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Kleine Kleiderkunde im Fasching

Was hinter Fleckli, Hummel und Hörnern steckt - 11.02.2019 13:22 Uhr

Aber: Ihren Ursprung haben die gruseligen Gestalten gar nicht im Fasching. Karneval ist eine christliche Tradition und soll den Beginn der Fastenzeit einläuten. Die Maskenfiguren sind hingegen ein heidnischer Brauch. Mit ihrem lauten Geschrei, dem Peitschenknallen und der Guggenmusik sollen die Maskierten den Winter austreiben und mit ihm auch böse Geister und Dämonen.

Die Kirche hat das lange Zeit nicht gern gesehen. Im 18. und 19. Jahrhundert hat der Eichstätter Bischof die heidnische Tradition sogar zeitweise verboten, doch heute werden wieder fleißig Masken geschnitzt und Kostüme genäht. Hummel, Fleckli, Flecklasmänner, Flecklashexen, Woldschebberer … – viele Orte in der Region haben ihre eigenen Dämonenvertreiber. Da verliert man leicht den Überblick, deshalb gibt’s nun einen Crashkurs in Sachen Brauchtumsfiguren.

Spalter Fleckla


In Pleinfeld lassen die „Hummel“ ihre Peitschen knallen, sodass mancher Zuschauer erschrocken zur Seite springt. Damit wollen sie den Winter vertreiben, der in Form eines Hörnerbocks auftritt. Schon 1793 wird der Brauch urkundlich erwähnt, sagt der Pleinfelder Hummelverein. Die Hummel haben ein finsteres, schwarzes Gesicht, gelbe oder rote Augenbrauen, eine markante Nase, einen gelben oder roten Bart und nach unten gezogene Zahnreihen.

In Spalt heißen die Geister- und Dämonenaustreiber Fleckli. „Der Name bezieht sich auf die Maskentracht, die aus groben Sackleinen gefertigt ist. Am ganzen Gewand sind rautenförmige Stoffreste (Fleckli) angenäht, die zu abwechselnd schwarzen und roten Reihen senkrecht angeordnet sind“, erklärt der örtliche Karnevalsverein.

Faschingsumzug in Mischelbach


Es gibt normale Fleckli (Lumpenmänner mit gruseligen Holzmasken), Mini-Fleckli (Kinder mit gruseligen Holzmasken) und die Spalter Hopfen-Hex‘n (Frauen in gruseligen grün-weißen Holzmasken). Beim Brauchtumsumzug am Rosenmontag oder beim Faschingsumzug am Faschingsdienstag poltern sie in großer Zahl durch die Gassen der Altstadt. Dabei werden sie traditionsgemäß von Kindern und Jugendlichen geneckt, etwa mit dem Spruch: „Fleckla, Fleckla hast am Arsch a Dreckla!“ Die Retourkutsche ist meist ein Klaps mit dem Reisigbesen auf den Allerwertesten.

Ähnlich ist es in Hilpoltstein mit den Flecklasmännern: Diese werden traditionell mit Reimen aus der Bevölkerung begleitet. „Flecklasmo, hast Klamperla dro, hast all derfrorn, bist bucklert worn. Gänskrong, Saumogn, derf ma nimmer song.“

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Hummel machen Remmidemmi in Pleinfeld

Sie heißen Donzdorf’er Noda-Biag’r, Wasserschnalzer Schludda Gugga, Mauchgugga, Wendengugga, Oschtalb Ruassgugga oder Kocher Fetza. Allen gemein sind zwei Eigenschaften: Die Kostüme sind grell und bunt und ihre Musik ist ohrenbetäubend laut. Genau die richtige Mixtur, um im Fasching mal so richtig die Sau rauszulassen und den Pleinfelder Marktplatz in einen wahren Hexenkessel zu verwandeln.


Die Hilpoltsteiner Flecklasmänner haben rote Rauten auf ihren Gewändern, bis zu 2000 Stück nähen die Mitglieder des Brauchtumsvereins selbst auf jedes ihrer Kostüme. Die Rauten waren früher ein Symbol für den Frühling. Aber auch Fleckengewänder aus Stofffetzen findet man bei den Hilpolt-
steinern.

Die Woldschebberer und Mönchswaldfüchse treiben in Mitteleschenbach ihr Unwesen. Bei den beiden Brauchtumsfiguren wird schnell klar, dass der nahe gelegene Mönchswald für Mittel- eschenbach eine große Bedeutung in Brauchtum und Tradition hat: Die Woldschebberer, Woldgeischder und Waldfeen sind an Sagen und Mythen rund um den Mönchswald angelehnt und ihr Haupt wird von grünen Blättern geziert.

Das Antlitz der Mönchswaldfüchse ist, wie der Name schon sagt, dem von Füchsen nachempfunden. Man erzählt sich nämlich, dass die Mitteleschenbacher Bauern früher nicht nur ein Zehntel von Ernte und Vieh an ihre Grundherren abgeben mussten, sondern auch an die listigen Füchse aus dem tiefen Mönchswald. Ganz nach dem Motto: Fuchs, du hast die Gans gestohlen. Die handgeschnitzten Fuchsmasken gleichen einem listig dreinschauenden Fuchs mit rot-braunem Gesicht und grau-weißer Schnauze. Auf dem Kopf sitzt eine Haube aus echtem Fuchsfell.

Und dann gibt es noch den jüngsten Zugang in der Faschingsriege, die Brombachseer Seenteufel. Die zotteligen, gehörnten Ungeheuer sehen zwar althergebracht aus, sind aber erst vor zwei Jahren in Großweingarten aus der Taufe gehoben worden. Althergebracht ist jedoch die Sage, auf deren Grundlage die Seenteufel durch die Straßen geistern: Im Brombachtal, noch vor der Zeit des Brombachsees, soll einst ein habgieriger Müller seine Seele an den Teufel verkauft und damit sich und seine Familie ins Unglück gestützt haben … Gehen halt selten gut aus, solche Geschichten.  
                    

MIRIAM ZÖLLICH Carpe diem

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