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In diesem Jahr wurden mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als in der Vergangenheit. Allerdings blieben auch mehr Lehrstellen unbesetzt. „Der doppelte Abiturjahrgang wirkte sich auf den Ausbildungsmarkt kaum aus, denn Studienberechtigte sind nur in geringem Maße an der Aufnahme einer (dualen) Berufsausbildung interessiert“, berichtet die Arbeitsagentur.
Der Zuwachs bei den gemeldeten Lehrstellen spiegele die positive Konjunkturentwicklung der Wirtschaft wider. Aber auch der absehbare demografische Wandel habe manchen Arbeitgeber veranlasst, auszubilden. Die Gründe, weshalb nach wie vor Lehrstellen unbesetzt blieben, haben sich nach Auskunft der Agentur in den vergangenen Jahren nicht wesentlich geändert: Einerseits beklagten Betriebe mangelnde Qualifikation und Ausbildungsfähigkeit unter den Bewerbern, andererseits gibt es nach wie vor Ausbildungsberufe, die von Jugendlichen kaum nachgefragt würden.
So sind erneut beispielsweise Kochstellen und Ausbildungsmöglichkeiten als Fleischerei- oder Bäckereifachverkäuferinnen mangels Interessenten unbesetzt geblieben. Hinzu kommen ungünstige Verkehrsverbindungen, Wochenendarbeit oder geringe Bekanntheit/Attraktivität des Ausbildungsberufs oder -betriebs. „Insgesamt hält der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen weiter an, was sich nicht zuletzt in einer Zunahme der Studierenden niederschlägt“, weiß man in der Arbeitsagentur.
Was heute zur Entlastung am Ausbildungsmarkt geführt hat, kann in den nächsten Jahren allerdings zu einem ernsthaften Problem führen. Auf den ersten Blick scheinen die Entwicklungen unspektakulär, doch durch den Rückgang der Schulabgänger wird den Betrieben die Ressource „Azubi“ nicht mehr so einfach zur Verfügung stehen. Die Konkurrenz zwischen den Ausbildungsplatzsuchenden wird abnehmen, gleichzeitig wird die Konkurrenz zwischen den Betrieben um die Bewerber wachsen.
Dass die Zahl der Ausbildungsplätze steigt , freut Agenturchefin Dr. Renata Häublein: „Die Unternehmen haben verstanden, dass Ausbildung die beste Möglichkeit ist, sich für die Zukunft zu wappnen. Trotz der positiven Bilanz appelliere ich an die Betriebe, bei der Ausbildungsleistung nicht nachzulassen und dabei auch die weniger starken Bewerber noch stärker einzubeziehen. Denn der demografische Wandel wird sich in der Region künftig noch deutlicher bemerkbar machen.“
Die DGS Drahtgestricke GmbH in Ellingen engagiert sich seit Jahren in der Ausbildung und gibt auch Jugendlichen eine Chance, die auf den ersten Blick nicht die erste Wahl sind. „Der Betrieb vertritt die Auffassung, dass diesem Engagement auch ein ent- sprechender Nutzen gegenübersteht – schließlich ist jede Form von Ausbildung eine Investition in die Zukunft. Auch übernimmt die Firma damit ein Stück weit gesellschaftliche Verantwortung“, schreibt die Agentur für Arbeit.
Gute Erfahrungen hat das Unternehmen bereits mehrfach mit Jugendlichen gemacht, die vor Beginn der Ausbildung zunächst eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, beispielsweise bei Kolping in Weißenburg, absolviert haben. Manfred E. Fritsche, Fertigungsleiter bei DGS, weiß: „Was zählt, sind Pünktlichkeit und Ausdauer. Ich kann die Lehrlinge nicht durch die Ausbildung tragen, aber mit Willen und Fleiß haben unsere Azubis bisher alle die Ausbildung geschafft.“
Bei Mehmet Deliaci haben in der Schule die Noten nicht gepasst. Aber dank Kolping hat er seinen qualifizierenden Hauptschulabschluss mit Bravour bestanden. Heute ist er im zweiten Ausbildungsjahr zum Maschinen- und Anlagenführer. Er ist Fritsche zufolge zuverlässig und kann bereits morgens die Anlagen selbstständig in Betrieb nehmen. Er traue sich immer mehr zu. Das sehe man nicht zuletzt daran, dass er in der Berufsschule freiwillig sein Englisch-Zertifikat erwarb.
Wie bei vielen Firmen ist auch bei DGS ist die Zahl der Bewerbungen in den vergangenen Jahren gesun- ken. Die Firma setzt daher auf Praktika. So können künftige Azubis und der Betrieb testen, ob die Chemie stimmt.
DGS beteiligt sich darüber hinaus seit mehreren Jahren am jährlichen Girls’ Day, und Manfred Fritsche freut sich, dass er in diesem Jahr erstmalig ein Mädchen in einem technischen Beruf ausbilden darf.
Das Hauptaugenmerk der Weißenburger Arbeitsagentur liegt nun auf den wenigen Bewerbern, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Bereits im September gab es für die Jugendlichen Nachvermittlungs-aktionen mit dem Ziel, jedem Bewerber ein Ausbildungsstellenangebot oder eine Alternative anzubieten. Zum Stichtag 30. September 2011 gab es noch 16 Jugendliche ohne ein solches Angebot. Unter Jugendlichen mit keiner Alternative sind übrigens auch sechs Abiturienten zu finden, die es versäumt haben, sich rechtzeitig um das Thema Ausbildung oder Studium zu kümmern.
Speziell für Schulabgänger, die der besonderen Unterstützung bedürfen, hält die Agentur für Arbeit eine brei- te Angebotspalette bereit. „Vorrangig sind jedoch die Betriebe gefordert“, teilt die Behörde mit.