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Angesichts dessen befürchten vor allem Bewohner des Burgsalacher Ortsteiles Indernbuch weitere massive Belastungen. Schon jetzt drehen sich südlich und westlich des 225-Seelen-Ortes sieben Rotoren. Nun sollen weitere sechs Anlagen mit einer Höhe von bis zu 185 Metern hinzukommen – jedoch nicht auf Gemeindegrund.
Das bringt auch Bürgermeister Friedrich Amler, der bislang der Windkraft vor der Haustüre positiv gegenüberstand, in Rage. „Das ist zuviel“, wettert er gegen die Pläne der Nachbargemeinden, gegen die er allerdings kaum Handhabe hat. Die Stadtwerke Weißenburg haben auf dem Höhenberg die Fundamente für zwei 180 Meter hohe Anlagen mittlerweile fertiggestellt. Zudem sollen im Westen Indernbuchs weitere vier Bürgerwindräder und von Investoren finanzierte Anlagen mit bis zu 185 Metern Höhe errichtet werden.
Lärm, Discoeffekt und rote Blinklichter in der Nacht setzen schon jetzt vielen Indernbuchern zu, eine weitere Konzentration der Windkraft vor ihrer Haustüre wollen sie nicht hinnehmen. „Bei bestimmtem Sonnenstand müssen wir schon jetzt die Jalousien herunterlassen, damit man durch den Schattenwurf der Rotoren nicht gestört wird“, bilanziert Josef Pröpster. Der Verkauf von Baugrundstücken und Häusern sei schon jetzt „eigentlich nicht mehr möglich.“
Angesichts der Planungen und Investoren-Anfragen in den Gemeinden hat sich die Jura-Interessengemeinschaft der fünf Bürgerinitiativen an die Bürgermeister und Kommunalparlamente gewandt, um eine unkontrollierte Entwicklung der Windkraft zu verhindern. „Leidtragende sind immer wir Bürger“, betont Margit Würth. Deshalb sollen die Gemeinden die Windkraftpläne überdenken und stoppen. Die Interessengemeinschaft regt dagegen eine interkommunale Zusammenarbeit (siehe weiteren Bericht) an. Die Anlagen könnten dann als Windpark im Staatsforst oder auf Gemeindegebiet im Raitenbucher Forst errichtet werden. „Damit wäre dem gesamten Jura geholfen“.
Doch derzeit sieht es nicht danach aus, dass die vier Jura-Gemeinden nebst Ettenstatt und Weißenburg ihre Pläne ad acta legen. Im Gegenteil: Vor allem auf dem Jura scheinen die Verantwortlichen der Empfehlung des einstigen Umweltministers Markus Söder zu folgen, die Anlagen nahe an den Gemeindegrenzen zu planen. Den Lärm und Schattenwurf müssen dann eventuell die Nachbarorte tragen, während die mögliche Gewerbesteuer in eine andere Richtung fließt.
Wer zuerst kommt, ist zudem fein raus, denn neue Anlagen dürfen schon stehende Rotoren nicht beeinträchtigen. Deswegen müssen gewisse Abstände eingehalten werden, die wiederum mögliche andere Standorte der Nachbargemeinde zunichte machen können.
Nicht zuletzt deshalb versuchen sich diverse Investoren mögliche Grundstücke zu sichern. Bei der Marktgemeinde Nennslingen sind Voranfragen für zwei Flächen fast genau auf halber Strecke Richtung Raitenbuch eingegangen und Bürgermeister Günter Obermeyer ist sich nahezu sicher, dass heuer bezüglich Bauanträgen „was kommen wird“. Zwei Anlagen sind nach den neuen Vorgaben aus München auch außerhalb der bisherigen Festsetzungen des Regionalplanes und ohne aufwendige Bauleitplanung genehmigungsfähig, der Bau von Windrädern ist zudem generell privilegiert.
Für Obermeyers Kollegen Josef Dengler sind für Raitenbuch mögliche Standorte Richtung Nennslingen „ausgeschlossen“. Die Gemeinde habe genügend andere Standorte – etwa im eigenen Forst. „Mich stört die Verschandelung unserer Landschaft“, sagt Dengler nicht nur mit Blick auf die Nennslinger Pläne. Seiner Ansicht nach wäre eine interkommunale Zusammenarbeit die beste Lösung.
„Die Jura-Gemeinden kämpfen in diesem Bereich jede für sich“, ist Hubert Schweinesbein überzeugt. Der Kaltenbucher versucht seit Langem weitere Windräder auf dem Jura zu verhindern und sieht die derzeitige politisch gewollte Entwicklung mit großer Sorge. Um einen „Wildwuchs“ und damit eine weitere Beeinträchtigung der Bürger und der Jura-Landschaft zu verhindern, appelliert er an die Rathaus-Chefs: „Raufts Euch bitte zusammen“.