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Windpark im Raitenbucher Forst: Elf Anlagen laufen im Testbetrieb

Virtuelle Besichtigungsmöglichkeit fand reges Interesse - 29.07.2017 06:00 Uhr

Virtueller Aufstieg: Da ein Hochfahren oder Hochsteigen in die Turbinenhäuser der Windkraftanlagen nicht möglich war, gewährte die Firma „Ostwind“ mittels 3-D-Brillen Einblicke ins Innere der Anlagen . . . © Norbert Dengler


Wer sich allerdings von der drei­stelligen Besucherzahl eine Fahrt mit dem Aufzug im Windrad erhofft hatte, wurde enttäuscht. Wie Projektleiterin Nadine Kunze erläuterte, ist das aus unfallversicherungsrechtlichen Gründen nicht möglich. Zum einen passen in den Aufzugskorb nur zwei Personen, zum anderen muss bei der Fahrt der Betrieb des Windrades eingestellt werden. Außerdem dürfen den Korb und auch die Leiter nur geschulte Personen nutzen, die für diesen Zweck im jährlichen Turnus eine Unterweisung mit Erste-Hilfe-Kurs und einem Höhensicherheitstraining sowie eine Höhentauglichkeitsprüfung erhalten. Die Auffahrt mit dem Aufzug dauert rund acht Minuten – auf der Leiter sind geübte Personen etwa eine halbe Stunde unterwegs. Das allein würde schon alle Kapazitäten sprengen.

. . . und beantwortete die Fragen der Besucher. Die Inbetriebnahme aller 16 Anlagen ist für Mitte Oktober geplant. © Norbert Dengler


Hartnäckige Besucher konnten sich trotzdem einen Eindruck vom Innenraum des Turms verschaffen, indem sie mit beeindruckenden 360-Grad-Video-Brillen den Aufstieg bis in die oberste Ebene nachverfolgen konnten. Christoph Markl-Meider, der Leiter der Unternehmenskommunikation, kündigte an, dass das gesamte Vor­haben – von der Rodung bis zur Inbetriebnahme – einschließlich Luftaufnahmen filmisch begleitet und gezeigt wird.

Diverse Hürden

Für die projekt- und ausführende „Ostwind GmbH“, einer Tochter des Bauunternehmens Max Bögl, war die Planung und Errichtung der Anlagen ein langer und oftmals steiniger Weg. Änderung des Regionalplanes, mehrmalige Änderungen und Ergänzungen sowie die Beachtung der artenschutzrechtlichen Vorgaben und des landschaftspflegerischen Begleitplanes und der Denkmalschutz (Hünengräber und Limesüberquerung mit den Stromleitungen) waren nur einige Punkte, auf die die kompetenten Mitarbeiter der Ostwind bei der Führung verwiesen.

Einfacher waren die üblichen Gutachten zu Schall, Schlagschatten und Eiswurf. Raitenbuchs Bürgermeister Josef Dengler, der mit seinem Gemeinderat die erste Besuchergruppe stellte, ergänzte, dass gerade die Entfernung von rund zwei Kilometern zur Wohnbebauung ein Grund für die stets positive Begleitung des Vorhabens war.

Trotz aller Hürden war Ostwind mit der Umsetzung sehr zufrieden. Das gilt für die Einhaltung des Bauzeitenplanes ebenso wie für die Qualität der beteiligen leistungsstarken (auch regionalen) Firmen und für die Zusammenarbeit mit der Eichstätter Polizei bei der Anlieferung der überdimensionierten Einzelteile. Da waren schon mal Eingriffe in den Straßenverkehr, wie der Abbau von Verkehrsschildern oder der Umbau eines Kreisverkehrs bei Rapperszell (bei Eichstätt), erforderlich.

Aufgrund der im Regionalplan vorgeschriebenen Höhenbeschränkung sind die Getriebeanlagen des Typs Nordex 131 mit einer Nennleistung von 3,3 Megawatt maximal 199,7 Meter hoch. Die Nabenhöhe liegt bei 134 Metern. Die Windkraftanlagen stehen auf einem Fundament, das nur drei Meter tief ist. An einem einzigen Tag wurden dafür über 600 Kubik­meter Beton angefahren. Alleine im Fundament sind 72 Tonnen Stahl verbaut. Der Turmaufbau erfolgt im unteren Teil durch Stahlbetonhalb- und -rundschalen, ehe im höheren Teil Stahlteile folgen. Die Stabilität erhalten die Teile durch Stahlspannseile, mit denen der Aufbau mit dem Fundament verbunden ist.

Ein Windrad steht auf einem Waldgrundstück der Stadt Weißenburg, die anderen 15 auf Flächen der Bayerischen Staatsforsten, die mit 800 000 Hektar größter Waldbesitzer in Bayern sind. „Uns war von Anfang an klar, dass wir Flächen zur Verfügung stellen. Wir sehen das als unseren Beitrag zur Energiewende“, sagte Ernst Geyer, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Kipfenberg. Voraussetzung sei gewesen, dass die Anlagen direkt am vorhandenen Wegenetz entstehen, um so den Anteil an Rodungsflächen zu minimieren. „Und das“, so Geyer, „ist uns ganz gut gelungen.“

Aufwendiger Ausgleich

Im Übrigen schlagen die natur­schutzrechtli­chen Ausgleichsmaßnahmen für den vermutlich auf lange Zeit größten Waldwindpark in Bayern mit einem hohen sechsstelligen Betrag zu Buche. Auch bei der Rekultivierung der Kranstellflächen wollen die Bayerischen Staatsforsten durch seltene Sträucher und Pflanzen mit der Möglichkeit zur Samengewinnung auf eine weitere naturschutzrechtliche Aufwertung hinarbeiten.

Aktuell laufen die Windräder, die in das eigens dafür gebaute Umspannwerk bei den Kaldorfer Marmorwerken einspeisen, im Probebetrieb. Für Mitte Oktober 2017 ist die offizielle Inbetriebnahme angekündigt. 

Norbert Dengler

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