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Der kleine Xaveropterus stellt alles in den Schatten, was in Sachen Raubsauriern in Europa jemals aus dem Boden geholt wurde. Etwa 98 Prozent seines Skeletts haben die 135 Millionen Jahre in den Solnhofener Plattenkalken unbeschadet überstaden. Selbst Reste von Haut und Federn sind erhalten. Zum Vergleich: Der bester- haltenste Tyrannussaurus Rex bringt es gerade einmal auf einen Erhaltungszustand von rund 75 Prozent.
Wie vieler Zufälle es bedarf, dass ein solcher Fund ans Licht der Öffentlichkeit findet, wurde bei der offiziellen Präsentation deutlich. Zunächst muss-te der Landsaurier sein junges Leben im Meer aushauchen und so schnell im Boden eingelagert werden, dass sein Skelett nicht von Naturgewalten oder Räubern verteilt wurde. Über 135 Millionen Jahre müssen dann nur noch die Umweltbedingungen stimmen, damit ein stolzer Sammler mit dem Hämmerchen das Tier wieder zutage fördert.
Im konkreten Fall keinen Tag zu früh. „Der Fund des Xaveropterus (so heißt das Fossil nach einer Bayern-3-Aktion vorläufig, d. Red.) war kein Zufall aber pures Glück, weil er aus einer Ecke stammt, die tags zuvor vom Schieber beseitigt werden sollte“, stellte Dr. Martin Röper bei der Präsentation des spektakulären Funds fest. Ein sensationeller Glücksfall für die Wissenschaft, aber mindestens genauso sehr für das Solnhofener Museum.
Bürgermeister Manfred Schneider feierte das Fossil als „internationales Spitzenexponat und einen „Schatz der bayerischen Erd- und Lebensgeschichte“. In Solnhofen findet das als nationales Kulturgut eingestufte Fossil seinen Platz neben zwei Exemplaren des Urvogels Archäopteryx. Damit sichert das Bürgermeister-Müller-Museum seinen Platz in der ersten Liga der Paläontologie-Museen dieser Welt.
Dr. Oliver Rankert von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie durfte bei der Präsentation den Saurier-Star vorstellen und hatte sich für seinen Vortrag den launigen Titel „Die Besten sterben jung“ ausgesucht. Damit verwies er darauf, dass der Solnhofener Xaveropterus nur einige Wochen oder Monate alt wurde, bevor er im Schlick des Solnhofenarchipels landete. Damals wäre die Region ein weltweit bekanntes Urlaubsparadies gewesen. Klimaverhältnisse wie in der Karibik und vereinzelt Inseln im türkisblauen Meer.
Der junge Xaveropterus wanderte im zarten Flaum-Federkleid über eine dieser Inseln, erklärte Rankert. Auffällig war dabei sein buschiger Schwanz, der dem Tier in Wissenschaftskreisen den Spitznamen „Paintener Eichhörnchen“ eingebracht hat. Auf einen offiziellen wissenschaftlichen Namen wartet der Raubsaurier aus der Gruppe der Theropoden derzeit noch.
Dass das begehrte Stück den Weg nach Solnhofen gefunden hat, ist zum einen der Bedeutung des dortigen Museums geschuldet, aber auch der Person seines Leiters. Dr. Martin Röper hat die Ausgrabungen in Painten seit zwölf Jahren im Auftrag der Gemeinde Solnhofen als seinem Arbeitgeber wissenschaftlich betreut. Per Handschlag sei damals versprochen worden, dass an das Bürgermeister-Müller-Museum gedacht werde, wenn ein großer Fund zutage kommen sollte, erklärte Röper. Ein Versprechen an das sich beim Xaveropterus alle Beteiligten erinnerten.
Eine Steilvorlage für Röper, der seit Jahren auf die Zuarbeit zahlreicher privater Sammler setzt. „Private gehören in der Finanzkrise zu den museal relevanten Kulturträgern, die einer Einrichtung wie unser Museum mit ihren Ausleihen und Schenkungen tragen“, betonte er in seiner Rede. Dieses Netzwerk sei die Zukunft des Museums. Die Gegenwart ist aber nun erst mal der Xaveropterus. Den können sich Interessierte bis zum 18. Dezember täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr ansehen. JAN STEPHAN