Montag, 24.09.2018

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SUP-Brett-Entwicklung am Brombachsee

Rolf Gsänger und Oliver Röhrl wollen das Sportgerät international vermarkten - 27.07.2018 09:45 Uhr

Extremer Belastungstest: Um zu beweisen, wie stabil die aufblasbaren Da-Vinci-Boards aus Enderndorf sind, ließ man bei den Testfahrten in Asien kurzerhand einen Elefanten die Trittprobe machen. © Da-Vinci-Boards


Hinter dem Projekt stecken eine ganze Reihe von Personen, ganz vorne mit dabei ist aber einer, den man am Brombachsee in Sachen Wassersport kennt wie keinen zweiten: Rolf Gsänger. Der inzwischen 70-Jährige hat sich seinen Einheimischen-Spitzname „Surf-Sepp“ in den vergangenen paar Jahrzehnten redlich verdient. Er gilt als einer der Pioniere des Wassersports im Seenland und ist stets nah dran, wenn sich neue Dinge im Markt tun. Deshalb war er auch einer der Ersten, der das Stand-Up-Paddling in der Region etablierte. In den vergangenen Jahren stellte er am Brombachsee mit dem Lost Mills Race unter anderem ein internationales Weltcup-Rennen auf die Beine, zu dem die Weltspitze aus Tahiti, Australien und den USA anreiste.

Jetzt hat er zusammen mit langjährigen Weggefährten ein eigenes Board entwickelt, das die zweite Phase des Trendsports einläuten soll. Denn Stand-Up-Paddling ist nicht mehr nur etwas für braun gebrannte Surfer-Typen mit brettharten Bauch- und Schultermuskeln, sondern gilt als neue Gesundheitssportart. Eine Art Wandern auf dem Wasser, das nicht nur zur Entschleunigung beiträgt, sondern auch noch unerhört gesund sein soll. Weil es der Deutschen Volkskrankheit Nummer eins Abhilfe schaffen kann: den Rückenschmerzen. Zumindest dann, wenn man richtig paddelt.

Mit Erfolg, das Brett blieb ganz. Das war nicht zuletzt den letzten Tüfteleien in der südkoreanischen Firma geschuldet, wo man die in Enderndorf entwickelten Bretter nun produziert. © Da-Vinci-Boards


Um das zu gewährleisten, brauchte es nicht nur die richtige Technik, sondern auch das richtige Board mit dem richtigen Paddel. Und genau das glaubt Gsänger entworfen zu haben. Die Länge des Paddels muss genau auf die Körperlänge abgestimmt sein, um ein aufrechtes Paddeln in Achterbewegungen zu ermöglichen, dass nicht den Rücken strapaziert, sondern dessen Muskulatur aufbaut. Für diesen „Goldenen Schnitt des SUP-Sports“ hat man sich Da Vinci und seinen weltbekannten Vitruvian-Menschen als Symbol und Marke geliehen. Wohl eher ein Marketinggag als eine echte Rückbesinnung auf die Erkenntnisse des großen Renaissance-Menschen. Fakt ist, dass Sportmediziner wiederholt darauf hingewiesen haben, dass das SUP sehr effizient die tiefe Rü­ckenmuskulatur trainieren kann, die besonders wichtig für die Stabilität des Rückgrats ist.

In Enderndorf konstruierte Gsänger zusammen mit dem Bootsbauer Ernstfried Prade und seinem Partner Oliver Röhrl am Computer die ersten digitalen Prototypen ihres Da-Vinci Boards. Anschließend wurden Boards aus Holz gefertigt und in Testbecken auf ihre Tauglichkeit geprüft. Erst mit den fertigen Konstruktionszeichnungen suchte man den Kontakt zur südko­reanischen Firma Woosung, die alle bekannten und hochwertigen Markenboards produziert. Mit dem korea­nischen Team von Ingenieuren und Technikern wurden die Boards noch mal im Detail überarbeitet.

In Enderndorf konstruiert und getestet: Die Da-Vinci-Boards haben ihre gedankliche Heimat in Enderndorf, wo Rolf Gsänger (li.) und Oliver Röhrl ihre Ideen im Detail ausarbeiteten. © Da-Vinci-Boards


Zehn Tage lang tüftelte man intensiv an Materialien, Kleber oder der Steifheit des Bretts. Das Ergebnis: zwölf verschiedene Boards, die man anschließend auf große Tour nahm, um sie im Mekong-Delta intensiv zu tes­ten. Diese Erkenntnisse flossen noch mal ein, bevor man die erste 500er-Auflage in Südkorea fertigen ließ. Inzwischen ist die bereits zur Hälfte über den Ladentisch gegangen. Und zwar an Plätzen, wo nicht gar so oft Produkte „Designed in Enderndorf“ hinfinden. Die Da-Vinci-Boards haben inzwischen eigene Vertretungen und Shops in Vietnam, Kambodscha, Laos, Moskau oder Mallorca, erzählt Rolf Gsänger. „Das läuft gut an. Wir sind schon dabei, die nächsten 500 zu bestellen.“

Besonders machen die Bretter auch die zweite Luftkammer und der besondere Materialmix. Die zusätzliche Kammer, die man laut Gsänger als erster Hersteller überhaupt entwickelte, sorgt dafür, dass man nicht absäuft, auch wenn die Außenhaut des Boards einmal verletzt werden sollte. Das besondere Material sowie dessen Verbund bringen eine neue Steifheit, die für ein aufblasbares Board neu ist, so der 70-Jährige.

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Im Ergebnis habe man nun ein hochwertiges Brett für den gesundheitsbewussten Breitensportler auf den Markt gebracht. Eines, mit dem man im Übrigen auch Kajak fahren und dank eingebauter Segelbefestigung auch Windsurfen kann. Wer die neuen Bretter testen will, hat dazu am SUP-Center in Enderndorf die Gelegenheit. Und natürlich in Vietnam, Kambodscha, Laos, Moskau oder Mallorca. 

Jan Stephan

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