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Dass es im Winter auch mal kalt wird, ist eine Binsenweisheit. Allerdings eine, die man im November und Dezember des vergangenen Jahres leicht vergessen konnte. Nun ist es gleich derart kalt geworden, dass manches Thermometer den Geist aufgibt. Dieses Problem hat der Deutsche Wetterdienst in seiner Weißenburger Außenstelle nicht. 24,6 Grad minus zeigten die Messgeräte in der Nacht von Sonntag auf Montag fünf Zentimeter über dem Boden. In zwei Metern Höhe waren es dann „nur“ noch 21,6 Grad.
Für Alfred Graf vom Wetterdienst kein Grund zur Aufregung. „Dass es so kalt wird, kommt immer wieder mal vor“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. „Dass er allerdings vier Tage hintereinander so eisig ist, ist selten.“ Graf allerdings verspricht baldige Besserung. Für die Nacht zum heutigen Dienstag sagte er gestern noch mal knackige Minustemperaturen voraus, dann aber sollen sich die Temperaturen nachts auf um die zehn Grad minus und tagsüber auf etwa fünf Grad minus einpendeln. Heute könnte allerdings ein wenig Neuschnee auf das Weißenburger Land fallen. „Ein, zwei Zentimeter könnte es geben“, schätzt Graf.
Der Temperaturrekord übrigens war nicht gefährdet. Er datiert aus dem Jahr 1956, als es mit 34 Grad minus am Boden noch fast zehn Grad kälter war als die vergangenen Nächte.
Allerdings haben die beiden Nächte gereicht, um manchem Autofahrer den Start in den Tag zu verderben. Vor allem ältere Fabrikate und Diesel-Fahrzeuge verweigerten wegen der zackigen Minusgrade die Arbeit. Dieter Hilpert vom gleichnamigen Autohaus in Dettenheim hatte deswegen gestern viel zu tun. Bis Mittag rückte er mit seinem Pannenhilfefahrzeug 15-mal aus. Normal sind drei Einsätze – am ganzen Tag. „Es war katastrophal“, stöhnte der Kfz-Meister daher am Telefon. Hilpert empfiehlt seinen Kunden derzeit die Zugabe eines Dieseladditivs. Das sorgt dafür, dass der Diesel nicht „versulzt“. Allerdings gibt es da offensichtlich Lieferschwierigkeiten. „Alle Zusätze sind momentan ausverkauft. Ich bekomme selbst keine mehr“, bedauert Hilpert.
Sein Kollege Kurt Luithle, Geschäftsführer des 1a-Autoservice in Weißenburg, rät allen Dieselfahrern, ihr Fahrzeug möglichst in einer geheizten Garage aufzutauen. Denn der derzeit verkaufte Diesel an den Tankstellen sei nur bis etwa minus 20 Grad winterfest. Selbst die in modernen Autos eingebauten Kraftstoffvorwärmer sind bei diesen arktischen Temperaturen Luithle zufolge überfordert.
In seiner Not griff mancher Arbeitnehmer am Morgen zum Telefonhörer und wählte die Nummer von Taxi-Fischer. Das Weißenburger Unternehmen kutschierte am Montag zahlreiche Fahrgäste zum Arbeitsplatz. Übrigens: Das Taxi kommt im Zweifelsfall auch, um Starthilfe zu leisten
Freud und Leid liegen derweil bei den Weißenburger Stadtwerken eng beieinander. Während der Gasverbrauch auf Rekordwerte klettert, reißt im Untergrund manche Wasserleitung. „Der Boden ist jetzt richtig durchgefroren und da kommt es dann auch zu Erdbewegungen, und die Leitungen können reißen“, erklärt Stadtwerksdirektor Peter Lang. Dreimal mussten die Techniker bereits gerissene Leitungen flicken – zuletzt am Samstag am Rennweg in Weißenburg. Keine einfache Arbeit, wie Lang betont. Der gefrorene Boden muss aufgegraben, das Leck gesucht und dann geflickt werden, und das knietief im Wasser.
Ob es bei den drei gerissenen Leitungen bleibt, Lang weiß es nicht: „Da steckt man nicht drin, das kann jederzeit passieren, auch jetzt im Moment.“ 3 000 bis 5 000 Euro kostet die Stadtwerke jede gerissene Leitung.
Viel Kundschaft hatten die vergangenen Tage auch die Kreiskliniken in Weißenburg und Gunzenhausen. Hier bewies sich wieder einmal die Formel: Glatteis gleich Knochenbruch. Die Klinik in Gunzenhausen, in der die meisten Brüche behandelt werden, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass derzeit viele solcher Verletzungen dort behandelt werden.
Also lieber zu Hause auf dem Sofa bleiben, denken sich da viele. Nur die Fußballspieler in der Region, die haben keine Wahl und müssen raus. In den vergangenen Tagen begann bei zahlreichen Vereinen die Vorbereitungsphase auf die Rückrunde. Da gab es dann Trainingseinheiten bei an die 20 Grad minus. Das ist richtig bekleidet zwar nicht gesundheitsgefährdend, aber ganz sicher saukalt.