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Jetzt mal ganz ohne Umschweife: Wer seid Ihr, was macht Ihr?
Matthias Richter (lacht): Puhh, das ist jetzt gar nicht so einfach.
Also gut, dann anders: Bei Euch gibt’s Geld, wer kriegt das?
Richter: Ja, bei uns gibt’s Geld. Wir fördern Jugendfreizeiten, kulturelle Veranstaltungen, Bildungsveranstaltungen, einmalige Projekte und die Ausbildung von Ehrenamtlichen. Wenn jetzt zum Beispiel ein Jugendverband zwei Wochen auf Freizeit fährt, dann können wir 2,50 Euro pro Teilnehmer und Tag finanzieren. Aber da gibt es natürlich genaue Kriterien und Vorschriften.
Zum Beispiel?
Richter: Wenn es um Veranstaltungen geht, dann müssen die zum Beispiel für jeden offen sein. Außerdem haben wir die Auflage, dass es sich um keine rein kommunale Veranstaltung handeln darf. Wenn jetzt also zum
Beispiel der UFC Ellingen eine Ver-anstaltung anbietet, dann müssen mindestens zehn Prozent der Besucher aus anderen Orten als Ellingen kommen.
Diese Unterstützung kriegen aber nur Mitglieder?
Richter: Zumindest kriegen die das bevorzugt. Aber der Kreisjugendring hat mehr Mitglieder als die meisten glauben. Bei uns sitzen zum Beispiel Vertreter der Sportjugend, was bedeutet, dass auch eine Fußballjugend bei uns einen Antrag stellen kann.
Da muss es ja nicht nur um Geld gehen, Ihr habt auch einen Bus?
Richter: Ja, wenn die Fußballjugend zum Bayernspiel fahren will, kann sie den Bus für 25 Euro am Tag mieten. Vorausgesetzt natürlich, er ist frei, denn da haben wir ganz ordentlich Anfragen. Wir verleihen aber auch einen Spieleanhänger mit Stelzen, Utensilien zum Seilziehen und allen möglichen anderen Dingen. Und natürlich gibt es noch die Sansibar – eine Bar zum Mixen von alkoholfreien Cocktails.
Ihr bietet also materielle Hilfe für die Anbieter von Jugendarbeit im Landkreis?
Richter: Das ist ein Zweig unserer Geschäftsbereichs. Wir treten aber auch selbst als Veranstalter in Erscheinung. Die beiden Sachen sind der Landkreis-Bandcontest (am 12. November in Weißenburg, die Redaktion) und die Verleihung des Ehrenamtspreises. Dabei achten wir aber immer darauf, dass sich in diesem Rahmen unsere Mitglieder darstellen und so für sich werben können. Wir wollen eigentlich gar nicht so viel selbst Jugendarbeit machen, sondern eher unsere Mitglieder bei dieser Arbeit unterstützen.
Wer ist denn eigentlich alles bei Euch Mitglied?
Richter: Eigentlich alle: von den Jugendfeuerwehren über die Sportjugend, viele Jugendzentren, den Kulturverein Eberhart bis hin zur Trachtenjugend.
Auf Eurer Internetseite steht, dass Ihr Euch als Interessenvertretung und Lobbygruppe der Jugendarbeit im Landkreis seht. Hat Euch schon einer der vier Landratskandidaten gefragt, was sich die Jugend im Landkreis denn so wünscht?
Richter (lacht): Nein, da hat bisher noch keiner angerufen. Aber wir sind auch weit davon entfernt, da aktiv im Wahlkampf mitzumischen. Wir halten uns aus parteipolitischen Dingen generell raus.
Nichtsdestotrotz, in Eurer Aufgabe als Lobbygruppe der Jugend nimmt man Euch öffentlich nicht so wahr.
Richter: Ja, das mag sein. Wir halten uns da aber politisch ganz gerne raus. Wir haben 30 bis 40 Mitgliedsorganisationen und hinter denen stehen Tausende Mitglieder. Wir können nicht einfach für alle sprechen. Deswegen haben wir uns zum Beispiel in der Atomdebatte der Stellungnahme des Bayerischen Kreisjugendrings angeschlossen und es den einzelnen Verbänden überlassen, ob sie sich dem lokalen Anti-Atombündnis anschließen wollen.
Ihr setzt in Sachen Interessenvertretung da eher auf die sogenannten „Kamingespräche“?
Richter: Ja, die soll es auch 2012 wieder geben. Da sorgen wir dafür, dass die lokalen Vertreter auf die zuständigen Politiker treffen und so Fragen und Probleme direkt geklärt werden können.
Wie seid Ihr selbst organisiert? Wer finanziert Euch?
Richter: Wir bekommen das Geld für unsere Arbeit vom Landratsamt, sind aber eine völlig unabhängige Organisation. Auf die Finger schaut uns der Bayerische Kreisjugendring. Wir haben mit unserem Geschäftsführer Karlheinz Mößner eine halbe Stelle nur für uns, der Vorstand macht die Arbeit komplett ehrenamtlich.
Sind genügend Leute für die aktive Mitarbeit zu begeistern?
Richter: Wir haben jetzt ein sehr engagiertes achtköpfiges Vorstandsteam beisammen, dessen Mitglieder aus sieben unterschiedlichen Jugendverbänden kommen. Allerdings hat der Vorstand eigentlich neun Sitze. Ein Platz ist leider unbesetzt geblieben. Im nächsten Jahr stehen wieder Neuwahlen an, es würde mich freuen, wenn wir unseren Vorstand dann wieder komplett bekommen.
Und der Vorstandsvorsitzende? Tritt der auch wieder an?
Richter: Mir gefällt die Arbeit hier wirklich gut. Wenn das von der privaten Arbeitsbelastung funktioniert und wir wieder ein Vorstandsteam finden, das was bewegen will, kann ich mir gut vorstellen, mich noch mal zur Verfügung zu stellen.