Sonntag, 16.12.2018

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Einen weiteren Urvogel entdeckt

Sensationsfund in einem Steinbruch bei Mörnsheim - 29.04.2018 17:23 Uhr

Urvogel Nummer 13: Roland Pöschl (li.) hat in Mühlheim bei Mörnsheim einen weiteren Archäopteryx entdeckt. Über den Fund freut sich nicht nur Oberkonservator Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung. © Jürgen Leykamm


Das, was Roland Pöschl als Betreiber des Steinbruchs im vergangenen November geglückt ist, davon können viele Fossiliensammler nur träumen: der Fund einer Urvogel-Versteinerung. Nach einer solchen sucht Pöschl schon ein halbes Leben. Dabei hatte selbst er nicht gleich erfasst, was ihm da unter die Hände gekommen war. Bis sein Geschäftspartner und Präparator, Ulli Leonhardt, ihm dann Bilder der drei einzelnen Krallen schickte.

„Das gibt’s ja gar nicht!“, so die Reaktion Pöschls, der Traum eines jeden Plattenkalksammlers war wahr geworden. Denn nun war klar: Er darf sich Archäopteryx-Finder und Mörnsheim sich nun offiziell Urvogel-Fundort nennen.

Der Fund besteht allerdings nur aus einem Flügel des Urzeittieres. Doch das überragt die bisherigen zwölf Exemplare (eigentlich nur elf, weil einem die Archäopteryx-Anerkennung wieder entzogen wurde) an Größe. Und es handelt sich um das erdgeschichtlich jüngste Exemplar. Man könne „sehr schöne Muskelansatzstellen sehen“, schwärmte Oberkonservator Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung.

Ihm wurde der Kronzeuge der Evolution bei der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen des Besuchersteinbruchs übergeben – mit weiteren spannenden Fundstücken, die nach Rekorden riechen und weitere Rätsel aufgeben. Bei einem weiß keiner so genau, ob sich hier ein Fisch oder ein Reptil im Stein verewigt hat. Oberkonservator Rauhut tippt auf ein Fischinneres. Bei einem weiteren Fund könnte es sich um ein Amphibium handeln – es wäre das erste in den Mörnsheimer Schichten gefundene. Ähnlich ungewöhnlich der Fund eines jungen Pleurosaurus, wenn es denn ein solcher ist.

„Fossilienreiche Schichten“

2008 hat der heute 58-jährige Pöschl ein 6000 Quadratmeter großes Areal für Besucher geöffnet, die nach paläontologischen Schätzen suchen wollen. Enttäuscht werden sie dabei selten. Es befänden sich hier „sehr fossilienreiche Schichten“, so Pöschl. Funde versteinerter Ammoniten oder Krebse seien an der Tagesordnung. Jeder hoffe natürlich darauf einen Flugsaurier oder ein zu Reptil ent-decken. 27 Jahre hat Roland Pöschl in einer Bank gearbeitet, seit sechs Jahren widmet er sich komplett der Suche nach Fossilien auf eigenem Areal.

Der Mühlheimer Steinbruch löste den „improvisierten Besuchersteinbruch Apfeltal“ ab, erinnerte Mörnsheims Bürgermeister Richard Mittl bei der Feierstunde. Auf der Suche nach Ersatz lud Pöschl den Rathauschef auf das jetzige Jubiläumsareal (das der heutige Betreiber vorher ersteigert hatte). Der staunte nicht schlecht, als beim Laufen übers Gestein eine Platte zerbrach und sogleich ein Ammonit zum Vorschein kam. Das ist kein Einzelfall: „Das Qualitätsmerkmal heißt hier Fundgarantie“, schwärmte Mittl.

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Ein Besucher habe bereits nach fünf Minuten dem Gestein einen Pleurosaurus entlockt. So etwas spricht sich herum. „Jedes Jahr kommen zu uns rund 10000 Gäste aus 100 Nationen“, berichtete Pöschl. Acht verschiedene Arten Flugsaurier wurden schon ans Tageslicht gezerrt, darunter die zwei größten je gefundene Exemplare.

Das Potenzial ist mehr als vielversprechend. „Wir können nur hoffen, dass noch ganz viel gebuddelt wird“, sagte Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel bei der Feierstunde. Das Geschehen am Steinbruch „steht für Authentizität“, bekräftigte Eichstätts Landrat Anton Knapp. Und auch die oberste Chefetage der Bayerischen Staatssammlung in Person von Direktor Gert Wörheide und seinem Stellvertreter Mike Reich sind von der Mühlheimer Einrichtung sehr angetan.    

JÜRGEN LEYKAMM

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