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Die rund 500 Sozialdemokraten im Kreisverband bilden nach der CSU die politische Kraft im Landkreis mit den zweitmeisten Mitgliedern. 17 Jahre steht die Landtagsabgeordnete Christa Naaß inzwischen an der Spitze des sozialdemokratischen Kreisverbands. Die nunmehr 57-jährige Haundorferin hatte be-
reits vor zwei Jahren angekündigt, den Kreisvorsitz 2012 abgeben zu wollen, um eine Verjüngung der SPD-Spitze zu erreichen.
Dösel, einer der vier stellvertretenden Kreisvorsitzenden, galt in SPD-Kreisen schon länger als ihr Wunschnachfolger. Doch lange Zeit wurde parteiintern auch der Name Uwe Döbler gehandelt. Beide sind derzeit Stellvertreter von Naaß (die anderen beiden Stellvertreterinnen sind Regina Birke-Zimmermann aus Gunzenhausen und Ute Grimm aus Solnhofen).
Im Gegensatz zu Harald Dösel hätte Uwe Döbler als Fraktionsvorsitzender im Kreistag eine Funktion vorweisen können, die ihm bereits einen öffentlichen Bekanntheitsgrad als SPD-Mann beschert hatte. Dösel hingegen ist vor allem durch sein Engagement im Landkreisbündnis gegen rechts, bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und seine Tätigkeit als Musiker in Erscheinung getreten – dem Kreistag oder dem Stadtrat gehört er nicht an. Doch bekanntlich hat Döbler nach seiner Niederlage bei der Landratswahl die überörtlichen Aufgaben in der SPD hingeworfen.
Damit war aus dem Rennen der beiden Stellvertreter ein Alleingang geworden. Dösel hatte sich bis dahin ein wenig geziert, weil ein Vorrücken in die erste Reihe der Kreispolitik bedeutet, dass er sein Engagement in anderen ehrenamtlichen Bereichen reduzieren muss.
Der im Nachbarlandkreis Roth geborene Lehrer ist derzeit an der Beruflichen Oberschule in Triesdorf tätig. Seine berufliche Laufbahn begann er nach dem Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Regensburg im Jahr 2001. Seit 2003 wohnt er im Landkreis. Zunächst war er an der Senefelder-Schule in Treuchtlingen tätig. 2007 wechselte er dann an die FOS/BOS Triesdorf im Nachbarlandkreis Ansbach.
Dösel, der seit 1998 Mitglied der SPD ist, sieht sich selbst als engagierten Sozialdemokraten mit starken gewerkschaftlichen Wurzeln, heißt es in einer Pressemitteilung des SPD-Kreisvorstandes. Der Weißenburger ist Mitglied im Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und ist seit 2006 für die SPD im Landkreis aktiv. Im vergangenen Jahr wurde er auch in den Vorstand der mittelfränkischen SPD gewählt.
Seinen klaren politischen Schwerpunkt hat Harald Dösel bislang in der Bildung gesetzt. Er hat sich vielfach für „ein sozial gerechtes Schulsystem ohne Auslesedruck in der vierten Jahrgangsstufe“ ausgesprochen. Deshalb unterstützt er auch das SPD-Modell der Gemeinschaftsschule. Darüber hinaus ist er als einer der Sprecher des Landkreisbündnisses gegen rechts seit langem im Kampf gegen Neonazis und Rassismus engagiert.
Sollten die Delegierten im April der Empfehlung des Kreisvorstandes folgen (wovon auszugehen ist), übernimmt der Weißenburger die Kreis-SPD in einer gesunden Phase. Sechs ihrer Bürgermeisterkandidaten haben sich bei der Kommunalwahl 2008 durchgesetzt – unter anderem in Weißenburg, Gunzenhausen und Treuchtlingen. Außerdem hat die CSU keine absolute Mehrheit im Kreistag, und das politische Miteinander in Weißenburg-Gunzenhausen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. So viele Gestaltungsmöglichkeiten hatte die SPD im Landkreis schon lange nicht mehr.
„Für die Zukunft wünscht sich der Weißenburger weiterhin eine inhaltlich und personell starke Kreis-SPD, die es – wie in der Vergangenheit – versteht, wichtige Themen aufzugreifen und dabei bundes- wie landespolitische Entwicklungen mit kommunalen Problemstellungen zu vernetzen“, heißt es in der Pressemitteilung der SPD. Dösel habe auf die überall im Landkreis notwendigen Investitionen in öffentliche Einrichtungen hingewiesen und die angekündigte Sparpolitik der CSU/FDP-Landesregierung scharf kritisiert. Bei den wichtigen Projekten, wie etwa der Sanierung der Mittelschule Weißenburg und der Senefelder-Schule Treuchtlingen, handele es sich nicht etwa um Luxusprojekte, so Dösel, sondern um ureigene und daher nicht verhandelbare Aufgaben von Städten, Gemeinden und des Landkreises.
Zur Frage, wer seine vier Stellvertreter werden sollen, will sich der SPD-Kreisvorstand aktuell noch nicht äußern. „Da laufen noch Gespräche“, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung. Klar ist, dass zumindest für Harald Dösel und Uwe Döbler zwei neue Kandidaten gebraucht werden. Christa Naaß selbst will sich aus dem Kreisvorstand ganz zurückziehen, steht aber bei Bedarf natürlich beratend zur Verfügung.