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Die erste Ferienwohnung schwimmt im Brombachsee

„Floating House“: Schon über 300 Interessenten - 20.05.2017 07:00 Uhr

Erst stand es, dann flog es, jetzt schwimmt es: Das erste von geplanten 27 Floating Houses ist nun im Ramsberger Hafen zu Wasser gelassen worden. Es dient als Anschauungsobjekt für Kaufinteressenten. Derweil arbeitet der Zweckverband Brombachsee an einer Änderung des Bebauungsplans. Nicht ganz einfach, weil es in Bayern bislang keine schwimmenden Häuser gibt. © Stephan


Der See hatte ein Einsehen und begrüßte seinen neuen Gast mit Sonne und blauem Himmel. Ein Wetter, bei dem man sich vorstellen konnte, wie reizvoll es sein könnte, es sich auf einer der beiden Terrassen mit Seeblick bequem zu machen. Auch das Innere des exklusiven Objekts wusste bei einer Begehung zu überzeugen. Auf 44 Quadratmetern bringt das Haus zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer mit Küche und Panoramablick, Bad und WC unter. Dazu eine Terrasse im Erdgeschoss und eine Sitzfläche auf dem Dach.

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Die Erstbesichtiger zeigten sich allesamt sehr angetan. Und das entspricht offenbar auch der allgemeinen Stimmung. Mehr als 300 Anfragen seien inzwischen eingegangen, berichtete Christian Wolz von der Floating House GmbH, die das Projekt mit dem Zweckverband Brombachsee stemmt. Und täglich kämen neue, bestätigte Zweckverbands-Geschäftsführer Dieter Hofer. Ein Viertel der Objekte sei bereits reserviert, hieß es. „Wir machen uns keinerlei Sorgen, dass wir die nicht verkauft bekommen“, stellte Wolz fest.

Wohnfertig eingerichtet

Knapp 300000 Euro muss man auf den Tisch legen, um sich eines der 20 „kleinen“ Schwimmenden Häuser zu sichern. Dafür ist immerhin die Einrichtung mit dabei. Abgesehen von Sofa und Esstisch bekommt man das schwimmende Domizil wohnfertig. Inklusive Küchen, Bett mit Matratze und Sanitäreinrichtung. Wieviel die sieben zweistöckigen Häuser kosten werden, die im Bebauungsplan vorgesehen sind, ist noch unbekannt. Im nächsten Jahr sollen die kleinen Häuser auf den See gesetzt werden und ein Jahr später die großen folgen. Sie werden an der Außenmole des Ramsberger Segelhafens befestigt.

So wird die Kapazität des Segelhafens besser genutzt, der in Ramsberg zuletzt nur etwa zur Hälfte belegt war. Nicht ganz so begeistert sind davon die Segler, die sich daran gewöhnt haben, im Hafen Platz zu haben. „Was will denn die Holzbaracke auf dem Weiher“, fragte ein Segler vor Ort spitz. Aber auch er ließ sich schließlich überzeugen, dass die Objekte immerhin optisch gelungen seien.

Der Zweckverband arbeitet daran, den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan zu ändern. „Das ist nicht ganz leicht, weil das in Bayern noch nie jemand gemacht hat“, stellte Landrat Gerhard Wägemann fest, der das Zuwasserlassen vor Ort verfolgte. Die Floating House GmbH ist bisher vor allem an der Ostsee und an Binnengewässern im Norden und Osten Deutschlands präsent. In Süddeutschland hatte man bisher noch keinen Partner gefunden, der ein solches Projekt aktiv unterstützen wollte. Außerdem fehlen etwa an vielen oberbayerischen Seen potenzielle Liegeplätze für die Schwimmenden Häuser.

Eine Bar auf dem Brombachsee?

Im Bebauungsplan wird auch eine schwimmende gastronomische Einrichtung zu finden sein. „Ob die dann gebaut wird, muss man aber sehen“, so Zweckverbands-Geschäftsführer Dieter Hofer. Dafür bräuchte es einen Investor und im Idealfall auch einen Betreiber. Die Floating House GmbH könnte sich allerdings auch vorstellen, eine solche Einrichtung selbst zu betreiben. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin, das aber auch ein Nürnberger Büro hat, wird vor Ort weiterhin aktiv bleiben. Man kümmert sich für die Inhaber um die Vermietung der Objekte. Zum dauerhaften Wohnen sind die Schwimmenden Häuser nicht gedacht. Sieben Wochen im Jahr dürfen Besitzer ihre Immobilien selbst nutzen, ansonsten müssen sie für die Vermietung zur Verfügung stehen.

Das ist eine Absprache mit dem Zweckverband, der sich von den Schwimmenden Häusern ja vor allem einen touristischen Mehrwert verspricht. „In einem hochklassigen Segment, das wir bisher bei uns so nicht haben“, erklärte Dieter Hofer vom Zweckverband. Im Endausbau käme die schwimmende Ferienhaussiedlung auf eine maximale Kapazität von rund 160 Betten. Die hohen Investitionskosten werden dadurch versüßt, dass es offenbar interessante steuerliche Abschreibungsmodelle gibt. Denn: bei den Schwimmenden Häusern handelt es sich um keine Immobilie, sondern um ein sogenanntes „mobiles Wirtschaftsgut“. 

Jan Stephan

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