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Turnier hat begonnen - Protest geht weiter

Mittelfränkische Schachmeisterschaften in Weißenburg sorgen für Wirbel - 03.04.2012 08:43 Uhr

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Videoumfrage: Sind die Regelungen an stillen Feiertagen noch zeitgemäß?

Tanzverbot und andere Beschränkungen führen immer wieder zu Diskussionen über die Handhabung der stillen Feiertage. Sollte man diesbezüglich die Regelungen großzügiger auslegen? Matthias Heerlein und Mirjam Zylka für nordbayern.de


So viel Aufsehen hat eine Mittelfränkische Schachmeisterschaft wohl noch nie bekommen. Überregional sorgte das Karfreitags-Spielverbot für Schlagzeilen, und im Internet streiten sich Befürworter und Gegner heftig. Die Linksjugend hat die Probleme rund um das Schachturnier zum Anlass genommen, gegen das Feiertagsgesetz zu demonstrieren. Mit Schachbrettern und Schachfiguren sollen sich die Bürger der Stadt am Karfreitag von 15 bis 17 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz treffen, um das Fei­ertagsgesetz „Schachmatt zu setzen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Linksjugend.

„Von einer toleranten Kirche erwarten wir mehr. Schach hat nichts mit Krach und Remmidemmi zu tun“, schreibt Victor Rother, der Sprecher der Linksjugend. Das Schachturnier am Karfreitag nicht zuzulassen, sei eine „Nichtrespektierung der Bedürfnisse von Nichtchristen und Schachbegeisterten“.

Ausdrücklich kritisiert Rother die „klare Verfehlung seitens der Stadtverwaltung mit OB Schröppel an ihrer Spitze“. Schröppel hatte die Entscheidung, ob am Karfreitag im Wildbadsaal gespielt werden darf, den Kirchen überlassen. „Wir wollen wissen, warum ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister entgegen dem Geist der Vernunft und der Aufklärung den kirchlichen Institutionen so viel Macht zugesteht“, fragt Victor Rother.

Die Anmeldung der Kundgebung ging am Montag im Landratsamt ein. Aus der Behörde hieß es, dass der Antrag geprüft und mit der Stadt sowie der Polizei besprochen werde. Die Chancen auf eine Genehmigung stehen offensichtlich gut. „Der Karfreitag ist nichts, was der Versammlungsfreiheit entgegensteht“, sagte der zuständige Mitarbeiter der Behörde. Wenn zwei grundgesetzlich geschützte Bereiche kollidieren, wie die Versammlungsfreiheit und das Recht auf ungestörte Religionsausübung, werde versucht, diese in Einklang zu bringen. Die Linksjugend schreibt in ihrer Pressemitteilung, dass sie bei der Kundgebung auf „Stille und Konzent­ration bei einer guten Partie Schach“ setzt. Man sei der Meinung, dass Schachspiel und Gottesdienste prob­lemlos ungestört am gleichen Tag durchgeführt werden könnten.

Während die Diskussionen am Montag weitergingen, verloren sich die gerade einmal 29 Teilnehmer der diesjährigen Mittelfränkischen Meisterschaften in der Weite des Wildbad­saals. Noch im vergangenen Jahr saßen bei dem Schachkongress noch rund 100 Spieler an den Brettern. Wie erwartet, lässt auch die Qualität des Turniers zu wünschen übrig. Fast alle Topspieler fehlen. Kein FIDE-Titelträger, kein Bundesligaspieler . . . Weil der Karfreitag als Spieltag ausfällt, mussten das Turnier um zwei Runden verkürzt und in einem anderen System gespielt werden. Das hatte den Unmut vieler arrivierter Spitzenspieler aus­gelöst, die zum Teil zu einem Boykott des Turniers in Weißenburg aufriefen.

Saisoneröffnung am Feiertag

Auch in CSU- und damit kirchen­nahen Kreisen wird das Karfreitags-Spielverbot unterschiedlich diskutiert. In einer von ihm selbst initiierten Facebook-Abstimmung bekannte Klaus Drotziger, der Vorsitzende des Weißenburger CSU-Stadtverbandes, dass er kein Problem mit einer Schachmeisterschaft am Karfreitag habe. Das sahen auch die CSU-Ortsverbände aus Flachslanden, Lichtenau und Deining so. Anderer Meinung ist etwa der Weißenburger CSU-Stadtrat Artur Auernhammer.

Dass bei der Durchsetzung des Feiertagsgesetzes eine klare Linie fehlt, dazu muss man nicht weit schauen. Im Ingolstädter Stadtteil Friedrichshofen veranstaltet der dortige Schachverein seit Jahren ein „Karfreitags-Blitz-Turnier“. Und im Landkreis? Da lädt die MS Brombachsee zur „Feier“ der Saisoneröffnung zu einer Schiffsfahrt ein – am Kar­freitag. 

Jan Stephan

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