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Entschleunigen bei Kanutour auf Bayerns langsamstem Fluss

Mit den Enten auf Augenhöhe: Auf der Altmühl kann fast jeder paddeln - 19.08.2017 06:02 Uhr

Paddel und zur Ruhe kommen: Eine Kanu-Tour auf der Altmühl ist ein ganz besonderes Erlebnis. © Foto: Privat


Es gibt wirklich wenige Ideen, die einem bayerischen Sommer angemessener sind, als eine Kanutour auf der Altmühl. Und zwar da, wo das Altmühltal am schönsten ist. Grob gesagt, zwischen Treuchtlingen und Beilngries. Je nachdem, wie viel Zeit die Freizeit-Kanuten mitbringen und wie groß der sportliche Ehrgeiz ist, bieten sich die unterschiedlichsten Optionen. Von der lockeren Nachmittagstour bis hin zum Wochenende mit Camping und Kulturprogramm. Eine solche Tour ist jedenfalls eine der besten Möglichkeiten, um sich darüber hinwegzutrösten, dass man gerade nicht an irgendeinem italienisch-griechisch-balearischen Strand in der Sonne brät.

Langsamster Fluss Bayerns

Schon deswegen, weil man sich kaum irgendwo so grundlegend entschleunigt wie auf der Altmühl. Auf dem langsamsten Fluss Bayerns dringt einem Paddelschlag um Paddelschlag die Ruhe ins Gemüt. Und bald beginnt man sich zwischen Seerosenfeldern und den Ästen uralter Bäume zu fragen: Warum, um Himmels willen, brechen die Menschen eigentlich wie die Lemminge in Massen über die Alpen auf, wenn es doch hier so herzhaft schön ist?

Was die Altmühl-Paddelei so nett macht, ist, dass sie für nahezu alle Altersstufen und Ausflugsformate kompatibel ist. Vom Best Ager bis zum Kind, von der Familie bis zum Vereinsausflug lassen sich Touren zusammenstellen, die den unterschiedlichen Belangen gerecht werden. Unsere Empfehlung stellt eine von vielen möglichen Varianten dar und ist für Familien geeignet.

Unsere Tour startet in Zimmern, einem Ortsteil von Pappenheim. Dort lockt erst mal einer der schönsten Biergärten der Region, direkt an der Altmühl gelegen. Je nach sportlichem Programm muss man hier aber möglicherweise standhaft bleiben und die Biertischgarnituren mit Wasserblick erst mal meiden, denn es warten ja noch ein paar Paddelkilometer. Wer es etwas ruhiger angeht, könnte auch mit einem Frühschoppen in der kleinen Craftbeer-Brauerei Hecht in Zimmern starten, die vom Bootseinstieg etwa fünf Gehminuten entfernt ist.

Wichtig ist dann allerdings, dass man einen sehr ordentlichen Hunger mitbringt und Bernhard Hecht irgendwann an die Abfahrtszeit erinnert, denn der Mann ist Brauer mit Leib und Seele und erklärt einem wirklich alle Geheimnisse der Bierherstellung. Man lernt endlich mal, warum ein Bier auch nach Mango und Maracuja schmecken kann, und was es mit diesem Craftbeer-Ding auf sich hat. Vermutlich leicht beschwingt kann man sich dann auf den Weg zurück zur Altmühl machen, wo man von einem der beiden lokalen Bootsverleiher seine schwimmenden Unterlagen bekommt.

Die Tour beginnt mit einer kleinen Ernüchterung: Die erste Etappe beträgt gefühlt 17,5 Meter, bis man das Kanu wieder aus dem Wasser wuchten muss, um es um ein Wehr herumzuschleppen. Dann aber kann es so richtig losgehen. Und die Altmühl entschädigt auf den folgenden Kilometern mehr als ausreichend für diese Anstrengung.

Faszinierende Ruhe

Das Faszinierende ist die Ruhe auf diesem Fluss. Während man um Seerosenfelder herumschippert, Enten auf Augenhöhe begegnet, unter den ausladenden Ästen alter Bäume hindurchfährt oder in einem der zahlreichen Altwässer auf Erkundungstour geht, merkt man bald, wie die Hetze des Alltags von einem abfällt. Hier gibt es nur eine Richtung, und die ist flussabwärts. Dieser Fluss ist die reinste Meditation. Seit Jahrtausenden mäandert er in stiller Behäbigkeit durch den Wiesengrund und lässt sich von den Zeitläufen nicht weiter beeindrucken. Und so verkraftet er auch die Bootswanderer ganz gut, die vor allem an Wochenenden in doch erheblicherer Zahl auf der Altmühl unterwegs sind.

