Montag, 17.12.2018

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"Sieg-Heil"-Eklat zieht internationale Kreise

Negativschlagzeilen über Weißenburger Realschule in Israel und USA - 07.03.2014 07:49 Uhr

Die Entgleisung der Weißenburger Rektorin macht internationale Schlagzeilen. "German headmistress blurts out "Sieg Heil!"" © Repro


Der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Fauxpas der Rektorin, die bei einem sportlichen Wettbewerb die Schüler mit dem Nazi-Gruß angefeuert hatte, „schlicht als pädagogische Katastrophe“ bezeichnet. Dienstrechtliche Konsequenzen werden bis zum Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen erst einmal nicht ergriffen.

Das Bayerische Kultusministerium will erst einmal abwarten, was die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ergeben werden. Dann erst denke man über dienstrechtliche Konsequenzen nach, hieß es gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Ob Bauer am Montag nach den Faschingsferien wieder an ihrem Schreibtisch sitzen wird, ist keine Frage, die das Kultusministerium derzeit groß beschäftigt.

Die abwartende Linie scheint offenbar auch die mehrheitliche Meinung unter den Lehrern an der Weißenburger Schule zu sein. Ganz gleich, ob sie bei der GEW organisiert sind oder nicht. Überwiegend scheint die junge Rektorin, die vorher noch nie eine Schulleitung und auch keine Konrektorenstelle innehatte, bei den Lehrern der Realschule durchaus beliebt zu sein. Auch wenn man sie natürlich nicht mit ihrem Vorgänger Herbert Reinbold vergleichen könne, der „ein geborener Schulleiter“ gewesen sei, wie ein Mitglied des Kollegiums dem Weißenburger Tagblatt sagte. Der noch recht unerfahrenen Rektorin habe man deshalb auch zugestanden, dass sie in einigen Bereichen noch Erfahrung sammeln müsse und unbedarft ist. Auch sie sei ja schließlich „nur ein Mensch“. Bei Reden sei die 43-Jährige bislang nie besonders gut vorbereitet gewesen und wirkte mitunter farig. Versuche, spontan oder witzig wirken zu wollen, gingen daher häufiger schief.

Eine Einschätzung, die auch GEW-Vorstand Harald Morawietz teilt: „Also könnte man folgern, sie redet erst und denkt dann.“ Nur so könne man sich ihre Entschuldigung, ihr sei der „Sieg Heil“-Ruf „rausgerutscht“, auch als Entschuldigung erklären: „Im Indikativ aber: Dieser unsägliche Spruch existiert – an sich – nicht im aktiven Wortschatz eines weit nach dem Ende des Dritten Reichs aufgewachsenen Menschen, der demokratisch denkt und handelt.“


Zweite Chance verdient?

Morawietz will sich nicht zum Führungsstil der Rektorin äußern. Er macht sich vielmehr Sorgen um pädagogische Konsequenzen im Schulalltag: „Allerdings ist es mehr als berechtigt, zu fragen, wie Lehrer unter Schülern kursierende Nazi-Sprüche pädagogisch klug besprechen sollen, sodass diese Schüler bewusst davon ablassen, wenn die Rektorin ins Nazi-Vokabular gegriffen hat.“ Die Umstände, wie es zu der Äußerung kam, sind für den GEW-Vertreter zweit-
rangig. Aber auch Morawietz plädiert persönlich dafür, dass Frau Bauer eine zweite Chance verdient hat.

Englischsprachige Medien haben den Vorfall aufgegriffen. "Headteacher in trouble for shouting 'Sieg Heil'" © Repro


Inzwischen wurden Zweifel an der Darstellung laut, dass Bauer ihren verunglückten Anfeuerungsruf sofort revidiert und sich dafür entschuldigt habe. So berichtete die Süddeutsche Zeitung, das Bayerische Bildungsministerium habe eine frühere Darstellung korrigiert und die Rektorin habe sich von ihrem „Sieg Heil“-Ruf erst einige Tage später distanziert. Johann Seitz, der Ministerialbeauftragte für Realschulen in Bayern, sagte dem Weißenburger Tagblatt: „Diese Darstellung ist nicht zutreffend.“ Die Konrektorin habe glaubhaft versichert, dass Frau Bauer nach ihrer Begrüßung noch einmal ans Rednerpult gegangen sei, um das Gesagte zu korrigieren. Dies bestätigte auch Henning Gießen, der Pressesprecher im Kultusministerium: „Frau Bauer hat sich sofort entschuldigt.“ Allerdings sei die Distanzierung von rechtsradikalem Gedankengut erst später erfolgt.

"A heartland for Hitler and the Nazis"

Am Donnerstag berichtete auch die englischsprachige israelische Tageszeitung Haaretz über den Vorfall. Mit der Schlagzeile „Heil and hot water: German teacher blurts out Nazi greeting at school“ (Heil und heißes Wasser: Deutsche Lehrerin entbietet Nazi-Gruß an Schule). Der Vorfall hat damit auch internationale Beobachtung gefunden. Leider nicht immer mit der nötigen Objektivität. So urteilt beispielsweise die Online-Plattform Daily News: „The incident happened in Bavaria, a heartland for Hitler and the Nazis.“ (Der Vorfall ereignete sich in Bayern, dem Stammland von Hitler und den Nazis.) 

Markus Steiner/acb

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