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Erfolgsquote kann sich sehen lassen

Kolping-Bildungswerk verhilft in Weißenburg und Roth jungen Leuten zu Ausbildung und Arbeit - 20.10. 12:27 Uhr

WEISSENBURG  - Auf ein er­folgreiches Jahr blickt das Kolping-Bildungswerk des Diözesanverbands Eichstätt zurück. Rund 70 Prozent der Teilnehmer an Maßnahmen in den Bildungszentren Weißenburg und Roth konnten vermittelt werden.



Die Vorstellung des Ergebnisberichts endete mit einem Rundgang durch die Werkstätten des Kolping-Bildungswerks in Weißenburg.
Die Vorstellung des Ergebnisberichts endete mit einem Rundgang durch die Werkstätten des Kolping-Bildungswerks in Weißenburg.
Foto: Fritsche

„Jungen Menschen Ausbildung und Arbeit geben“, dieses Ziel formulierte Ewald Kommer, der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks, bei der Vorstellung des Ergebnisberichts über die „Berufsvorbereitenden Bildungs­maßnahmen“ des letzten Jahres.Kom­mer ergänzte, dass das Bildungswerk seit 2004 im Auftrag der Arbeitsagen­tur die Maßnahmen in Weißenburg und Roth anbietet. Ziel sei, Jugend­lichen, die „an vielen Ecken hängen­geblieben sind“, zu helfen, eine Stelle zu finden.

Von 119 betreuten Jugendlichen in Weißenburg und 102 in Roth, die im Zeitraum vom September 2009 bis September 2010 eine berufsvorberei­tende Bildungsmaßnahme begonnen haben, sind nur knapp 30 Prozent aus dieser vorzeitig ausgeschieden, davon rund die Hälfte wegen Umzug oder Krankheit. Beim Rest handle es sich eindeutig um fehlende Motivation, de­ren Grund teilweise im Freundeskreis oder im sozialen Umfeld zu finden sei. Hier habe auch eine weiterführende Betreuung, teilweise zusammen mit den Eltern, keinen Erfolg gehabt.

Auch auf weitere Bildungsangebote ging Einrichtungsleiter Ralf Schmidt ein. So waren im Berichtszeitraum 40 Jugendliche in Weißenburg und 41 in Roth bei Beginn der Maßnahme ohne Hauptschulabschluss. Davon nahmen 31 in Weißenburg und zehn in Roth an einem zwölfwöchigen Crashkurs in Vollzeit zur Ablegung des Abschlusses teil, 23 in Weißenburg und acht in Roth konnten die Prüfung erfolgreich ablegen. Hier spiele vor allem die Gruppengröße eine Rolle: Bei etwa sieben Schülern auf eine Lehrkraft ist bei manchen Schulen auch Neid hin­sichtlich des Erfolgs zu spüren.

Schmidt dankte den Hauptschulen in Hilpoltstein und Markt Berolzheim für die Unterstützung. Die dortigen Schulleitungen machen es möglich, die externen Prüfungen ohne Kosten durchzuführen. Zudem wurden fünf Jugendliche – und hier wird nach Schmidts Worten nur zugelassen, wer eine reelle Chance besitzt – auf den qualifizierenden Hauptschulab­schluss vorbereitet, von denen drei die Prüfung erfolgreich ablegten. Hier ist die Berufsfachschule für Hauswirt­schaft und Kinderpflege auf der Wülz­burg der unterstützende Partner.

Angebot für alle

Die Leiterin der Arbeitsagentur Weißenburg, Dr. Antje Draheim, be­tonte, dass jeder Jugendliche ein Stel­lenangebot erhalte. Derzeit entspanne sich die Situation durch die geburten­schwächeren Jahrgänge allein schon aus demografischen Gründen. Sie ver­stehe, so Draheim, dass die Arbeitge­ber teilweise über zu wenig Sozial­kompetenz bei den Bewerbern klagen. Dennoch werden die Arbeitgeber bei der kleiner werdenden Zahl von Stel­lensuchenden in Zukunft ihre An­sprüche an diese senken müssen.

Die Teamleiterin der Berufsbera­tung bei der Arbeitsagentur, Wilhel­mine Meyer, ergänzte, dass jeder eine Förderung nach seinen Fähigkeiten bekomme, auch Abbrecher erhielten eine zweite Chance. Sie bewundere die Arbeit der Sozialpädagogen des Kolping-Bildungswerks, vor allem bei Jugendlichen, die gerade im Eltern­haus nicht die notwendige Unterstüt­zung bekämen. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur könne diese Auf­gabe nicht allein leisten und sei auf die berufsvorbereitenden Bildungs­maßnahmen angewiesen.

„Die haben mir eigene Fähigkeiten aufgezeigt, von denen ich nichts wusste“, lobt Timo Schedler das Bil­dungswerk. Der junge Mann mit mitt­lerer Reife hatte ursprünglich einen technischen Beruf erlernen wollen, eine Phase der Orientierungslosigkeit und des Frusts nach rund 50 erfolg­losen Bewerbungen überstanden und nun mit Hilfe des Kolping-Bildungs­werks eine Ausbildungsstelle als Kaufmann für Speditions- und Logi­stik- Dienstleistungen bei der Spediti­on Wüst in Weißenburg gefunden.

Bünjamin Bulduk hat die zweite Chance ergriffen. Nach dem Abbruch einer Maßnahme zur Erlangung des Hauptschulabschlusses hat er nach fünf Jahren Praktika und Zeitarbeit festgestellt, dass der Hauptschul­abschluss unabdinglich ist, und sich aus Eigeninitiative wieder bei Kol­ping gemeldet.

Mehmet Deliaci hat über das Bil­dungswerk den qualifizierenden Hauptschulabschluss bestanden und damit auch eine Ausbildungsstelle als Maschinen- und Anlagenführer in Ellingen erhalten. Nach einer Bil­dungsmaßnahme mit dem Abschluss der mittleren Reife erhielt Cemre Durak einen Ausbildungsplatz im Be­kleidungshaus Wöhrl in Roth, den sie nach eigenen Angaben mit ihren vor­herigen schulischen Leistungen nie er­halten hätte. Nadine Hager lernt ohne Hauptschulabschluss als Beiköchin bei Dorfner-Menü in Roth im dritten Aus­bildungsjahr, und Beatrice Phomsaly fand mit ihrem Hauptschulabschluss erst nach intensiver sozial­pädagogischer Betreuung, die durch Probleme im Elternhaus notwendig war, eine Stelle als Friseurin in Weißenburg.

Von den Vertretern der Ausbildungs­betriebe wurden die Praktika neben den Zeugnisnoten als sehr wichtige Entscheidungsgrundlage für eine Ein­stellung beschrieben. Nur dadurch ließen sich der menschliche Umgang und die Teamfähigkeit bewerten.Viele Bewerber können vor allem durch längere Praktika nicht so gute Zeug­nisnoten ausgleichen. 





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