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„Heut' ist mein Tag“

Dekanatsfrauentag in Weißenburg - 31.01. 08:18 Uhr

weissenburg  - „Heut’ ist mein Tag!“ lautete das Motto des gestrigen Dekanatsfrauentages, zu dem die evangelischen Dekanate Pappenheim und Weißenburg gemeinsam in die Karmeliterkirche eingeladen hatten. Über 400 Frauen nahmen das Angebot gerne an und füllten ihren Tag ganz unterschiedlich mit Leben. Neben dem Referat von Pfarrerin Ulrike Fischer, die auf den Tag einstimmte, gab es verschiedene Gruppenangebote und Workshops, die von Tanzen über Bibelarbeit bis hin zu Tai-Chi, Filzen oder Massage reichten. Ein festlicher Gottesdienst um 14.00 Uhr beschloss den Dekanatsfrauentag.

Volles Haus: Die Weißenburger Karmeliterkirche war gut gefüllt mit Frauen, die aus den beiden Dekanaten Pappenheim und 
Weißenburg kamen, um gemeinsam zu überlegen, wie ihr Leben mit mehr Qualität gefüllt werden kann.
Volles Haus: Die Weißenburger Karmeliterkirche war gut gefüllt mit Frauen, die aus den beiden Dekanaten Pappenheim und Weißenburg kamen, um gemeinsam zu überlegen, wie ihr Leben mit mehr Qualität gefüllt werden kann.
Foto: Markus Steiner
Volles Haus: Die Weißenburger Karmeliterkirche war gut gefüllt mit Frauen, die aus den beiden Dekanaten Pappenheim und 
Weißenburg kamen, um gemeinsam zu überlegen, wie ihr Leben mit mehr Qualität gefüllt werden kann.
Volles Haus: Die Weißenburger Karmeliterkirche war gut gefüllt mit Frauen, die aus den beiden Dekanaten Pappenheim und Weißenburg kamen, um gemeinsam zu überlegen, wie ihr Leben mit mehr Qualität gefüllt werden kann.
Foto: Markus Steiner

Ulrike Fischer war von 2000 bis 2005 Pfarrerin in Wettelsheim und Bubenheim. Heute ist die „gelernte Pfarrerin und fünffache ungelernte Mutter“ (Fischer) in Heilsbronn mit einer Viertelstelle für die seelsorgerische und spirituelle Arbeit am Münster zuständig. Durch ihre Doppelbelastung weiß sie nur allzu gut, wie schwer es ist, den Tagen mehr Leben zu geben – obwohl doch eigentlich jeder Tag aufs Neue ein Geschenk Gottes ist, das uns tagtäglich 86400 Sekunden zur Ver­fügung stellt.

„Wir werden reich beschenkt, jeden Tag füllt sich dieses Konto wieder
neu auf“, machte Fischer deutlich. Die Kunst sei es deshalb, im Hier und Heute zu leben und nicht in der Vergangenheit. Während junge Menschen sich vor allem nach der Zukunft sehnten, sei das bei alten Menschen genau das Gegenteil. Diese wünschen sich oft in die gute alten Zeit zurück, in der angeblich alles besser war. Aus jenem Dilemma gibt es aber nur einen Ausweg, indem man sich stets aufs Neue sagt: „Heute ist Dein Tag!“ So müsse man der Pfarrerin zufolge jedem Tag die Chance geben, der schönste Tag des Lebens zu werden.


Die Zeitnot wird dagegen auch durch technische Innovationen nicht wirklich beseitigt. Als Beispiel nannte Ulrike Fischer die Erfindung der Waschmaschine oder der E-Mail. So habe man früher zwar viel mehr Zeit gebraucht, um Wäsche zu waschen oder Briefe zu schreiben und zu verschicken. Weil man heute aber viel öfter Wäsche wäscht und viel mehr E-Mails schreibt, bleibt unter dem Strich auch nicht mehr Zeit übrig.

Auf Zeitfresser schauen

„Schauen Sie auf Ihre Zeitfresser“, rät die Pfarrerin deshalb und nannte auch hier einige Beispiele. So ist für viele Deutsche das Fernsehen ein enormer Zeitfresser: Der Bundesbürger schaut im Durchschnitt drei Stunden täglich in die Glotze. Aber auch ausufernde Telefonate, übertriebener Ordnungswahn und schlechte Planung nannte die Referentin als mögliche Zeitvernichtungsmaschinen.

„Schauen Sie mal genauer hin, wie Sie Ihre Tage verbringen“, riet Fischer und lud dazu ein, sich jeden Tag zu überlegen, was an diesem Tag das Wichtigste sei. „Befreien Sie sich von Zwängen, die gar nicht nötig sind“ und „Nimm’ Dir Zeit, nicht das Leben“, lauteten weitere plakative Ratschläge der Referentin. Beim Zeitmanagement komme es vor allem da­rauf an, die Prioritäten richtig zu setzen und sich nicht mit unwichtigen Kleinigkeiten aufzuhalten.

Um für sich selbst herauszufinden, was wichtig ist, müsse man sich einmal bewusst überlegen: „Was treibt mich an?“ Dabei müsse man genau abwägen, welche Ziele realisierbar und welche utopisch sind und welche Ziele nicht wirklich glücklich machen. Zu Letzteren gehörten Ruhm oder Reichtum.

Bei dieser individuellen Suche nach dem Lebensziel kann dabei eine Frage Hilfestellung geben: „Was wür­de ich tun, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte?“ Gerade Todkranke, die nur noch wenig Zeit zu leben haben, würden Fischer zufolge oft die Erfüllung finden, weil sie sich nur noch mit existenziellen Dingen beschäftigen und Unwichtiges aus ihrem Leben verbannen.

„Gehen Sie Ihre Ziele an!“, forderte Fischer die Frauen auf. „Versuchen Sie’s immer wieder aufs Neue.“ Dabei könnten Beziehungen, Freundschaften und der Partner oft eine große Hilfe sein. Um das große Ziel zu erreichen, sollte man den Weg dorthin in  kleine Schritte unterteilen und eine positive Einstellung an den Tag legen. Wer beim Putzen schon daran denke, wie schön sauber danach alles sei, könne sich für die bei den meisten ungeliebte Tätigkeit besser motivieren.

„Ich baue einen Dom“

Wie wichtig die richtige Einstellung ist, machte die Pfarrerin am Ende ihres 90-minütigen Referats mit folgender Geschichte deutlich: Drei Bauarbeiter behauen einen Haufen Steine, als ein Kind dazukommt, einen Moment schaut und dann den ersten der Arbeiter fragt: „Was tust Du da?“ „Siehst Du doch“, antwortet er, „ich behaue Steine.“ Da fragt das Kind den Zweiten: „Und was tust Du?“ Seufzend antwortet der: “Ich verdiene Geld, um für meine Familie Brot zu beschaffen. Meine Familie ist groß.“ Da fragt das Kind auch den Dritten: „Was tust Du?“ Dieser blickt hinauf in die Höhe und antwortet leise: „Ich baue einen Dom.“
  



Markus Steiner

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