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Dickes Ei: Bürgermeister verschenkte "herrenlose" Bäume

Mindestens 50 Weinachtsbäume der Güteklasse A sollten "entsorgt" werden - 09.01.2016 06:00 Uhr

Wie hier, waren die Bäume säuberlich verpackt und warteten darauf, abgeholt zu werden (Symbolbild).

Wie hier, waren die Bäume säuberlich verpackt und warteten darauf, abgeholt zu werden (Symbolbild). © Fredrik von Erichsen


Es war zwei Tage vor Weihnachten, als Maderer morgens von einem Bürger angerufen wurde. Etwa 50 Christbäume lägen, sauber eingenetzt, auf einem Grundstück der Gemeinde am Mauthaus. Der Bürgermeister ärgerte sich: Da hatte wohl irgendwer seine überzählige Ware schnell kostenfrei entsorgen wollen.

Um die "vom Laster gefallenen Christbäume" musste sich wohl nun die Gemeinde kümmern und dazu jeden einzelnen aus dem Netz holen. Doch dann fiel Alfred Maderer eine unbürokratische Lösung ein:

"Übermorgen ist Weihnachten. Da gibt’s doch bestimmt noch Leute, die einen Baum brauchen." Eine Sammel-SMS und Rundmail später wussten etliche Langenaltheimer, dass die Christbaum-Anschaffung diesmal konkurrenzlos günstig ausfallen dürfte. Eine Weihnachtsfreude für die Bürger, weniger Arbeit für den Bauhof, eine pragmatische Lösung - so hatte sich der Bürgermeister das vorgestellt.

Böses Erwachen nach kurzer Zeit

Doch keine vier Stunden später das böse Erwachen. Die Bäume lagen gar nicht auf gemeindlichem Grund. Maderer kontaktierte die Pächter des Grundstücks und die bestätigten, dass sie die Bäume dort zwischengelagert hatten, um sie noch kurzfristig in Augsburg zu verkaufen. Der Bürgermeister hatte also Geschenke verteilt, die ihm weder gehörten noch als Fundsache gelten konnten.

Maderer begann wieder das Tippen. Diesmal eine Rückrufaktion. Wer sich schon bedient hatte, sollte den Baum entweder zurückbringen oder ihn bezahlen. "Ich weiß von etlichen, dass sie das auch gemacht haben", schilderte er im Gespräch mit dem Weißenburger Tagblatt. Mit den Eigentümern der Bäume ei­nigte sich der Rathauschef darauf, dass sie eine Rechnung an die Gemeinde schicken. Die wird er dann bei der Versicherung einreichen.

"Was ich getan habe, habe ich in der hoheitlichen Aufgabe als Bürgermeister gemacht, um die Entsorgungskosten für die Gemeinde möglichst gering zu halten." Deshalb geht er davon aus, dass die Versicherung den entstandenen Schaden auch übernehmen wird.

Um mehr als 3000 Euro soll es gehen, meldet das Portal langenalt­heim-online.de nach Rücksprache mit dem Unternehmer aus dem Nachbarlandkreis Dona-Ries. Denn angeblich seien es 89 Bäume, die fehlen, und es habe sich um Bäume mit mehr als zwei Metern Höhe der Güteklasse A gehandelt.

Die Rechnung soll die nächsten Tage rausgehen. Anzeige haben die Eigentümer aber nicht erstattet, wie Treuchtlingens Polizeichef Dieter Meyer auf Anfrage des Weißenburger Tagblatts bestätigte. Der Bürgermeister muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er nicht selbst kontrolliert hat, wo die Bäume liegen, bevor er die erste Mitteilung rausjagte. "Das hätte ich tun sollen", gab Alfred Maderer kleinlaut zu. 

Robert Maurer

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