Landschaftlich ist die Gegend ein Erlebnis. Der Fluss hat sich hier über Jahrmillionen sein Bett gegraben und fließt nun in einem vergleichsweise engen Tal. Ein paar Steinwürfe entfernt sieht man immer wieder steile Felswände. Sie zeugen davon, dass das Altmühltal mal in der Karibik lag. Allerdings ist es auch schon wieder rund 200 Millionen Jahre her, als hier ein tropisches Jurameer mit Korallen und Lagunenlandschaft vor sich hinschwappte. Die Felsen sind die Reste dieser Korallen und lassen sich besonders hübsch an den so genannten Zwölf Aposteln bei Eßlingen bestaunen. Die Felsformation zählt ganz offiziell zu den schönsten Geotopen Bayerns.

Immer wieder kann man seine Kanu-Tour für eine kleine Rast unterbrechen, hier zum Beispiel beim Gasthaus Mühlenwirt in Solnhofen. © Foto: Privat


Wer es ruhig angehen mag, der steigt nach den ersten vier, fünf Kilometern in Solnhofen schon das erste Mal aus. Dort bietet sich eine Einkehr in der Aktivmühle oder der Alten Schule an, zwei schönen alten Biergärten, in denen es sich gut und bodenständig essen lässt. Zudem kann man auf einen Sprung im Bürgermeister-Müller-Museum vorbeischauen, das zu Fuß fünf Minuten vom Ausstieg im Ort entfernt ist.

Solnhofen ist jetzt nicht gerade eine Metropole internationalen Renommees, aber sie beherbergt tatsächlich ein Fossilienmuseum, das Weltrang besitzt. Nirgends gibt es gleich drei der weltweit nur zwölf gefundenen Archäopteryx-Exemplare zu sehen. Der Urvogel gilt als das berühmteste Fossil des Erdballs, weil er für Darwin den Kronzeugen für seine Evolutionslehre abgab. Zudem findet man im Museum allerlei beeindruckende Urzeit-Ungetüme, die sich in den Meeren rund um Solnhofen so herumdrückten.

Bootsrutsche

Steigt man wieder in sein Boot, ist man ziemlich froh, dass es diese Viecher nur noch in Stein gibt und man in der Altmühl allenfalls mal auf einen ordentlichen Waller oder einen Biber stößt. Die nächste Station auf der Tour ist die Hammermühle, wo eine Bootsrutsche die sportlicheren Paddelfreunde herausfordert. Mit dem Kanu geht es ein paar Stromschnellen für Altmühlverhältnisse ziemlich turbulent hinab.

An der Hammermühle kann man auch das Quartier für die Nacht aufschlagen oder sich von seinem Bootsverleiher wieder abholen und nach Zimmern zurückfahren lassen, wo man den Tag mit einem Essen im Biergarten an der Altmühl wunderbar ausklingen lassen kann.

Wer an der Hammermühle im Zelt übernachtet, kann sich am nächsten Tag auf den Weg in Richtung Dollnstein machen und dort zum Beispiel das Altmühlzentrum Burg Dollnstein besuchen, das eine modern gestaltete Ausstellung zur Geschichte der Region und der Burg präsentiert. Oder aber man geht es ein wenig sportlicher an und paddelt bis nach Eichstätt weiter, das als Bischofsstadt natürlich ebenfalls eine Reise wert ist.

Wo man die Paddel wieder ans Ufer legt, kann man spontan und selbst entscheiden. Der Tourenanbieter holt seine Boote samt Passagieren da ab, wo sie eben liegen, und fährt alle zum Ausgangspunkt der Tour zurück.

Planen muss man allerdings unbedingt im Voraus seine Tour. Ist das Wetter richtig sommerlich, läuft man sonst Gefahr, keine Boote oder keinen Platz mehr auf dem Campingplatz zu bekommen. Und das wäre richtig schade, denn eine Tour auf der Altmühl ist eine Auszeit vom Alltag, die sich unbedingt mal jeder gönnen sollte. 

JAN STEPHAN

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