Sonntag, 18.11.2018

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Die Würdigung der Weißenburger Bösmüllerin

Genügt das Hinweisschild an der Jahnstraße zur Aufarbeitung? - 05.07.2016 12:00 Uhr

Ein bisschen gewürdigt: Die Geschichte der Margarethe Seybold findet sich seit einiger Zeit in Kurzfassung am Straßenschild des Wegs zur einstigen Bösmühle. Historikerin Dr. Ute Jäger und Theatermacherin Cornelia Röhl fordern jedoch ein auffälligeres Denkmal – als Zeichen für Toleranz und gegen Mobbing. © Maurer


„Wir sind sehr traurig, dass es nicht zu mehr gereicht hat“, sagt Ute Jäger, die als Weißenburger Nachtwächterin den Grundstein für die modernen Erlebnisführungen durch die Stadt gelegt hat. Gerade der Fall der denunzierten Frau habe eine außergewöhn­liche Aktualität. Die Anonymität im Internet macht es leicht, jemanden zu verunglimpfen und auf fieseste Weise zu mobben.

Und es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es im Weißenburger Raum eine rechte Szene gibt, die immer wieder in Erscheinung tritt. „Gerade deshalb sollte aus meiner Sicht die Stadt hier ein Zeichen setzen“, findet Historikerin Jäger. „Ein Zeichen gegen Diskriminierung, Hass und Mobbing und für Ausgleich, Toleranz und Mitmenschlichkeit.“ Hierfür sollte die Stadt mit einem kleinen Denkmal das Bewusstsein der Gesellschaft fördern.

Aus ihrer Sicht wäre der Platz Auf der Kapelle ein idealer Standort hierfür. In Spuckweite Auf dem Schrecker wurden einst Menschen gefoltert und warteten auf die Verkündung, auf welche Art sie zu Tode kommen sollten. „Das ließe sich auch gut in Stadtführungen miteinbauen“, ist Dr. Ute Jäger überzeugt.

Seit 2011 läuft die außergewöhnliche Kostümführung, die den Fall der Margarethe Seybold in mehreren Spielszenen an markanten Orten der Stadt nachspielt. Mit großem Erfolg. Betonen Jäger und Röhl. „Das hat auch überregional Beachtung gefunden“, sind die beiden Macherinnen überzeugt.

Auf jeden Fall haben sie mit ihrer Inszenierung die Geschichte wieder bewusst gemacht. In der Folge gab es öffentliche Forderungen einer Rehabilitation oder zumindest einer öffentlichen Anerkennung. Das Thema kam in den Stadtrat und kurzzeitig war der Fall der Bösmüllerin wieder richtig populär. Zunächst wollte der Stadtrat die Stichstraße von der Jahnstraße zur einstigen Bösmühle umbenennen. Doch das gestaltete sich aufwendig, weil Geschäfts- und Privatleute an dem Weg dann überall ihre Anschrift entsprechend korrigieren lassen müssten. Weshalb man sich im vergangenen Jahr zur kleinen Lösung mit dem Hinweisschild entschied. Zu­dem soll in einem künftigen Baugebiet eine Straße nach der Bösmüllerin benannt werden. Für Ute Jäger und Cornelia Röhl ist das aber eben zu leise, damit das Thema wirklich Gehör findet.

Tribut an die EM

Sie zeigen zusammen mit Darstellern der Weißenburger Bühne „Die Jagd nach der Weißenburger Hexe“ (so der Untertitel der Kostümführung) in diesem Jahr am Donnerstag, 4. August, um 20.30 Uhr (um Anmeldung unter Tel. 0 91 41 / 99 72 07 oder per E-Mail an kontakt@nachtwaechterin.de wird aus organisatorischen Gründen gebeten). Der ursprünglich für Donnerstag, 7. Juli, angesetzte Termin kollidiert nun mit dem EM-Halbfinale Deutschland-Frankreich und wurde deshalb ersatzlos gestrichen.

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An dem beklemmenden Stück wollen Jäger und Röhl auch in Zukunft festhalten. „Das ist uns sehr wichtig“, sagen sie übereinstimmend. Andere Kostümführungen wie „Der Fall Baals“ haben hingegen eine Halbwertzeit. So wird der Mordfall, der sich 1868 im Weißenburger Stadtwald zugetragen hat, heuer letztmals angeboten (Termine sind am 21. Juli und 1. September jeweils um 20.30 Uhr). „Da wird es Zeit, etwas Neues zu machen“, erklärt Röhl.

Das Neue ist auch schon recht weit gediehen. „Sacrilegium – Das Versteck der Götter“, wird es heißen. Erzählt wird an den Thermen und auf dem Kastellgelände die Geschichte des Weißenburger Römerschatzes. Also eine mögliche Geschichte. Denn wie der Römerschatz in den Garten gelangte, in dem er 1979 gefunden wurde, ist nicht endgültig geklärt. „Aber wir haben uns für die wahrscheinlichste Theorie entschieden“, sagt Cornelia Röhl. So erwartet die Teilnehmer der Führung also eine fiktive Geschichte, die aber durchaus authentisch ist. Dafür sorgte Weißenburgs Museumsleiter Dr. Mario Bloier, der ebenso wie Stadtarchivar Reiner Kammerl die Theaterführungen von Jäger und Röhl unterstützt. So gab es beispielsweise den Lagerkommandanten tatsächlich, und auch die Namen sind historisch fundiert.

Der Aufwand ist groß. Allein elf Darsteller braucht es, um die etwa 230 n. Chr. spielende Geschichte zum Leben zu erwecken. Ute Jäger wird als Erzählerin die einzelnen Spielszenen miteinander verbinden und sie in den geschichtlichen Kontext stellen. Die Premiere findet im Rahmen des Krimifestivals am Samstag und Sonntag, 17. und 18. September, jeweils um 14.00 Uhr statt. 

Robert Maurer

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