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Schildkröte im Seeweiher

Weißenburg hat ein neues Maskottchen - 20.04.2017 06:00 Uhr

Fühlt sich in ihrer neuen Heimat offenbar wohl: Die Gelbbauch-Schmuckschildkröte pflügt seit einigen Tagen durchs Wasser des Seeweihers. Ursprünglich kommt sie aus Nordamerika, ist inzwischen aber auch in etlichen Gewässern der Region heimisch. Die Tiere werden oft als Haustier gekauft und ausgesetzt, wenn die Halter nicht mehr zurechtkommen. © Jan Stephan


Schildkröten sind als Haustiere beliebt. Nicht zuletzt weil die kleinen Kerlchen so drollig aussehen, wenn sie im Babyalter ihre Salatblätter mümmeln. Dass die in Europa für die Haustierhaltung beliebteste Art, die Gelbbauch-Schmuckschildkröte, im ausgewachsenen Stadium suppentellergroß wird und bis zu eineinhalb Kilo auf die Waage bringt, wissen viele Käufer nicht. Das gilt auch für die Tat­sache, dass die Schildkröten ihre Halter gut und gerne überleben können. Bis zu 50 Jahre können die Tiere werden.

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In den ersten sonnigen Tagen der Osterferien sorgte das Reptil für einiges Aufsehen bei den Spaziergängern am Seeweiher. Die Schildkröte zog entspannt ihre Bahnen durch den Weiher und krabbelte auch schon mal aus dem Wasser. Sorgen muss sich wegen des Tiers keiner machen; im Gegensatz zur tatsächlich nicht ganz un­gefährlichen Schnappschildkröte gilt die Gelbbauch-Schmuckschildkröte – trotz ihrer scharfen Krallen – als harmlos für den Menschen. Zumal es sich beim Seeweiher auch um kein Badegewässer handelt.

Eine Notwendigkeit, das Tier ein­zufangen, sieht der Tierschutz nicht. „Die kommt ganz gut zurecht und kann hier durchaus überwintern“, stellte etwa Barbara Häußler vom Tierschutzverein Weißenburg-Treuchtlingen fest. Möglicherweise ist das Tier aus einem Gehege entkommen. Wahrscheinlicher dürfte allerdings sein, dass ein überforderter Halter die Schildkröte im Seeweiher ausgesetzt hat.

Dass das immer wieder vorkommt, bestätigt auch Mario Becker von der gleichnamigen Zoohandlung in Weißenburg. „Wir verkaufen deshalb schon gar keine Arten mehr, die zu groß werden.“ Dass das Tier für ernsthaften Schaden in seiner neuen Umwelt sorgen könnte, hält er für aus­geschlossen. „Kleine Fische werden schon als Futter angesehen, aber die frisst jetzt nicht den ganzen Teich leer.“

Veterinäramtsleiter Dr. Georg Lechner sieht die Schildkröte im Seeweiher trotzdem eher ungern. „Das sollte nicht sein, weil sie da eigentlich nicht hingehört.“ Und sein Kollege Karlheinz Dadrich von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt weist darauf hin, dass „nicht einfach jeder fremde Arten aussetzen“ könne. Sollte tatsächlich jemand im Seeweiher sein Haustier entsorgt haben, handelt es sich immerhin um eine Straftat. Die Stadt hat den Kreisfischereiverein verständigt, der das Gewässer gepachtet hat. Dessen zweiter Vorsitzender, Stephan Otter, hat schon nach dem Tier gesehen, macht sich aber eher wenig Hoffnungen, dass man es einfangen kann.

Auch in der Altmühl zuhause

„Wir haben schon mit Keschern, Fangnetzen und allem möglichen versucht, Schildkröten zu fangen, aber da hat man kaum eine Chance“, sagt der Fischer. „Die Gelbbauch-Schmuckschildkröte ist bei uns eigentlich schon heimisch. Die schwimmt in vielen Gewässern, zum Beispiel in der Altmühl.“ Seit etwa 20 Jahren würden Fischer immer mal wieder Schildkröten zu Gesicht bekommen. Otter selbst hat schonmal eine mit der Angel aus der Altmühl gefischt. Er weiß, dass es etwa in Treuchtlingen in der Nähe des Festplatzes eine gibt und im Altwasser der Altmühl vor Pappenheim mehrere zuhause sind.

Die Tiere buddeln sich im Schlamm ein, wenn es zu kalt wird, und überwintern da. Er vermutet, dass auch die Weißenburger Seeweiherschildkröte nicht erst seit ein paar Wochen im Schatten der Stadtmauer lebt. „Der Weiher ist vor ein paar Wochen abgefischt worden, gut möglich, dass sie da aus dem Schlamm gekrochen ist.“ Am besten beobachten kann man das Tier im Sommer, wenn es sich zum Sonnen ans Ufer begibt. Das dürfte dann in Weißenburg am Seeweiher immer wieder mal für überraschte Spaziergänger sorgen. 

Jan Stephan

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