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„Jungen Menschen Ausbildung und Arbeit geben“, dieses Ziel formulierte Ewald Kommer, der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks, bei der Vorstellung des Ergebnisberichts über die „Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen“ des letzten Jahres.Kommer ergänzte, dass das Bildungswerk seit 2004 im Auftrag der Arbeitsagentur die Maßnahmen in Weißenburg und Roth anbietet. Ziel sei, Jugendlichen, die „an vielen Ecken hängengeblieben sind“, zu helfen, eine Stelle zu finden.
Von 119 betreuten Jugendlichen in Weißenburg und 102 in Roth, die im Zeitraum vom September 2009 bis September 2010 eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme begonnen haben, sind nur knapp 30 Prozent aus dieser vorzeitig ausgeschieden, davon rund die Hälfte wegen Umzug oder Krankheit. Beim Rest handle es sich eindeutig um fehlende Motivation, deren Grund teilweise im Freundeskreis oder im sozialen Umfeld zu finden sei. Hier habe auch eine weiterführende Betreuung, teilweise zusammen mit den Eltern, keinen Erfolg gehabt.
Auch auf weitere Bildungsangebote ging Einrichtungsleiter Ralf Schmidt ein. So waren im Berichtszeitraum 40 Jugendliche in Weißenburg und 41 in Roth bei Beginn der Maßnahme ohne Hauptschulabschluss. Davon nahmen 31 in Weißenburg und zehn in Roth an einem zwölfwöchigen Crashkurs in Vollzeit zur Ablegung des Abschlusses teil, 23 in Weißenburg und acht in Roth konnten die Prüfung erfolgreich ablegen. Hier spiele vor allem die Gruppengröße eine Rolle: Bei etwa sieben Schülern auf eine Lehrkraft ist bei manchen Schulen auch Neid hinsichtlich des Erfolgs zu spüren.
Schmidt dankte den Hauptschulen in Hilpoltstein und Markt Berolzheim für die Unterstützung. Die dortigen Schulleitungen machen es möglich, die externen Prüfungen ohne Kosten durchzuführen. Zudem wurden fünf Jugendliche – und hier wird nach Schmidts Worten nur zugelassen, wer eine reelle Chance besitzt – auf den qualifizierenden Hauptschulabschluss vorbereitet, von denen drei die Prüfung erfolgreich ablegten. Hier ist die Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege auf der Wülzburg der unterstützende Partner.
Die Leiterin der Arbeitsagentur Weißenburg, Dr. Antje Draheim, betonte, dass jeder Jugendliche ein Stellenangebot erhalte. Derzeit entspanne sich die Situation durch die geburtenschwächeren Jahrgänge allein schon aus demografischen Gründen. Sie verstehe, so Draheim, dass die Arbeitgeber teilweise über zu wenig Sozialkompetenz bei den Bewerbern klagen. Dennoch werden die Arbeitgeber bei der kleiner werdenden Zahl von Stellensuchenden in Zukunft ihre Ansprüche an diese senken müssen.
Die Teamleiterin der Berufsberatung bei der Arbeitsagentur, Wilhelmine Meyer, ergänzte, dass jeder eine Förderung nach seinen Fähigkeiten bekomme, auch Abbrecher erhielten eine zweite Chance. Sie bewundere die Arbeit der Sozialpädagogen des Kolping-Bildungswerks, vor allem bei Jugendlichen, die gerade im Elternhaus nicht die notwendige Unterstützung bekämen. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur könne diese Aufgabe nicht allein leisten und sei auf die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen angewiesen.
„Die haben mir eigene Fähigkeiten aufgezeigt, von denen ich nichts wusste“, lobt Timo Schedler das Bildungswerk. Der junge Mann mit mittlerer Reife hatte ursprünglich einen technischen Beruf erlernen wollen, eine Phase der Orientierungslosigkeit und des Frusts nach rund 50 erfolglosen Bewerbungen überstanden und nun mit Hilfe des Kolping-Bildungswerks eine Ausbildungsstelle als Kaufmann für Speditions- und Logistik- Dienstleistungen bei der Spedition Wüst in Weißenburg gefunden.
Bünjamin Bulduk hat die zweite Chance ergriffen. Nach dem Abbruch einer Maßnahme zur Erlangung des Hauptschulabschlusses hat er nach fünf Jahren Praktika und Zeitarbeit festgestellt, dass der Hauptschulabschluss unabdinglich ist, und sich aus Eigeninitiative wieder bei Kolping gemeldet.
Mehmet Deliaci hat über das Bildungswerk den qualifizierenden Hauptschulabschluss bestanden und damit auch eine Ausbildungsstelle als Maschinen- und Anlagenführer in Ellingen erhalten. Nach einer Bildungsmaßnahme mit dem Abschluss der mittleren Reife erhielt Cemre Durak einen Ausbildungsplatz im Bekleidungshaus Wöhrl in Roth, den sie nach eigenen Angaben mit ihren vorherigen schulischen Leistungen nie erhalten hätte. Nadine Hager lernt ohne Hauptschulabschluss als Beiköchin bei Dorfner-Menü in Roth im dritten Ausbildungsjahr, und Beatrice Phomsaly fand mit ihrem Hauptschulabschluss erst nach intensiver sozialpädagogischer Betreuung, die durch Probleme im Elternhaus notwendig war, eine Stelle als Friseurin in Weißenburg.
Von den Vertretern der Ausbildungsbetriebe wurden die Praktika neben den Zeugnisnoten als sehr wichtige Entscheidungsgrundlage für eine Einstellung beschrieben. Nur dadurch ließen sich der menschliche Umgang und die Teamfähigkeit bewerten.Viele Bewerber können vor allem durch längere Praktika nicht so gute Zeugnisnoten ausgleichen.