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Geschichten von der Bar

Wie sich die Trinkkultur verändert hat - 16.04.2018 08:36 Uhr

_ © Onur Alagöz


„Ich bin eigentlich jeden Freitag hier und der letzte, der  den Laden verlässt“, erzählt er. 7 Uhr morgens ist es dann, und Toni Dittmann hat eine weitere Nacht seinen Gästen stocknüchtern beim Feiern und Trinken zugesehen und dabei jede Menge Spaß gehabt. Es gibt wenig Leute im Landkreis, die besser wissen, wie es um die Trinkkultur der jungen Erwachsenen in Altmühlfranken bestellt ist.

Und von Kultur kann man da tatsächlich irgendwie sprechen, schließlich werden hier Trends gesetzt und gepflegt. Derzeit ist Gin der heiße Scheiß. Vier Sorten des Wacholderschnapses haben sie im Soho stehen, dazu zwei Tonic Water. „Das kam vor zwei Jahren und ist seitdem nicht mehr so richtig weggegangen.“ Dabei war Gin Tonic mal ein Getränk für englische Lords und die Queen, die bis heute täglich um 18 Uhr ihren Gin Tonic als Aperitif schlürft.

Seit die bärtigen Geeks in Holzfällerhemden aber dem Whisky ein wenig den Rücken gekehrt haben und sich mit gleicher Passion dem Wacholder-Destillat widmen, ist Gin ganz vorne dabei. Und er wird bleiben, schätzt Toni Dittmann. Ob das dem Moscow Mule auf Dauer gelingt, dürfte eher fraglich sein.

_ © Onur Alagöz


Der Drink war in der vergangenen Saison der ganze große Hype. Der Moskauer Maulesel glänzt im Original mit Wodka, dem scharf-würzigen Ingwer-Bier und Zitronensaft, im Soho wird er inzwischen auch auf Ginbasis ausgeschenkt. Im Original muss er im Kupferbecher serviert werden, worauf man im Soho allerdings verzichtet.

Der Ort, wo die Trends gemacht werden, ist die Messe Bar Convent Berlin, die sich Dittmann jedes Jahr ansieht. Für das Soho hat er den Anspruch, möglichst nah am Puls der Zeit zu sein: „Wir haben viele Drinks zeitgleich mit den Clubs in den Großstädten.“

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Was das nächste große Ding wird? Dittmann rechnet damit, dass die Shots eine Renaissance feiern. Das, was man früher als „Kurzen“ bezeichnete und sich die Männerwelt als Korn in den Nacken kippte. „Das ist ne Sache, die kann man schnell mal zwischendurch trinken, auch jemanden einladen und dann was anderes probieren“, erklärt Dittmann.
 Das Angebot ist schon jetzt bunt. Die alten Helden sind geblieben: Tequila, Jägermeister, Wodka, neu hinzugekommen aber sind Shots, die nicht mehr nach Desinfektionsmittel riechen. Ein Wodka mit Nuss-Nougat-Aroma oder der Haselnusslikör Frangelico (derzeit Kult). Im Soho steht auch der Hochmoorgeist der Niederhofener Brennerei Betke hoch im Kurs. „Da werden wir demnächst auch noch andere Sachen von ihm einführen, mit ganz irren Aromen“, sagt Dittmann, der sich schon mal auf die mögliche neue Shot-Welle vorbereiten will.

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„Früher konntest du zehn Jahre lange eine weitgehend konstante Getränkekarte haben, das kannst du heute vergessen“, weiß Tobias Weißhaupt, der seit eineinhalb Jahrzehnten in der Region Partys veranstaltet. Die Gäste heute wollen mehr ausprobieren, sie wollen hübsche Geschichten rund um die Drinks, abgefahrene Gläser, blinkende Eiswürfel und ständig neuen Input. Deswegen hat man im Soho auch einen eigenen Drink erfunden, den „Soho Sheet“, den man stilecht in einer Blechbüchse serviert. Gerne dann mit einem der blinkenden LED-Eiswürfel, die man eingeführt hat.

Opfer des Dursts auf Neues sind Drinks geworden, wie der Southern Comfort Kirsch, Asbach Cola oder Kuemmerling, die in den 90ern ganz groß waren. Auch Batida, Malibu und die gesamte Alcopops-Szene ist nahezu verschwunden. Aber natürlich haben auch Klassiker überlebt. „Jacky Cola“, fällt Toni Dittmann sofort ein. „Das ist so ein You-Love-It-Or-Hate-It-Ding.“

_ © Onur Alagöz


Ansonsten leistet man sich im Soho auch einen direkt aus der Mongolei importierten Edel-Wodka namens „Soyombo“, den Weißhaupt und Dittmann für heraustragend halten. Die teuerste Flasche Alkohol, die im Soho regelmäßig über den Tresen geht, ist übrigens die 3-Liter-Buddel des polnischen Edel-Wodkas Belvedere. Die gibt es für schlappe 445 Euro.

Die Trends am Tresen beziehen sich übrigens nicht nur auf das, was getrunken wird, sondern auch darauf, wie getrunken wird. Die neueste Innovation hat Dittmann von einer Urlaubsreise aus Kambodscha mitgebracht. Da konnte man in den Bars nach Ländern gestaffelt gegeneinander antrinken. Eine hübsche Idee, die sich nicht nur umsatzsteigernd, sondern auch kommunikationsfördernd auswirkt.

Das Soho hat nun ein eigenes System entwickelt, wonach jede Bestellung einem Ort zugeschrieben wird. Der Gewinnerort jeden Monats bekommt einen besonderen Preis. Im Dezember sicherte sich übrigens Stopfenheim den Titel als trinkfreudigstes Dorf. Als Belohnung gab es einen eigenen 50-Mann-Bus, der die Stopfenheimer in die Disco karrte und wieder zurückfuhr.  

Jan Stephan Carpe diem

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