Mittwoch, 21.11.2018

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Solnhofen: Steinunternehmen Stiegler ist insolvent

80 Mitarbeiter hoffen auf eine Lösung - 06.11.2018 06:00 Uhr

Seit mehr als 250 Jahren steht der Name Stiegler im Altmühltal für Naturstein: Jetzt droht die Auflösung des Unternehmens. Die Solnhofener Firma mit 80 Mitarbeitern hat Insolvenz angemeldet. Nun beginnen die Verhandlungen über einen möglichen Investor. © Jan Stephan


Es gibt viele Dinge, mit denen man Pleite gehen kann, Steinbrüche gehörten sehr lange nicht dazu. Sie waren über Jahrhunderte hinweg eine sichere Bank, um Geld zu verdienen. Mal mehr, mal weniger, aber auf jeden Fall nie zu wenig, um den Abbau zu finanzieren. Das wirtschaftliche Umfeld der Branche ändert sich aber bereits seit ein, zwei Jahrzehnten. Der Preisdruck wird – unter anderem durch Konkurrenz aus China – immer größer und zudem hat man ein Problem mit dem Material, das die Steinregion berühmt gemacht hat: die Solnhofener Platten. Die legten sich schon die Römer vor fast 2 000 Jahren in ihre Thermen, und im 15. Jahrhundert wurde etwa die berühmte Hagia Sophia im heutigen Istanbul mit dem Stein aus dem Altmühltal eingedeckt.

Der hat auch bis heute seine Fans, nur drängen seit 2003 Imitate auf den Markt. Der teure Naturstein kann als günstiges Feinsteinzeug so nachge­bildet werden, dass selbst Fachleute Schwierigkeiten haben, den Unterschied zu erkennen. Und die Krise der Solnhofener Platten ist zumindest ei­ner der Gründe, warum nun bei einem der letzten großen Familienbetriebe in der Steinwelt des Altmühltals die Lichter auszugehen drohen. Nach Angaben des Prokuristen des Unternehmens, Ludwig Stiegler, habe man heute noch etwa ein Fünftel des Solnhofener-Kalkstein-Umsatzes im Vergleich zum Spitzenjahr 2001.

Trotz boomender Baukonjunktur und erheblicher Bemühungen seitens der Geschäftsleitung sei es nicht gelungen, die Auftragslage zu verbessern, heißt es in einer Pressemitteilung zu der Insolvenz. Der Trend zu günstigeren Imitat-Produkten sei nicht aufzuhalten gewesen. Bereits seit Längerem beobachtet man in der Branche einen Konzentrationsprozess, in dessen Folge kleine Familienunternehmen aus dem Markt verschwinden.

„Schwierig, aber nicht aussichtslos“

Diese Entwicklung hat nun ein Un­ternehmen getroffen, das mit seinen 80 Mitarbeitern im mittleren Bereich aufgestellt war. Es könnte das Ende einer langen Geschichte bedeuten. Seit dem Jahr 1761 steht der Name Stiegler für Natursteine aus den Brüchen des Altmühltals. Mittlerweile ist die achte Generation der Familie in der Geschäftsführung tätig. Die Entscheidung, die Insolvenz anzumelden, dürf­te man sich am Frauenberger Weg deswegen alles andere als leicht gemacht haben. Die Hoffnungen der Mitarbeiter dürften nun darauf liegen, dass der Betrieb weitergeht.

Eisner Rechtsanwälte wurde vom Gericht zwischenzeitlich zum Insolvenzverwalter bestellt. „Wir sind eine Kanzlei, die immer versucht, einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb sicherzustellen“, stellte auf Nachfrage unserer Zeitung Dr. Helmut Eisner fest. Im konkreten Fall bezeichnete er die Lage als „schwierig, aber nicht aussichtlos“. Zwar habe man am Wochenende bereits erste Gespräche geführt, aber sich noch kein seriöses Bild machen können, so der erfahrene Insolvenzverwalter. Eine Übernahme durch Konkurrenten aus der Region sei ein Szenario, das nicht auszuschließen sei, so der Anwalt auf Nachfrage.

Bereits am 31. Oktober erfuhren die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung von der jüngsten Entwicklung. Hier konnte man den Beschäftigten in Aussicht stellen, dass die offenen Löh­ne für Oktober 2018 voraussichtlich zeitnah über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung ausgezahlt werden könnten.

Das Solnhofener Unternehmen hat Brüche in Solnhofen und in Rothenstein betrieben. Neben der Förderung des Solnhofener Kalksteins kam in den 1960er-Jahren noch der Jura Kalkstein als Geschäftszweig hinzu. Zudem handelt man mit keramischen Platten und Natursteinimporten.     
 

  

Jan Stephan

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