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„Wir machen nichts.“ Die Auskunft des Veranstaltungsbüros war eindeutig. „Weil es nicht so besonders gelaufen ist und weil wir das oft schon im zweijährigen Wechsel gemacht haben“, begründete ein Sprecher die Absage. Im vergangenen Jahr waren zu drei Konzerten und einem Musical auf der Rennaissancefestung gut 4 000 Besucher gekommen – trotz kalten, zum Teil regnerischen Wetters. Das Wülzburgfest hatte schon schlechtere Jahre – etwa als der Auftritt von Udo Jürgens im Jahr 2007 komplett abgesagt werden musste, weil die Wülzburg nach Dauerregen im Schlamm zu versinken drohte.
Deshalb ist die Absage auch kein Abgesang auf das Festival über den Toren der Stadt. Dass es sich diesmal eine Auszeit nimmt, liegt nicht zuletzt an der Fußball-Europameisterschaft, die vom 9. Juni bis zum 1. Juli in Polen und der Ukraine stattfindet. Das würde zwar nicht den Termin für das Musikspektakel auf der Wülzburg Ende Juli tangieren, wirkt sich aber auf die zu Verfügung stehenden Künstler aus. „In Jahren mit großen Fußballveranstaltungen ist es immer schwierig, ein gutes Programm zusammenzubekommen“, bestätigte Jutta Schneider.
Weil sich kaum einer traut, in der rund vierwöchigen EM-Zeit Musikfestivals zu veranstalten, drängen sich die Großveranstaltungen in den kurzen Sommermonaten auf wenige Wochen. „Da gehen die Künstler vor allem zu den großen Veranstaltungen“, so Schneider. Kleine, weniger renommierte Festivals haben dann oft das Nachsehen.
„Das Wülzburgfest ist nicht tot, es macht nur Pause“, teilte der Veranstaltungsservise Bamberg mit. Und Schneider sieht das genauso. „Wir werden uns im nächsten Jahr wieder umschauen, ob wir ein gutes Programm hinbekommen. Sollte das so sein, machen wir es wieder.“
Seit 1989 lockt das Festival Musikfreunde in den idyllischen Innenhof der Festung. Zunächst in loser Folge, dann Anfang des Jahrtausends im jährlichen Rhythmus. Erst 2007 gab es für die Organisatoren einen herben Rückschlag. Die Absage des Udo-Jürgens-Konzerts war ein „finanzielles Fiasko“. „Für mich war das eigentlich das Ende des Wülzburgfestes“, verrät Thomas Schneider in einer Chronik zum Wülzburgfest, „doch der Auftritt von Haindling am nächsten Abend hat über vieles hinweggetröstet.“
So war das Festungs-Festival nach einer Pause im Jahr 2009 wieder da. Und der zweijährige Rhythmus etablierte sich. 2010 erlebte die Wülzburg ein kurzes Gastspiel des TollWUG-Festivals, und im vergangenen Jahr präsentierten die Brauerei Schneider und der Veranstaltungsservice Bamberg dann ein prominent besetztes Programm. Konzerte von Hubert von Goisern, Haindling sowie der gemeinsame Auftritt von Konstantin Wecker und Hannes Wader lockten Tausende Zuhörer in die Wülzburg. Weniger von Erfolg gekrönt war dagegen eine Neubearbeitung des Musical-Klassikers „Das Phantom der Oper“ mit Starsängerin Deborah Sasson.