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Genauer gesagt würde sie eben dann von anderen wahrgenommen werden, prognostizierte Bleisteiner. Wer das sein könnte, liegt seinen Worten zufolge auf der Hand. Um zu verhindern, dass künftig die Wertschöpfung des ländlichen Raums in die überregionalen Konzerntresore fließen, sollten die Landwirte besser selbst nach Kooperationsmöglichkeiten suchen, um die Gelder vor Ort zu behalten. Lei- der aber sei vielfach das Gegenteil zu beobachten. Denn nicht zuletzt aufgrund des Biogasanlagen-Booms der vergangenen Jahre sei die Flächenkonkurrenz unter den Landwirten immer größer geworden.
Was hier teilweise passiere, „kann man schon als Hauen und Stechen bezeichnen,“ betonte Bleisteiner im Nachgang an sein Referat. Er riet zur Mäßigung bei den Preisverhandlungen und zur Nachhaltigkeit im besten, ganzheitlichen Sinne. Man solle bedenken, dass man ja auch noch weiter „im Ort im Frieden miteinander leben will“.
Die Bauern könnten nicht nur auf die Rahmenbedingungen schimpfen, sondern müssten sich auch „an die eigene Nase fassen“, wenn die derzeitigen Chancen, die sich der Landwirtschaft eröffneten, nicht genutzt würden. Ein „gutes Miteinander“ und damit eine moderate Gestaltung der Pachtpreise sei unerlässlich. Denn sind diese zu hoch, bedeute das für den Pächter ein immer weniger kalkulierbares Risiko. Man müsse sich im Klaren sein, dass die klimatischen Einflüsse zunähmen und damit auch die Ertragsschwankungen.
Die Agrarpolitik und nicht minder schwankende Produktions- und Betriebsmittelpreise sorgten in zunehmenden Maße für Unsicherheit bei den zu erwartenden Einnahmen, was jede Erhöhung der Ausgabenseite hochriskant werden lasse. Zu hohe Pachtpreise könnten so auch Existenzen bedrohen. „Viele Betriebe werden dieses Spiel nicht durchstehen“, befürchtet Bleisteiner. Die Preisführer in Sachen Pacht hätten sich dabei in den vergangenen Jahren rege abgewechselt, nahm er zugleich die Biogasanlagenbetreiber in Schutz, die nicht selten als alleinige Dreher an der Preisschraube hingestellt würden.
Doch lange vor ihnen hätten die Tierveredler die Pachtpreise bestimmt. Sie seien in den vergangenen zehn Jahren aber nicht nur von den „Biogaslern“ abgelöst worden, sondern auch von den Getreidebauern und kurzzeitig auch mal von den Milchviehhaltern – je nachdem, wer eben gerade die besten Erzeugerpreise erzielen konnte. Auch Förderungen wie die der Blühflächen oder der kurzzeitige Boom bei den Fotovoltaikanlagen auf freier Fläche hätten den Pachtmarkt zugespitzt. Eines aber machte Norbert Bleisteiner diesbezüglich unumwunden deutlich. Egal, wer gerade am Zug ist: „Hier gibt es keine Gewinner!“ Diese seien immer nur auf der Seite der Verpächter zu finden.
Das war nicht immer so. Noch vor acht Jahren hätten sich diese nämlich den Kopf zerbrechen müssen, wie sie ihre Flächen für einen einigermaßen akzeptablen Preis unter Vertrag stellen können. So gab es am Abend auch VLF-Vorsitzender Erwin Börlein zu bedenken. Nunmehr aber seien es längst die Pächter, die sich intensiv damit auseinandersetzen müssten, ob sie die hohen Preise noch schultern können oder wollen.
Dass dieses Problem neben den Landwirten auch eine breite Öffentlichkeit tangiert, zeigte die hohe Besucherfrequenz im Gasthaus Conrad. Über 150 Gäste verfolgten den Vortrag Bleisteiners und nutzten die Gelegenheit zur Diskussion und zum Gedankenaustausch. Auch die drei höchsten Vertreter des Landkreises waren allesamt vertreten, was eher selten der Fall ist: allen voran der neu gewählte Landrat Gerhard Wägemann, der sich auf das eine oder andere kurze Wortgefecht mit Bleisteiner einließ. Doch auch die beiden Landratstellvertreter Robert Westphal und Peter Krauß beehrten die Veranstaltung.
Als Resümee ermahnte und ermunterte der Leiter der Landmaschinenschule die Anwesenden eindringlich, die Chance der Energiewende zu nutzen und auf Kooperation zu setzen. „Dann können wir uns eine große Scheibe vom Kuchen gemeinsam abschneiden.“ Wenn die Landwirte sich in Sachen Energiewende so verhalten wie am Pachtmarkt, brauche man über solche Kooperationen gar nicht erst zu reden.