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Buch über die große Nürnberger Maschinenfabrik

Ohne Spaeth kein Kanalbau - 09.12.2011 20:03 Uhr

Lastenkräne aus Spaethscher Produktion am Kanalhafen Bamberg – hier auf einer Postkarte um 1900 – sind heute noch sichtbare Überbleibsel der großen Nürnberger Firma. <autor>Abbildung: aus dem Buch</autor>

Lastenkräne aus Spaethscher Produktion am Kanalhafen Bamberg – hier auf einer Postkarte um 1900 – sind heute noch sichtbare Überbleibsel der großen Nürnberger Firma. Abbildung: aus dem Buch


Er promovierte über Aufstieg und Fall des Familienunternehmens und musste sich dafür durch Unmengen von Material wühlen. Das Stadtarchiv veröffentlichte die Arbeit in der "Roten Reihe", in der damit zum ersten Mal ein Thema der Industriegeschichte erscheint.

Johann Wilhelm schrieb sich noch „Späth“. Sein Nachfolger Johannes Falk bevorzugte die Schreibweise mit „ae“, die fortan die offizielle im Firmennamen wurde – bis zum bitteren Ende, im Jahr 1969, als unternehmerische Fehlentscheidungen den Untergang der Firma besiegelten. Das war draußen, vor den Toren Nürnbergs, im heutigen Stadtteil Boxdorf.

Angefangen hatte alles in Wöhrd. Dort richtete sich Johann Wilhelm Späth 1821 eine Werkstatt ein und gründete 1825 seine eigene Fabrik. Den Standort verlegte er 1833 nach Gleißhammer, an das Ufer des Dutzendteichs, wo das Unternehmen seine große Blütezeit erlebte. Es stellte alle Arten von Arbeits- und Werkzeugmaschinen her, Gusswaren, Baustoffe und Eisenbahnzubehör. Im Zusammenhang mit der Eisenbahn bzw. dem „Adler“ ist Späth auch berühmt: Er soll in seiner Werkstatt die aus England kommenden Einzelteile für die berühmte Lokomotive gemeinsam mit Robert Stephenson zusammengebaut haben. Historisch belegt ist das allerdings nicht.

Viel wichtiger dürfte sein, dass Späth die erste Maschinenbauanstalt Bayerns gegründet und damit die Industrialisierung Nürnbergs ein gutes Stück vorangebracht hat. Wer heute noch Original-Produkte des Unternehmens in der Öffentlichkeit anschauen möchte, hat dazu beispielsweise in den alten Kanalhäfen von Nürnberg und Bamberg Gelegenheit, wo noch Lastenkräne der Firma

Spaeth stehen. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal hätte ohne die Fabrik gar nicht gebaut werden können – sie lieferte maßgebliche Teile für Schleusen und Bagger. Und auch die Seilwinde im Dachstuhl der Lorenzkirche, mit deren Hilfe sich der „Englische Gruß“ hochziehen lässt, ist ein Spaeth-Produkt.

Ein Überbleibsel alter Fabrikantenherrlichkeit stellt die Spaethsche Villa am Dutzendteich dar (heute: Seminar Sankt Paul). Das Anwesen gehörte Späths Schwiegersohn Johannes Falk, der nach Späths Tod 1854 die Firmenleitung übernahm. Der war nicht nur Mitglied im Aufsichtsrat der Nürnberg-Fürther-Straßenbahngesellschaft, sondern fuhr selbst gern und oft mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zum Dutzendteich. Für ihn hielten die Fahrer direkt vor der Villa, die ungefähr 150 Meter von der Endhaltestelle entfernt war.

Diese Anekdote, die unter den Nachfahren Späths kursiert, gab Pascal Metzger auch bei der Vorstellung seines Buches im Stadtarchiv zum Besten. Nach Metzgers Meinung haben die Nürnberger Johannes Falk bisher zu wenig Beachtung geschenkt. Während es im Stadtteil St. Peter schon eine Wilhelm-Spaeth-Straße gibt, wartet Johannes Falk noch auf „seine“ Straße.

Pascal Metzger: Maschinenfabrik, Eisengießerei und Brückenbauanstalt Joh. Wilh. Spaeth (1821–1969). Band 69 der Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte. Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch, 680 Seiten, 39 Euro.
  

Ute Wolf

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