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Die Schlange der Gratulanten erstreckte sich weit ins Foyer des Kulturzentrums Karmeliterkirche. Wer Gerhard Wägemann am Samstagvormittag persönlich die Hand schütteln wollte, musste ein wenig Geduld mitbringen. Denn der Landrat ließ es sich auch nicht nehmen, mit jedem Gratulanten ein paar persönliche Worte zu wechseln. Für Kurzweil in dieser Zeit und auch später sorgten die Bigband des Weißenburger Gymnasiums, ein Ensemble des Gunzenhausener Gymnasiums und ein Dudelsackspieler. Für die Dudelsackmusik hat Wägemann seit einem Aufenthalt in Schottland eine Leidenschaft.
In der Karmeliterkirche war der Landrat omnipräsent. Überall gab es Aufsteller und Fahnen, die sein stilisiertes Konterfei im Altmühlfranken-Design zeigten. Ein Beamer warf eine Präsentation mit Bildern aus seinem Leben und Glückwunschschreiben zum runden Geburtstag an die Wand.
Wägemanns Stellvertreter Robert Westphal übernahm es, den Besuchern in der Karmeliterkirche einen Einblick in die „sechs erfüllten Jahrzehnte“ von Gerhard Wägemanns bisherigem Leben zu geben (wir berichteten). Er mischte dabei biografische Daten und persönliche Einschätzungen. Als Landtagsabgeordnter habe Wägemann „zielorientiert und einsatzfreudig“ gearbeitet und dabei „fachkundig und gewissenhaft“ die teilweise doch sehr „unterschiedlichen Interessen im Stimmkreis“ vertreten, sagte Westphal.
Der 60-Jährige genieße hohes Ansehen und hohe Wertschätzung“ lobte Westphal. Das habe damit zu tun, dass Wägemann einer sei, der „die Sorgen der Menschen erst nimmt“. Trotz aller politischen Erfolge sei er „bodenständig geblieben“ und stehe seiner Familie und seinen Freunden stets als Ratgeber zur Verfügung.
Einen unfreiwilligen Lacher erntete Westphal, als er die Hochzeit von Cristine und Gerhard Wägemann im Jahr 1981 erwähnte. „Das war für ihn ein echter Glücksfall.“
Joachim Herrmann, der auch im Namen der Bayerischen Staatsregierung gratulierte, erinnerte an Gerhard Wägemanns Schnellstart als Politneuling im Landtag im Jahr 2003. „Du warst vom ersten Tag an voll präsent und hast Dich mit unüberhörbaren Beiträgen zu Wort gemeldet.“ Der mittelfränkische CSU-Vorsitzende blickte auch zurück auf die Zeit nach dem Tod von Franz Xaver Uhl im August 2011. Herrmann war im Urlaub auf Rhodos und führte mehrere „lange Telefonate“ mit Gerhard Wägemann. Denn für ihn sei klar gewesen: „Es gibt nur einen, der als Nachfolger von Franz Xaver Uhl geeignet ist und der sicher die Zustimmung der Bürger bekommt.“ Die Wahl im November 2011, bei der Wägemann trotz dreier Gegenkandidaten im ersten Wahlgang über 51 Prozent der Stimmen erhielt, zeigte, dass die Einschätzung richtig war.
„Du bist ein verlässlicher Mensch und ein ehrlicher Kerl“, lobte der Innenminister. Das sei in der Politik, auch unter Parteifreunden nicht immer so. Doch Gerhard Wägemann habe einen klaren Standpunkt und vertrete diesen auch offen und mit dem gegebenen Respekt vor dem Engagement anderer. Seit seiner Wahl zum Landrat sei Wägemann „mit Volldampf unterwegs“. Schlaglichtartig ging Herrmann auf den Kunststoffcampus in Weißenburg, auf den Ausbau der B 2, die Forderung nach der B 131 neu sowie den Tourismus als große Zukunftschance ein.
Dritter und letzter Grußwortredner war Dr. Jakob Kreidl, der Präsident des Bayerischen Landkreistages. Auch mit ihm verbindet den Weißenburger eine lange Freundschaft. Die beiden waren nämlich WG-Kumpels. Als Landtagsabgeordnete teilten sie sich in München eine Wohnung. Kreidl lobte seinen Kollegen als jemanden, der alle Eigenschaften mitbringe, die ein Politiker haben müsse. Nämlich: Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß. Und er dröselte den Namen Gerhard auf in geradlinig, erfolgreich, realitätsbewusst, Herzensgüte, Ausdauer, radbegeistert und demütig.
Wägemann selbst zeigte sich „überwältigt von der Zahl der Gratulanten“. Er bedankte sich bei allen, die die Feier organisiert und realisiert haben. Weil er keine Einladungen verschickt hat, sondern bewusst einen für alle Bürger offenen Empfang wollte, war die Planung natürlich sehr schwierig. Auf jeden Fall musste keiner der Gäste durstig oder hungrig heimgehen. Lobend erwähnte der Jubilar die DJK Weißenburg und den Oberhochstatter Carnevalsverein, die wegen seines Empfangs den Stadtball verschoben hatten.
Ausdrücklich bedankte er sich bei seiner Familie und meinte damit nicht nur seine Ehefrau und seine Tochter, sondern auch seine inzwischen verstorbenen Eltern. „Ohne diesen Rückhalt aus der Familie wäre manches nicht möglich gewesen.“ Wägemann erinnerte auch an seinen Bruder und an seinen Amtsvorgänger und Freund Franz Xaver Uhl, denen es beiden nicht vergönnt war, ihren 60. Geburtstag zu erleben. Da versagte ihm fast die Stimme.
Die vielen lobenden Worte seien „doch sehr geschmeichelt und übertrieben“ gewesen, merkte der Landrat an, schob aber verschmitzt hinterher: „Das war schon sehr angenehm.“ Mit der 60 habe er keine Probleme, versicherte der Jubilar. Er werde so weitermachen wie bisher. Nach dem großen öffentlichen Empfang gab es am Abend für Gerhard Wägemann noch eine Geburtstagsfeier mit Familie und Freunden.
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