Freitag, 22.02.2019

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Weißenburger Stadtschreiber auf Themensuche

Erste Lesung von Franzobel kam gut an - 07.02.2017 06:00 Uhr

Unaufgeregt und mit viel skurrilem Humor: Als Stadtschreiber wird sich Franz Stefan Griebl alias Franzobel mit der Weißenburger Geschichte befassen und ein Stück speziell fürs Bergwaldtheater schreiben. © Theisen


Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel begrüßte Franzobel im Söller und freute sich auf den ers­ten literarischen Auftritt des Mannes, der von Ende Mai bis August als erster Stadtschreiber in Altmühlfranken wohnen und ein Stück für das Bergwaldtheater schreiben wird. Paul Theisen, der Leiter der Stadtbibliothek, stellte sich als „Kümmerer“ für den Stadtschreiber vor und bat alle Bürger, die thematische Anregungen haben, sich bei ihm zu melden. „Ich bin ein Stück weit von dem abhängig, was Sie mir erzählen“, ermunterte auch Franzobel die Weißenburger, sich an der Themensuche zu beteiligen.

Mathias Meyer freute sich im Na­men der Initiatoren, dass der Stadtschreiber nun spätestens mit Franzobels Antrittslesung Realität geworden ist. Das Projekt sei im Grunde eine „Schnapsidee“ gewesen, so Meyer. Ausgebrütet in kleinem Kreis, in zahlreichen informellen Sitzungen weiterentwickelt, gewann es Ende vergan­genen Jahres große Dynamik. Zunächst erklärte sich die Wilhelm und Christine Hirschmann Stiftung aus Treuchtlingen bereit, das Projekt als Sponsor zu finanzieren und dann sagte die Stadt Weißenburg als Träger zu.

Autor aus der „Champions League“

„Wir haben uns dann bei der Suche nach dem Autor gedacht: Fangen wir gleich mal in der Champions League an“, erzählte Meyer und verwies auf Franzobel. „Jetzt haben wir die Champions League.“ Franz Stefan Griebl, wie Franzobel tatsächlich heißt, ist einer der bekanntesten österreichischen Schriftsteller. Er hat den Ingeborg-Bachmann-Preis, die Bert-Brecht-Medaille, den Arthur-Schnitzler-Preis und den Nestroy-Theaterpreis gewonnen. 2005 stand er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.

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Seine Theaterstücke wurden bereits in Mexiko, Argentinien, Chile, Dänemark, Frankreich, Polen, Rumänien, der Ukraine, Italien, Russland oder den USA gezeigt und in insgesamt 23 Sprachen übersetzt.
Nachdem die Mail an die Kandidaten raus war, dauerte es nicht lange und Franzobel meldete sich zurück. „Ich freue mich auf einen Sommer in Altmühlfranken“, schrieb er und bald war er schon in Weißenburg zur Vertragsunterschrift. „Ich habe schon mal vor Jahren für eine Freilichtbühne, mit Laienschauspielern, ein regionaltypisches Stück geschrieben“, erklärte Franzobel. „Das hat etwas sehr Erdiges, etwas sehr Schönes. Das gefällt mir. Das war der Grund, warum ich hier zugesagt habe.“

Es gehe nun darum, eine spannende Zeit für das Stück zu finden. „Von der Nazizeit hab’ ich ein bisschen die Nase voll“, stellte er in seinem warmen Österreichisch fest. Das Thema sei umfassend bearbeitet. „Im Moment kann ich mir aber gut vorstellen, dass die Zeit nach 1945 sehr interessant ist, als hier 6 000 Flüchtlinge nach Weißenburg kamen.“ Aus dieser Zeit dürften auch noch viele Menschen leben, die ihre Geschichten erzählen können. Er sei aber thematisch noch nicht ­festgelegt und für alle Anregungen offen.

Franzobel präsentierte sich bei seiner Antrittslesung als sympathischer, unaufgeregter und bodenständiger Autor. Kein Künstler aus dem Elfenbeinturm, sondern einer, der will, dass seine Arbeit möglichst viele Menschen bewegt. Aber auch einer, der sich selbst als Querdenker sieht und Spaß daran hat, den Dingen mit seinem skurrilen Sinn für Humor auf den Grund zu gehen. Eine Menge reizvoller Zutaten für ein Weißenburger Theaterstück, auf das man sich freuen darf. 2018 soll es im Bergwaldtheater gespielt werden. 

Jan Stephan

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