeln sich in Kisten auf dem Fußboden, Seile hängen von der Decke und Wandkarten müssen erst noch aufgezogen werden. Bereits jetzt sieht man, dass das neue Weißenburger Römermuseum nicht so sehr viel mit dem alten Weißenburger Römermuseum zu tun haben wird.

Das berühmteste

„Die alte Ausstellung war ja nicht thematisch“, stellt Steidl fest. „Sie hatte sich vorgenommen, die Kastellstandorte am bayerischen Limes abzuarbeiten und das hat sie dann auch getan.“ Allerlei Scherben, Kleinfunde und verrostete Metallfunde füllten die Vitrinen. Jetzt will man im Römer­museum nicht mehr nur Geschichte zeigen, sondern vor allem auch Geschichten erzählen.

Und an großartigen Funden fehlt es nicht, wie Steidel schwärmt. Die Neueröffnung sorgt in dieser Hinsicht für einen spektakulären Neuzugang. Das Original des Weißenburger Militärdiploms von Mogetissa kommt in die Ausstellung. „Nach 150 Jahren“, wie Steidel lächelnd erzählt. Direkt nach seinem Fund am Weißenburger Bahnhof verschwand es nach München, das 1983 aufgesperrte Weißenburger Römermuseum erhielt später nur eine Kopie.

Der Neuzugang ist bemerkenswert, weil Mogetissas Bronzetafel jeder Archäologe und Wissenschaftler weltweit kennt, der sich grundlegender mit dem Römischen Imperium auseinan-dersetzt. „Das ist das absolute Top-Diplom im gesamten Imperium Romanum“, weiß Steidel. „Wenn es irgendwo grundlegend um Militärdiplome geht, wird immer das von Mogetissa gezeigt.“ Das liegt vor allem daran, dass es wenige Entlassurkunden aus dem römischen Militär gibt, die so gut erhalten sind.

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Nicht nur die Gestaltung der neuen Ausstellung hat sich im Übrigen verändert, auch deren Inhalt. „Wir konnten jetzt eine ganze Menge Wissenschaft nachholen“, sagt Steidel. Vor allem zum Schatz gibt es neue Erkenntnisse. Es stellte sich etwa heraus, dass einige der römischen Statuen im Römerschatz die letzten 30 Jahre falsch zusammengebaut in den Vitrinen des Museums standen. Aber auch Grundlegenderes kam ins Licht. „Es ist eine nie veröffentlichte Fundskizze aufgetaucht“, erzählt der stellvertretende Leiter der Ärchäologischen Staatssammlung. Unter anderem dadurch ließ sich sagen, dass der Schatz wohl „unter dem Fußboden eines römischen Hauses“ in der Zivilsiedlung versteckt war.

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Blick hinter die Kulissen

Der Schatz ist wieder da! Und nicht nur der. Die Archäologische Staatssammlung ist gerade dabei, letzte Hand an die neue Weißenburger Römerausstellung zu legen. Und die wird sehr anders, als ihr Vorgänger. Wir durften bei den letzten Arbeiten über die Schultern der Ausstellungstechniker schauen.


Herausragende Funde

Man geht inzwischen fest davon aus, dass die Römerfunde, kein vor anrü-ckenden Feinden versteckter Tempelschatz war, sondern ein Diebesdepot. Vermutlich hat sich einer aus der eigenen Stadt im Chaos der letzten römischen Jahre in Biriciana bedient. Und zwar, wo immer es möglich war. In seinem Depot fand sich das komplette Sortiment eines Devotionalienhändlers, mehrere Statuen aus privaten Hausheiligtümern, Haushaltsgeräte, aber eben auch Teile einer Tempelausstattung.

Ein reicher Mann war der Dieb damit übrigens nicht. Im Zuge der Untersuchungen hat man auch den damaligen Metallwert des Schatzfunds ausgerechnet. „Das ist ein bisschen ernüchternd“, findet Simon Sulk, vom Römermuseum Weißenburg. Etwa den viertelten Jahressold eines Soldaten war das Metall des Schatzes wert. Die Soldaten waren allerdings auch Gutverdiener, ergänzt Steidel, und der künstlerische Wert der Gegenstände ist nicht berücksichtigt.

Sorgen um die Bedeutung des Weißenburger Schatzfundes muss man sich deswegen keineswegs machen. Steidel: „Von der kunsthandwerklichen Qualität ist das herausragend, das lässt sich ohne Probleme mit Funden aus Pompei vergleichen.“ Und jetzt bekommen die herausragenden Funde mit der Neugestaltung auch ein angemessenes Umfeld. 

JAN STEPHAN

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