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Das Radio-8-Wahlduell war das einzige öffentliche Aufeinandertreffen von allen vier Bewerbern. Dass das Publikum im bestens gefüllten Altmühlsee-Informationszentrum (AIZ) zu einem großen Teil aus Gefolgsleuten bestand, zeigte sich schon, als Seeger die vier Bewerber auf die Bühne rief. Vor allem die Anhänger von Uwe Döbler und Gerhard Wägemann machten lautstark darauf aufmerksam, dass sie schon wissen, wem sie am Sonntag ihre Stimme geben werden.
Klaus Seeger, der in Gunzenhausen wohnt, zeigte sich bestens vorbereitet und stichelte gleich zu Beginn gegen alle vier Kandidaten. Sigrid Niesta-Weiser musste sich die Frage gefallen lassen, warum man von ihr nichts sieht. Ihre Antwort: „Plakate transportieren keine Aussage.“ Wolfgang Hauber hingegen setzt auf das krasse Gegenteil und gibt für seine Wahlwerbung viel Geld aus. „Gab’s da eine dicke Parteispende?“ Hauber umschiffte eine konkrete Antwort und konterte, Werbung müsse auffallen, und so wolle er auch den Landkreis nach außen verkaufen. Uwe Döbler provozierte Seeger mit der Frage, ob „die Rakete noch Dampf“ habe, nachdem der SPD-Kandidat vor drei Jahren fast 47 Prozent der Stimmen bekommen hatte. Eine Rakete sei das falsche Bild, erwiderte Döbler. Er sei eher ein Flugzeug, das immer wieder starten könne. Und Gerhard Wägemanns „Ochsentour“ mit jeder Menge Infoständen und Wahlkampfveranstaltungen veranlasste den Moderator zur Feststellung: „Gelassenheit sieht anders aus.“ Der CSU-Landtagsabgeordnete konterte, er habe bewusst nicht allein auf seinen Bekanntheitsgrad gesetzt, schließlich gehe es um das höchste Amt im Landkreis, und der Wähler solle die Chance haben, den Kandidaten persönlich kennenzulernen.
Neben den Fragen an die Runde hatte Seeger auch für jeden der Kandidaten eine jeweils dreiminütige Direktbefragung vorbereitet. Dabei brachte er Gerhard Wägemann aus dem Konzept, als er ihn nach positiven Eigenschaften seiner drei Mitbewerber fragte. Während dem CSU-Mann das bei Wolfgang Hauber noch recht flüssig über die Lippen ging, geriet er bei Uwe Döbler schon ins Stottern und Sigrid Niesta-Weiser vergaß er gleich ganz. Uwe Döbler brauchte hingegen einen Moment, um sich wieder zu fangen, als Seeger an die parteiinternen Wahlniederlagen erinnerte und ihn fragte: „Was haben Sie falsch gemacht?“
In knapp zwei Stunden beackerte Seeger mit den vier Landratskandidaten die Themenfelder Tourismus, Wirtschaft, Regionalmanagement, Breitbandversorgung, erneuerbare Energien und die demografische Entwicklung. Inhaltlich wiederholten die vier ihre Standpunkte, die sie auch in den ausführlichen Tagblatt-Interviews dargelegt hatten.
Hauber will Hotels direkt am See zulassen. Wägemann sieht Ausnahmegenehmigungen für „maximal drei bis vier Hotels“ als „kein Problem“ an. Döbler ist insgesamt eher skeptisch, was das Aushebeln der Vorschrift eines freien Zugangs zu den Seen angeht. Und Niesta-Weiser will im Einzelfall entscheiden.
Einigkeit herrschte, dass die Zukunftsinitiative Altmühlfranken eine „Erfolgsgeschichte für den Landkreis“ (Hauber) darstellt, die fortgeführt werden muss. Wobei sich die vier in den Details doch unterscheiden: Hauber will die Umwandlung in eine GmbH, Niesta-Weiser will nach schlechten Erfahrungen in Gunzenhausen lieber eine Stabsstelle behalten, und Wägemann stellte infrage, ob der Personalumfang dauerhaft auf dem jetzigen Niveau gehalten werden muss.
Döbler und Wägemann drängten mehrfach darauf, ein Komptenzzentrum Stein in Solnhofen zu schaffen. Ein solches wäre ein Projekt, das „über unseren Landkreis hinausstrahlt“, sagte Döbler. Er stellte seine Ideen vor, ein „virtuelles Kraftwerk“ (der Landkreis kümmert sich um den Verkauf des Stroms aus erneuerbaren Energien) und kostenlose WLAN-Hotspots an belebten Plätzen im Landkreis verbunden mit einer Marketingaktion zu starten. „Das kann man nach außen verkaufen.“ Mit solch konkreten neuen Vorschlägen in der Tasche war er der einzige des Quartetts.
Ein TTZ für alleGerhard Wägemann musste sich erneut den Vorwurf gefallen lassen, sich mit dem Technologietransferzentrum (TTZ) für Weißenburg Wahlhilfe aus München organisiert zu haben. Er versuchte dies zu entkräften, indem er die zeitlichen Abläufe darlegte. Wolfgang Hauber nutzte das, um darauf hinzuweisen, dass er schon im Oberbürgermeister-Wahlkampf 2008 Weißenburg als potentiellen Hochschulstandort auf seiner Liste hatte. Niesta-Weiser zufolge seien auch die FDP-Minister Zeil und Heubisch an dem Projekt beteiligt gewesen. Und Döbler betonte, dass es die Idee von Franz Xaver Uhl gewesen sei und hob beim TTZ vor allem die Rolle des Regionalmanagements hervor.
Als Uwe Döbler in seinem Abschlussstatement zum dritten Mal den Gag einbrachte, dass es doch eine gute Arbeitsteilung sei, wenn er Landrat wäre und Gerhard Wägemann als Abgeordneter in München bliebe, wollte Letzterer das nicht mehr nur mit einem Grinsen abtun. „Ich muss an dieser Stelle meine Kollegin Christa Naaß in Schutz nehmen“, sagte Wägemann. Die SPD-Abgeordnete sei fleißig und engagiert und stelle somit sicher, dass der Landkreis im Falle seines Wechsels ins Weißenburger Landratsamt weiterhin gut in München vertreten werde.
Unter dem Strich bleiben zwei durchaus unterhaltsame Stunden Polit-Talk. Wer vorher schon eine Präferenz für einen der vier Bewerber hatte, dürfte diese bestätigt gesehen haben. Überzeugungsarbeit konnte das Quartett wohl nur bei jenen leisten, die sich inhaltlich noch nicht mit der Wahl auseinandergesetzt hatten. Die Aufzeichnung vom Dienstag wurde gestern Abend auf Radio 8 ausgestrahlt.